11.07.12

Verdacht auf Untreue

Razzia bei Mappus wegen EnBW-Deal

Der Ex-Regierungschef Stefan Mappus ist wegen der Verstaatlichung der EnBW ins Visier der Justiz geraten. Schlimmstenfalls droht ihm Gefängnis.

Foto: dapd/DAPD
Der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Stefan Mappus (CDU). Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen Mappus und den Banker Dirk Notheis wegen Verdachts der Untreue
Der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Stefan Mappus (CDU). Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen Mappus und den Banker Dirk Notheis wegen Verdachts der Untreue

Stuttgart. Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) muss wegen des umstrittenen EnBW-Deals nun auch mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitete nach langem Zögern ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue ein. Die Ermittler durchsuchten am Mittwoch Wohnungen und Büros des ehemaligen Regierungschefs unter anderem in Pforzheim und Stuttgart.

Mappus soll Ende 2010 den Kauf von 45 Prozent des Karlsruher Energieversorgers EnBW für 4,7 Milliarden Euro nicht ausreichend vorbereitet und dadurch zu viel bezahlt haben. Dem Land könnte ein hoher finanzieller Schaden entstanden sein, erklärte die Anklagebehörde.

Auch gegen Mappus' damaligen Berater Dirk Notheis, Deutschlandchef der Investmentbank Morgan Stanley, wird wegen Beihilfe zur Untreue ermittelt. Bei dem alten Freund von Mappus aus Zeiten der Jungen Union wurden Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht, darunter am Sitz der Bank in Frankfurt am Main.

+++ Rechnungshof rügt Mappus' Vorgehen bei EnBW-Deal +++

Mappus hatte den Rückkauf der Aktien von dem französischen Energiekonzern Electricité de France (EDF) quasi im Alleingang innerhalb weniger Tage am Parlament vorbei durchgezogen. Der Staatsgerichtshof hatte dieses Vorgehen bereits als verfassungswidrig eingestuft. Ein Untersuchungsausschuss des Landtags versucht seit Anfang des Jahres Licht in die Affäre zu bringen. Grüne und SPD werfen Mappus vor, er habe mit dem Geschäft um jeden Preis wenige Monate vor der Landtagswahl einen Coup landen wollen.

Die Staatsanwaltschaft begründet ihre Ermittlungen mit dem jüngst veröffentlichten Gutachten des Landesrechnungshofs. Daraus ergäben sich "zureichende tatsächliche Anhaltspunkte" für Untreue. Die Prüfer hatten Ende Juni das Gebaren von Mappus beim Abschluss des EnBW-Deals scharf gerügt. Sie hielten ihm große Versäumnisse bei der geheimen Anbahnung des Milliardengeschäfts vor: Das Verfahren habe "in wesentlichen Teilen nicht den Anforderungen genügt, die aus der Landesverfassung und der Landeshaushaltsordnung folgen". Mappus habe ohne Not aufs Tempo gedrückt und somit eine sorgfältige rechtliche und wirtschaftliche Prüfung verhindert.

+++ Wegen EnBW-Deal: CDU geht auf Distanz zu Mappus +++

Die Anklagebehörde erklärte nun, es habe offenbar keine ausreichende Wirtschaftlichkeitsprüfung gegeben. In Sachen Kaufpreis zitiert die Staatsanwaltschaft aus dem Bericht des Rechnungshofs, wonach keine nachvollziehbaren Gründe vorhanden gewesen seien, warum der Vertrag nicht zu einem Kaufpreis von 39,90 Euro pro Aktie abgeschlossen wurde. Diese Untergrenze hatte die EDF gezogen. "Die Aufrundung um 10 Cent pro Aktie auf 40 Euro ließ die Kaufpreissumme um insgesamt 11,2 Millionen Euro ansteigen, wodurch in dieser Höhe ein Nachteil für das Vermögen des Landes eingetreten sein könnte", erklären die Ermittler.

Zudem habe Mappus die Erhöhung des Kaufpreises auf 41,50 Euro pro Aktie zur Kompensation der Dividende für das Jahr 2010 ohne weitere Verhandlungen akzeptiert – dadurch habe sich die Summe um weitere 170 Millionen Euro erhöht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem CDU-Mann außerdem vor, Morgan Stanley freihändig mit den Vertragsverhandlungen beauftragt zu haben, "ohne dass das zu zahlende Honorar vereinbart worden war". Mappus habe anschließend die Honorarvorstellungen der Bank ohne weiteres akzeptiert. Auch hier könnte dem Land ein finanzieller Schaden entstanden sein.

Nach einem Gutachten im Auftrag der grün-roten Landesregierung hat Mappus damals sogar mindestens 840 Millionen Euro zu viel für die EnBW-Aktien bezahlt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton bewertet es nach Zeitungsberichten als "nicht gerechtfertigt", dass Mappus eine Übernahmeprämie von 18,6 Prozent auf den Aktienkurs akzeptierte, da das Land keine Kontrolle über die EnBW erhalten habe. Zweiter großer Anteilseigner an der EnBW ist der oberschwäbische Kommunalverband OEW.

Grün-Rot klagt vor dem Schiedsgericht der internationalen Handelskammer wegen des aus seiner Sicht überhöhten Kaufpreises. Die Investmentbank Morgan Stanley hatte damals den Kaufpreis als angemessen gewertet. Kritik an ihrer Arbeit hatte die Investmentbank unlängst zurückgewiesen.

( dpa/abendblatt.de )

Hintergrund: Der EnBW-Aktiendeal
Hintergrund: Der EnBW-Aktiendeal
19.01.2000 – Das Land verkauft 25,01 Prozent der EnBW an den französischen Stromkonzern EDF und erhält dafür 4,7 Milliarden Mark (2,4 Mrd Euro). Mit einem Großteil des Geldes wird die gemeinnützige Landesstiftung gegründet. Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) kündigt sinkende Strompreise an.
06.12.2010 – Wenige Monate vor der Landtagswahl kauft das Land überraschend die EnBW wieder von der EDF zurück. Der Kaufpreis für einen 45-Prozent-Anteil: 4,67 Milliarden Euro. Finanzminister Willi Stächele (CDU) wendet das Notbewilligungsrecht an; so müsse der Landtag vorab nicht zustimmen.
15.12.2010 – Der Landtag stimmt mit der CDU/FDP-Mehrheit dem Wiedereinstieg des Landes bei der EnBW zu. SPD und Grüne verlassen bei der Abstimmung den Saal.
17.01.2011 – Die Opposition aus SPD und Grünen kündigt eine Klage gegen den EnBW-Aktiendeal vor dem Staatsgerichtshof an. Man sieht das Haushaltsrechts des Landtags, das "Königsrecht", verletzt.
06.10.2011 – Der Staatsgerichtshof Baden-Württemberg erklärt den EnBW-Deal für verfassungswidrig. Die Richter geben Grünen und SPD, die inzwischen die Regierung stellen, recht: Die Regierung von Ex-Ministerpräsident Mappus hätte das Geschäft nicht am Landtag vorbei abwickeln dürfen.
12.12.2011 – Die Grünen wollen den EnBW-Deal des Landes in einem Untersuchungsausschuss aufarbeiten. Das Gremium soll das Verhalten der ehemaligen Landesregierung beim Erwerb des EnBW-Aktienpaketes aufklären.
21.12.2011 – Der Untersuchungsausschuss kommt zum ersten Mal zusammen.
26.01.2012 – Ein Bericht der Landesregierung zum EnBW-Deal wird bekannt. Er legt nahe, dass sich Mappus über den Rat seiner juristischen Berater, die vor einer Umgehung des Parlaments gewarnt haben sollen, hinweggesetzt haben soll.
09.03.2012 – Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) und sein damaliger Berater, der Deutschland-Chef der Investmentbank Morgan Stanley, Dirk Notheis, treten vor dem Untersuchungsausschuss auf. Mappus räumt ein, dass er den Deal so nicht noch einmal abschließen würde, hält ihn aber insgesamt "nach wie vor für richtig".
25.05.2012 – Es wird bekannt, dass die grün-rote Regierung beim Schiedsgerichtshof klagt, um den französischen Versorger EDF zur Rückzahlung von zwei Milliarden Euro des Kaufpreises zu bewegen. Grün-Rot glaubt, das Land habe für seine Anteile zu viel gezahlt.
14.06.2012 – Wird der Stecker gezogen? Die grün-rote Landesregierung kündigt an, auf eine komplette Rückabwicklung des EnBW-Deals zu pochen, falls EDF nicht die zwei Milliarden Euro an das Land zurückzahlt.
25.06.2012 – Wegen seiner Rolle beim Einstieg des Landes beim Energiekonzerns EnBW zieht sich Morgan-Stanley-Deutschlandchef Dirk Notheis aus dem operativen Geschäft zurück. Der 44-jährige Mappus-Vertraute nimmt sich eine Auszeit.
26.06.2012 – Der Rechnungshof rügt das Vorgehen der früheren Landesregierung in Sachen EnBW scharf. Die Prüfung ergab, "dass das Verfahren im Vorfeld des Vertragsabschlusses in wesentlichen Teilen nicht den Anforderungen genügt, die aus der Landesverfassung und der Landeshaushaltsordnung folgen". Risiken seien nicht ausreichend berücksichtigt worden.
11.07.2012 – Die Staatsanwaltschaft Stuttgart nimmt gegen Mappus Ermittlungen wegen Verdachts der Untreue auf und durchsucht Wohnungen und Büros. Gegen Notheis wird wegen Beihilfe ermittelt. Die Ermittler stützen sich auf den Bericht des Rechnungshofs.
Quelle: dpa
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
title
Aktualisiert vor 47 MinutenGewitter im Norden
Auch heute Abend drohen wieder Unwetter

Auf die Rekordhitze folgten in weiten Teilen Norddeutschlands schon am Mittwoch heftige Gewitter. In Hamburg fielen bis zu 332 Ampeln aus, zwei Dachstühle brannten. Ein Flieger musste nach Kopenhagen… mehr...


An historischer Stätte: US-Präsident Barack Obama östlich des Brandenburger Tores. Für Jahrzehnte war das undenkbar
11:03Reaktionen
Obama-Rede auf der Titelseite – mit einem Halbsatz

Die Bundesregierung gibt sich begeistert. Doch in seiner Heimat spielt die Berliner Rede von US-Präsident Obama kaum eine Rolle. Die "New York Times" widmet ihr auf der Titelseite nur einen Halbsatz. mehr...


Noch ist unklar, welche Flüssigkeit in den gefundenen Fässern lagert. (Symbolbild)
10:18Kreis Stormarn
Giftfässer bei Bauarbeiten in Tangstedt entdeckt

Sechs Fässer mit "ätzendem Stoff in hoher Konzentration" in Wilstedt entdeckt. Gefahrtrupp der Feuerwehr muss anrücken. Arbeiter atmen Dämpfe ein. mehr...


Vor dem Stadion Castelao in Fortaleza protestierten Demonstranten teilweise gewaltsam gegen Korruption, Misswirtschaft und hohe Staatsausgaben für die WM in Brasilien
11:45Proteste beim Confed Cup
Auch Brasiliens zweiter Sieg wird von Gewalt überschattet

Während die Seleção in Fortaleza mit einem Erfolg über Mexiko den Einzug ins Halbfinale des Confed Cups perfekt machte, tobte vor dem Stadion das Volk. Bei der Demo gegen Korruption gab es auch Verlet… mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Berlin
Reaktionen auf Obamas Rede am Brandenburger Tor

US-Präsident Barack Obama hat in seiner Berliner Rede von atomarer Abrüstung und den guten Beziehungen zu Deutschland gesprochen. Die Reakti…mehr »

Top Bildergalerien mehr
Hochwasser

Die Hamburger Feuerwehr hilft in Dresden

Gewitter

Bilder des Unwetters im Norden

Barack Obama in Berlin

Konzert

Depeche Mode live in Hamburg

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr