Buch-Präsentation im Kanzleramt
Merkel wundert sich über deutsche Sorglosigkeit
Die Kanzlerin hat ein Buch über den Zukunftsdialog herausgegeben - in einem kleinen Hamburger Verlag. In Berlin stellte Merkel das Werk vor.
Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist verwundert, wie sorglos viele Bürger trotz der Finanzkrise in Europa und angespannten Lage auch für deutsche Unternehmen in die Zukunft blicken. Die Grundsorge, ob die deutsche Wirtschaft angesichts der Globalisierung in zehn Jahren noch so stark sei wie heute, treibe die Menschen nicht so sehr um, sagte Merkel am Montag in Berlin bei der Vorstellung des von ihr im Hamburger Murmann-Verlag herausgegebenen Buches "Dialog über Deutschlands Zukunft" . Es herrsche die Haltung vor, dass Deutschland auf einem guten Niveau lebe und das irgendwie erhalten werde. "Das hat mich verwundert."
Sie selbst beunruhige die Frage, wovon Deutschland in Zukunft leben wolle, bekannte die CDU-Chefin. Andererseits sei der Optimismus der Deutschen auch positiv. Merkel hat vor einem Jahr einen Dialog mit Wissenschaftlern und Bürgern über drei Fragen zum Zusammenleben, zu den Lebensgrundlagen und zur Bildung gestartet und die Ergebnisse nun von dem Journalisten Christoph Schlegel aufschreiben lassen.
Merkel regt Diskussion über Föderalismus an
Im Rahmen der Buchvorstellung rief Merkel auch zu einer verstärkten Diskussion über das Verhältnis von Bund und Ländern auf. Besonders in Bildungsfragen sorgten die deutschlandweit unterschiedlichen Regelungen häufig für Unmut, sagte die CDU-Vorsitzende. Die Bürger haben "keine Lust in Mecklenburg-Vorpommern zu sitzen und nicht zu wissen, wie man in Bayern Abitur macht", berichtete Merkel von ihren Erfahrungen beim Zukunftsdialog der Bundesregierung.
Es sei auch an den Ländern, dies mal zu diskutieren. "Die Menschen tun sich schon schwer mit Föderalismus. Ich habe keinen getroffen, der es irgendwie richtig fand, dass die Länder die Schulhoheit haben", sagte die Kanzlerin. Im Rahmen des Bürgerdialogs war von Merkel in fast allen Veranstaltungen gefordert worden, dass der Bund die Bildungskompetenz übernehmen oder zumindest straffer koordinieren sollte.
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Merkel regte außerdem eine Erfolgskontrolle für präventive Arbeit an. "Wir haben so eine Grundeinstellung, dass jeder, der eine soziale Arbeit macht, etwas Gutes tut", erklärte sie. Es bedürfe aber auch der Evaluation ehrenamtlicher Tätigkeiten, damit man sich anschauen könne, "welcher Ansatz funktioniert und welcher nicht, ohne, dass sich jemand dann gleich verletzt fühlt".
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Der Zukunftsdialog beschäftigt sich mit dem künftigen Zusammenleben und Arbeiten in Deutschland. Dazu konnte zum einen über eine Online-Plattform diskutiert werden, zum anderen lud die Kanzlerin Bürger zu drei Diskussionsveranstaltungen. Außerdem beschäftigen sich über 120 Experten mit Fragen über die alternde Gesellschaft, die Globalisierung der Wirtschaft und das Lernen in der digitalen Welt. Lösungsansätze sollen Ende August präsentiert werden.
Mit Material von dpa und dapd














