27.06.12

Nachfolger des Zivildienstes

Freiwilligendienst entwickelte sich zum Erfolgsmodell

Soziales Engagement scheint bei vielen angesagt zu sein. Kristina Schröder hat eine positive Bilanz für den Bundesfreiwilligendienst gezogen.

Foto: Getty Images/Getty
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) spricht von einem großen Erfolg der Freiwilligen, die in Anlehnung an die "Zivis" schnell zu "Bufdis" wurden
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) spricht von einem großen Erfolg der Freiwilligen, die in Anlehnung an die "Zivis" schnell zu "Bufdis" wurden

Berlin. Der vor einem Jahr eingeführte Bundesfreiwilligendienst hat sich zum Erfolgsmodell entwickelt. Kommunen und Verbände lobten am Mittwoch die Entwicklung des Nachfolgers des Zivildienstes und forderten einen Ausbau. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder sprach von einer "großartigen Bilanz". "Im ersten Jahr haben sich 50.000 Menschen daran beteiligt", sagte die CDU-Politikerin der Zeitung "Die Welt". Was bisher über eine Dienstpflicht gelaufen sei, funktioniere jetzt fast nahtlos über Freiwilligkeit. Dies sei eine "politische Sensation". Schröder sagte, 20 Prozent der Dienstleistenden seien älter als 50 Jahre. Der "Schreinermeister im Ruhestand, der in die Kita geht und mit den Kindern Vogelhäuser baut", zähle ebenso dazu wie die "pensionierte Lehrerin, die Kindern mit Migrationshintergrund bei den Hausaufgaben hilft". Mehr Stellen könne sie aber nicht schaffen, weil sie dafür kein Geld bekomme.

Nachfrage nicht ausbremsen

Genau dies fordern aber die Kommunen. Der neue Dienst sei inzwischen so erfolgreich, dass die vorhandenen Stellen bei weitem nicht mehr ausreichten, erklärten Deutscher Städtetag, Deutscher Städte- und Gemeindebund sowie der Deutsche Landkreistag in Berlin. Das Jahreskontingent von 35.000 Plätzen sei bereits vor Monaten ausgeschöpft gewesen. Es herrsche quasi ein Einstellungsstopp bis zum Jahresende.

+++ Fast jeder fünfte Bundesfreiwillige älter als 50 +++

Bereits jetzt seien 25 Prozent der Plätze für das Jahr 2013 vergeben und der Ansturm dauere an. "Diese große Nachfrage sollte man nicht ausbremsen", mahnten die Hauptgeschäftsführer der drei Verbände. Zudem führe die Kontingentierung dazu, dass die Einsatzstellen kaum Planungssicherheit hätten und die Freiwilligen ihren Dienst frühzeitig planen müssten. Der Bundesfreiwilligendienst sei ein erfolgreiches Instrument, um das freiwillige zivilgesellschaftliche Engagement zu stärken, deshalb lohne sich der Ausbau.

Aus Sicht der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist der Bundesfreiwilligendienst quantitativ wie qualitativ noch ausbaufähig. Der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler zeigte sich zwar insgesamt zufrieden mit der Entwicklung und bescheinigte den Freiwilligen eine hohe Motivation. Es gebe aber nach wie vor keine Qualitätskriterien für die pädagogische Betreuung. Auch müssten die Verwaltungsabläufe noch vereinfacht werden.

Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) war am 1. Juli 2011 gestartet. Er ersetzte nach dem Ende der Wehrpflicht die Zivildienst. Männer und Frauen aller Altersgruppen können ihn ableisten – vor allem in sozialen Einrichtungen, Sportvereinen oder Kulturinstitutionen. Der Bund fördert nach Angaben des Bundesfamilienministeriums die Freiwilligendienste mit 350 Millionen Euro pro Jahr, den BFD mit 250 Millionen Euro sowie das Freiwillige Soziale und Ökologische Jahr mit 100 Millionen Euro.

Der Bundesfreiwilligendienst
Im Bundesfreiwilligendienst (BFD), der am 1. Juli 2011 startete und an die Stelle des Zivildienstes trat, sind derzeit rund 35.000 Menschen tätig.
Er bietet Bürgern aller Altersklassen eine Möglichkeit zum freiwilligen Engagement im sozialen und ökologischen Bereich, aber auch in weiteren Bereichen wie Sport, Integration, Kultur und Bildung.
Im BFD sind etwa gleich viele Männer und Frauen aus allen sozialen Schichten aktiv.
Rund ein Drittel von ihnen ist über 27 Jahre alt.
Das Engagement kann zwischen sechs und 24 Monaten lang sein und ist für alle, die älter als 27 Jahre alt sind, auch in Teilzeit möglich
Der freiwillige Einsatz kann auch als Praktikum angerechnet und zur Überbrückung von Wartezeiten, etwa im Studium, genutzt werden.
Die Freiwilligen werden während ihres Engagements fachlich angeleitet und besuchen Seminare, etwa zu politischer Bildung.
Neben dem Bundesfreiwilligendienst gibt es die Möglichkeit, sich im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) zu engagieren. Sie werden von den Bundesländern getragen.
Nach einer Umfrage wird der BFD in Umbruchphasen genutzt, etwa nach dem Schulabschluss oder nach einer Familienphase.
Ferner werde der Dienst bei Arbeitslosigkeit oder zur Aufbesserung der Bezüge bei geringer Rente oder Hartz-IV-Bezug in Anspruch genommen.
Die Freiwilligen werden gesetzlich sozialversichert.
Die Eltern erhalten Kindergeld.
Für das Taschengeld sind 330 Euro als Höchstgrenze festgelegt; zusätzlich kann die Einsatzstelle die Kosten für Verpflegung, Dienstkleidung, Unterkunft ausbezahlen.
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