11.06.12

Landgericht Dresden

Gericht verurteilt Neonazis der Gruppe "Sturm 34"

Vier Männer der Neonazi-Gruppe "Sturm 34" wurden zu Jugendstrafen auf Bewährung von bis zu zwei Jahren verurteilt. Einer erhielt eine Geldstrafe.

Foto: dpa
Im neuen Prozess gegen fünf Rädelsführer der verbotenen Neonazi-Kameradschaft "Sturm 34" hat das Landgericht Dresden die Bildung einer kriminellen Vereinigung bestätigt
Im neuen Prozess gegen fünf Rädelsführer der verbotenen Neonazi-Kameradschaft "Sturm 34" hat das Landgericht Dresden die Bildung einer kriminellen Vereinigung bestätigt

Dresden. Das Landgericht Dresden hat vier mutmaßliche Rädelsführer der verbotenen Neonazi-Gruppe "Sturm 34" zu Bewährungsstrafen von sechs Monaten bis zwei Jahren verurteilt. Ein weiterer Angeklagter erhielt eine Geldstrafe. Die Richter sahen die Vorwürfe der schweren Körperverletzung, der Bildung einer kriminellen Vereinigung im Jahr 2006 sowie der Sachbeschädigung als erwiesen an. Die Staatsanwaltschaft hatte für die 23 bis 44 Jahre alten Männer aus dem sächsischen Mittweida Bewährungsstrafen bis zu zwei Jahren und Geldstrafen gefordert. Die Verteidiger hatten für Geldauflagen und Verwarnungen plädiert. Der Fall musste neu aufgerollt werden, nachdem der Bundesgerichtshof ein erstes Urteil von 2008 kassiert hatte. (dpa)

Chronologie
Zusammenhängende rechtsextreme Taten der vergangenen Jahre
Januar 1998: In Jena (Thüringen) hebt die Polizei eine Bombenwerkstatt der Rechtsextremisten Uwe B., Uwe M. und Beate Z. aus und stellt Rohrbomben mit dem Sprengstoff TNT sicher. Das Labor war in einer Garage versteckt. Das Trio flieht.
1999: Unbekannte Täter beginnen eine Serie von mindestens 14 Banküberfällen in mehreren ostdeutschen Bundesländern. Später werden die Taten Uwe B. und Uwe M. zugeordnet.
9. September 2000: In Nürnberg wird ein türkischer Blumenhändler erschossen.
Bis April 2006 folgen weitere Morde an sieben Türken und einem Griechen, immer mit derselben Waffe und nach dem gleichen Muster. Die Taten werden als sogenannte Döner-Morde bekannt. Die blutige Spur zieht sich quer durch Deutschland: Zwei weitere Morde ereignen sich in Nürnberg (2001, 2005), zwei in München (2001, 2005), je ein Mord in Kassel (2006), Hamburg (2001), Rostock (2004) und Dortmund (2006).
25. April 2007: In Heilbronn wird eine 22 Jahre alte Polizistin erschossen. Ihr Kollege überlebt schwer verletzt. Am Dienstwagen wird die DNA-Spur einer Unbekannten sichergestellt.
2007 bis 2009: Die Ermittler jagen ein Phantom. Gen-Spuren einer angeblichen "Frau ohne Gesicht" werden bei mehr als 35 Straftaten gefunden.
27. März 2009: Die Staatsanwaltschaft Heilbronn gibt bekannt, dass die Gen-Spuren der "Frau ohne Gesicht" auf einem Laborfehler beruhen.
1. November 2011: In Döbeln bei Leipzig wird am Abend ein Dönerbuden-Betreiber erschossen. Der Täter kann fliehen. Bisher ist unklar, ob es eine Verbindung zu den früheren Döner-Morden gibt.
4. November 2011: Nach einem Banküberfall in Eisenach (Thüringen) werden Uwe B. und Uwe M. tot in ihrem ausgebrannten Wohnmobil gefunden. In Zwickau (Sachsen) geht die Wohnung, in der beide mit Beate Z. lebten, in Flammen auf.
7. November 2011: Die Dienstpistolen der Heilbronner Polizistin und ihres Kollegen werden in dem ausgebrannten Wohnmobil entdeckt.
8. November 2011: Beate Z. stellt sich der Polizei in Jena.
11. November 2011: Die Bundesanwaltschaft sieht Verbindungen zwischen dem Heilbronner Polizistenmord und der Döner-Mord-Serie.
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