26.07.12

Zuwanderung

Fast eine Million Ausländer kommen neu nach Deutschland

Zuwanderer stoppen erstmals seit zehn Jahren Bevölkerungsrückgang. 2011 kamen 958.000 Menschen. Hamburg eine der beliebtesten Städte.

Foto: dpa/DPA
Asylbewerber im Wohnheim der Ausländerbehörde Brandenburg
Ende 2011 lebten 7,41 Millionen Ausländer in Deutschland. Hamburg zählt derzeit rund 490 000 Menschen mit Migrationshintergrund zu seinen Einwohnern

Hamburg. Nach jahrelangem Rückgang ist Deutschlands Bevölkerung wieder gewachsen. Obwohl im vergangenen Jahr hierzulande mehr Menschen starben, als Kinder auf die Welt kamen, erhöhte sich die Einwohnerzahl der Bundesrepublik um 92 000 auf mehr als 81,8 Millionen. Grund für die Bevölkerungszunahme sei die gestiegene Zuwanderung aus dem Ausland, teilte das Statistische Bundesamt gestern mit. Im Jahr 2011 kamen 958 000 Menschen neu nach Deutschland. Damit sei der seit 2002 anhaltende rückläufige Trend zunächst gestoppt.

Hamburg profitiert besonders von dieser Entwicklung und gehört zu den acht Bundesländern, die eine Zunahme der Bevölkerung verzeichneten. Die Hansestadt zählte Ende vergangenen Jahres 12 000 Einwohner mehr als 2010. Seit 2006 summiert sich der Zuwachs auf 50 000 Einwohner. Das Statistikamt Nord hatte unlängst mitgeteilt, dass wieder mehr als 1,8 Millionen Menschen in Hamburg leben. Die1,8-Millionen-Marke war zuletzt 1969 übertroffen worden.

+++ Gut ausgebildete Zuwanderer decken Fachkräftebedarf +++

Ansgar Kortenjann, Leiter der Abteilung Standort- und Regionalpolitik in der Handelskammer, macht die Attraktivität der Hansestadt und das hochwertige Angebot an Arbeitsplätzen für die positive Entwicklung verantwortlich. "Hamburg ist seit Jahren eine wachsende Stadt." Allerdings sei Zuwanderung "keine Einbahnstraße". Sie müsse zielgerichteter organisiert werden, sagt Kortenjann. Wichtig sei es, jungen, gut ausgebildeten Menschen eine Perspektive für ein erfolgreiches Leben anzubieten. Dazu gehöre, dass ausländische Bildungsabschlüsse einfacher als bisher anerkannt werden. Attraktive Arbeitsangebote für mitziehende Ehepartner müssten hinzukommen.

Bei der Überwindung von Sprachbarrieren sei auch die deutsche Wirtschaft gefordert, sagt Kortenjann. "Wer Fachkräfte aus dem Ausland beschäftigen will, der kommt an Englisch als zweiter Unternehmenssprache nicht vorbei." Nach Kortenjanns Worten gibt es derzeit in Hamburg zwar keinen flächendeckenden Fachkräftemangel. Das werde sich aber in den kommenden Jahren - auch infolge der Alterung unserer Gesellschaft - ändern.

Dem Bundesamt zufolge wurden 2011 in Deutschland 663 000 Kinder geboren. 852 000 Menschen starben. Das Geburtendefizit sei durch die Zuwanderung mehr als ausgeglichen worden. Während 958 000 Menschen nach Deutschland kamen, verließen 679 000 das Land. Die zahlenmäßig größte Zunahme der Bevölkerung - plus 57 000 - verzeichnete Bayern. Bei der Wachstumsrate liegt Hamburg hinter Berlin (1,2 Prozent) mit 0,7 Prozent auf Platz zwei.

Vor allem aus der EU seien mehr Menschen nach Deutschland gezogen, erklärten die Statistiker. Ende 2011 lebten 7,41 Millionen Ausländer in Deutschland. Hamburg zählt derzeit rund 490 000 Menschen mit Migrationshintergrund zu seinen Einwohnern. Ihr Durchschnittsalter liegt bei 34,2 Jahren, während das Durchschnittsalter der gesamten Hamburger Bevölkerung 42,6 Jahre beträgt.

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