25.05.12

Mangel an Spenderorganen

Bundestag beschließt Reform: Organspende wird neu geregelt

Nach rund 15 Jahren Debatte zieht der Bundestag Konsequenzen aus dem fatalen Organmangel und beschließt eine Reform.

Foto: ddp
Alle Bürger in Deutschland sollen künftig regelmäßig Post von den Krankenkassen – gesetzlich wie privat – mit der Frage nach ihrer Bereitschaft zur Organspende bekommen
Alle Bürger in Deutschland sollen künftig regelmäßig Post von den Krankenkassen – gesetzlich wie privat – mit der Frage nach ihrer Bereitschaft zur Organspende bekommen

Berlin. Alle Bundesbürger ab 16 Jahren werden künftig per Post nach ihrer Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod gefragt. Das beschloss der Bundestag nach jahrelanger Diskussion am Freitag mit breiter Mehrheit. In der Debatte stimmten die Politiker die Bürger darauf ein, dass der Staat in dieser Frage nicht mehr lockerlässt, weil der Mangel an Spenderorganen dramatisch ist. Wann genau die Briefe millionenfach verschickt werden, ist noch offen.

Zuständig sind die gesetzlichen und privaten Krankenkassen. Sie sollen den Versicherten ab 16 Jahren Informationsmaterial und einen Organspendeausweis zuschicken. Auch bei der Passausgabe in den Ämtern sollen die Bürger die Unterlagen erhalten.

+++ Bundestag beschließt Organspende-Reform +++

Verankert wird diese Entscheidungslösung im Transplantationsgesetz. Bei der Linken gab es einige Gegenstimmen und Enthaltungen, auch bei Grünen und FDP war die Zustimmung nicht durchgängig. Die Abstimmung über den gemeinsam erarbeiteten Gruppenantrag verlief ohne Fraktionszwang. Von den 12.000 Menschen, die in ganz Deutschland auf eine Spende warten, sterben jeden Tag 3.

"Wir wollen den Menschen tatsächlich etwas mehr auf die Pelle rücken, indem wir fragen und nachfragen", sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. "Es gibt kein unverbrüchliches Recht, in Ruhe gelassen zu werden." Er sprach von einem Ja zu Mitmenschlichkeit und Solidarität. Steinmeier wandte sich gegen übertriebene Hoffnungen: Die Organspende – nur von Hirntoten kann sie genommen werden – könne nur ein Beitrag sein, um Todkranken zu helfen.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) erinnerte an den Anstoß für das Gesetz. Steinmeier und er hätten den Eindruck gehabt, "dass wir nicht häufig genug und intensiv genug an die Menschen herangegangen sind, um sie aufzufordern und zu motivieren, Organe zu spenden". Dies solle nun geschehen, ohne Druck auszuüben.

+++ Das müssen Sie zur Organspende wissen +++

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sprach von einem starken Signal. Er kündigte an: "Wir werden eine große Öffentlichkeitskampagne starten, um die Menschen besser aufzuklären." Dazu soll am kommenden Donnerstag in Münster eine Informationstour starten. Bisher hätten nur 25 Prozent der Bürger einen Spenderausweis. "Wir werden nicht lockerlassen, und werden regelmäßig immer wieder informieren." Elisabeth Scharfenberg (Grüne) sagte: "Das Thema wird in die Gesellschaft und die Familien getragen."

+++ Vor Entscheidung im Bundestag: Stars werben für Organspenden +++

In einigen Jahren sollen die Versicherten ihre Entscheidung auf der elektronischen Gesundheitskarte dokumentieren können. Sobald dies technisch möglich ist, sollen sie sich von den Krankenkassen helfen lassen können. Diese sollen die Daten speichern und löschen können. Die Linke und die Grünen wandten sich aus Sorgen um den Datenschutz und wegen der Verunsicherung der Bürger dagegen, scheiterten aber mit entsprechenden Änderungswünschen.

Ein weiterer Gesetzesbeschluss bringt Änderungen beim Ablauf der Organspende. Von Politikern und Experten werden sie als mindestens ebenso wichtig eingestuft, um mehr Spenderorgane zu gewinnen. Alle in Frage kommenden Krankenhäuser müssen Transplantationsbeauftragte haben. Potenzielle Organspender sollen besser als heute identifiziert werden.

Für Menschen, die zu Lebzeiten etwa eine Niere spenden, sollen auf Kosten der Krankenkassen des Empfängers eine Entgeltfortzahlung und Krankengeld garantiert werden. Auch die Nachsorge wird gesichert.

+++ Facebook-Nutzer als Organspender bald in Deutschland? +++

Umstritten bleibt der Umgang mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), die die Spenden organisiert. Ihr werden Unregelmäßigkeiten und Selbstherrlichkeit vorgeworfen. Die Koalition und die SPD wollen mehr Transparenz und Kontrollen. Linke und Grüne verlangten hingegen eine grundsätzliche Reform bei der DSO. Deswegen stimmten sie der Änderung des Transplantationsgesetzes nicht zu.

Wann die Versicherten Post zur Organspende bekommen, ist noch unklar. Beide Gesetze sollen voraussichtlich bis zum 1. Juli im Bundesgesetzblatt stehen. Die Entscheidungslösung gilt vier Monate nach dieser Verkündung – das wäre 1. November. Binnen zwölf Monaten soll die Post erstmals verschickt werden.

"70 Millionen Versicherte anzusprechen ist ein riesiges Projekt", sagte der Sprecher des Kassen-Spitzenverbands, Florian Lanz. Die Abfrage werde nach Möglichkeit mit der elektronischen Gesundheitskarte oder anderen Schreiben kombiniert. Künftig soll die Abfrage alle zwei Jahre erneut stattfinden. Wenn später die Entscheidung auch auf der Gesundheitskarte gespeichert werden kann, soll die Abfrage alle fünf Jahre erfolgen. (dpa)

Organspende in Deutschland
Ein Organspender kann bis zu sieben schwer kranken Menschen helfen.
Aber auch wenn alle Bundesbürger nach ihrem Tod Organe spenden wollten, könnten nicht alle Patienten gerettet werden.
Nur den wenigsten möglichen Spendern können aus medizinischen Gründen nach dem Tod Organe entnommen werden.
75 Prozent der 14- bis 75-jährigen Bundesbürger stimmen einer Organspende grundsätzlich zu, aber nur 25 Prozent haben bislang einen Spenderausweis.
Rund 12 000 Menschen warten auf ein Spenderorgan, etwa 8000 von ihnen brauchen eine Niere.
Patienten warten fünf bis sechs Jahre auf eine Spender-Niere.
Im Schnitt sterben täglich drei Menschen auf den Wartelisten.
4054 Menschen konnte 2011 mit einer Transplantation geholfen werden (2010: 4326).
14,7 Spender kommen in Deutschland auf eine Million Einwohner (in Spanien: 32,0, Österreich 23,3, Schweiz 12,6, Luxemburg 6,0).
1200 Menschen wurden 2011 nach ihrem Tod 3917 Organe entnommen darunter 2036 Mal Niere, 1040 Leber, 363 Herz, 313 Lunge, 160 Bauchspeicheldrüse, 6 Dünndarm.
Von den Spendern waren 36 jünger als 16 Jahre, 571 waren 16 bis 54 Jahre alt, 236 waren 55 bis 64 Jahre alt, 357 waren älter als 65 Jahre.
Weitere 795 Nieren wurden von lebenden Spendern übertragen.
Zudem wurden 71 mal Teile der Leber von Lebendspendern übertragen.
Quelle: Deutsche Stiftung Organtransplantation, Zahlen 2011
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Dany Torres bei einer seiner zahlreichen Backflip-Varianten
12:4902-World
Fliegende Motorrad-Stars bei der "Night of the Jumps"

Tausende faszinierte Zuschauer trauten ihren Augen kaum, welch durchgedrehte Tricks die Fahrer auf ihren Maschinen zeigten. Am Ende gewann der Spanier Dany Torres vor Libor Podmol aus Tschechien. mehr...


Die teils maskierten Randalierer setzten in der Nacht zu Samstag Teile einer Schule in Brand.
14:11Jugend-Krawalle
Schwedische Randalierer brennen Schule nieder

In zahlreichen schwedischen Städten ist es erneut zu schweren Ausschreitungen gekommen. Allerdings trugen in der sechsten Krawallnacht in Folge Bürgerpatrouillen zu einer Verringerung der Gewalt bei. mehr...

Friseur Auszubildende
25.05.13 HAHandwerksausbildung in Hamburg
Friseurberuf beliebt - trotz mieser Bezahlung

Friseurin ist weiterhin die begehrteste Handwerksausbildung unter Hamburgs Mädchen - trotz niedriger Löhne und familienunfreundlicher Arbeitszeiten. Erst 2015 kommt ein Mindestlohn. mehr...


Absperrgitter für die Berliner Fanmeile zum deutsch-deutschen Champions League-Finale stehen bereits seit Tagen bereit
12:45Islamismus
BKA warnt vor Terror auf Fußball-Fanmeilen

Das Bundeskriminalamt soll über Hinweise auf Anschlagspläne gegen Fußball-Fans in Deutschland verfügen. Innenminister Friedrich versichert dagegen: Es gebe keine konkreten Erkenntnisse. mehr...

Multimedia

Fakten zur Gesundheitspolitik

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Aktuell
Kritik an Freilassung von Bulldogge

Kritik an Freilassung von Bulldoggemehr »

Top Bildergalerien mehr
02-World

Riesen Sprünge bei der "Night of the Jumps"

Hamburg

Das Elbjazz-Festival hat begonnen

US-Staat Washington

Vierspurige Straßenbrücke eingebrochen

Hamburger Finalistin

Hamburgerin Lovelyn im GNTM-Finale

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr