24.05.12

Führungsdebatte in der Linkspartei

Nach Rückzug Lafontaines: Wagenknecht in Wartestellung

Hat Lafontaine den Weg an die Linken-Spitze für seine Lebensgefährtin frei gemacht? Sahra Wagenknecht könnte doch noch kandidieren.

Foto: Getty Images/Getty
Der jetzige Parteivorsitzende Klaus Ernst sprach sich für die 42-Jährige aus, Wagenknecht selbst schloss eine Kandidatur nicht aus
Der jetzige Parteivorsitzende Klaus Ernst sprach sich für die 42-Jährige aus, Wagenknecht selbst schloss eine Kandidatur nicht aus

Berlin. Nach dem Rückzug von Oskar Lafontaines aus dem Machtkampf der Linken ist nun dessen Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht als Parteichefin im Gespräch. Der jetzige Parteivorsitzende Klaus Ernst sprach sich für die 42-Jährige aus, Wagenknecht selbst schloss eine Kandidatur nicht aus. Die Ausgangsposition von Fraktionsvize Dietmar Bartsch für die Wahl auf dem Parteitag Anfang Juni in Göttingen verschlechterte sich am Donnerstag weiter. Die nordrhein-westfälische Landeschefin Katharina Schwabedissen erteilte einer Doppelspitze mit dem 54-Jährigen aus Mecklenburg-Vorpommern eine klare Absage.

Der frühere Parteivorsitzende Lafontaine hatte am Dienstag im Machtkampf mit Bartsch einen Rückzieher gemacht und einen Verzicht auf seine Kandidatur erklärt. Die Unterstützer des Saarländers wollen aber weiterhin verhindern, dass Bartsch an die Parteispitze aufrückt. Zwischen den beiden Lagern stehen Parteivize Katja Kipping (34) und Schwabedissen (39), die am Mittwoch ihre Kandidatur für eine weibliche Doppelspitze erklärt hatten.

+++ Warum Oscar Lafontaine verzichtet - und sich ausschweigt +++

Daneben kandidieren bisher die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann und vier weitgehend unbekannte Männer. Möglicherweise kommt Wagenknecht noch hinzu, die früher Wortführerin der innerparteilichen Gruppierung Kommunistische Plattform war. Parteichef Ernst, der vor knapp zwei Wochen Lafontaine vorgeschlagen hatte, sprach sich jetzt für Wagenknecht aus. "Sie hat Ausstrahlung weit über die Partei hinaus. Ich halte sie für besonders geeignet als Vorsitzende", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

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+++ Keine Einigung im Machtkampf bei der Linken +++

Lafontaine sagte in der ARD-Sendung "Anne Will", über die Eignung Wagenknechts für den Parteivorsitz müssten andere urteilen. Er fügte aber hinzu: "Ich habe den Eindruck, dass sie nicht so schlecht beurteilt wird." Der 68-Jährige Saarländer forderte, dass es nun einen Generationswechsel an der Parteispitze geben müsse.

Wagenknecht zögert noch: "Ich hoffe, dass diese Variante nicht notwendig sein wird, und wir trotzdem eine gute Lösung finden", erklärte sie. Neben dem Saarland kam auch aus Niedersachsen und Baden-Württemberg Unterstützung für Wagenknecht.

Bis die stellvertretende Parteivorsitzende sich entschieden hat, konzentriert sich die Personaldebatte auf Kipping, Schwabedissen und Bartsch. Schwabedissen will die Partei keinesfalls zusammen mit Bartsch führen. "Das habe ich schon vor einem halben Jahr ausgeschlossen, und das schließe ich jetzt auch wieder aus", sagte sie im ARD-"Morgenmagazin". Bartsch will sich dagegen alle Optionen offen halten und nicht auf eine Doppel-Kandidatur festlegen.

Beim Parteitag in Göttingen am 2. und 3. Juni werden die beiden Spitzenposten separat besetzt. Die Wahlordnung sieht vor, dass zuerst eine Frau gewählt wird, erst in einem zweiten Wahlgang dürfen auch Männer antreten. Die Aussage Schwabedissens deutet darauf hin, dass Kipping im ersten Wahlgang antritt und Schwabedissen dann gegen Bartsch ins Rennen geht. Sollte Kipping gewählt werden, würde es in einem zweiten Wahlgang für Bartsch schwierig, weil beide aus Ostdeutschland stammen. Eine Ost-West-Verteilung der Spitzenposten ist zwar nicht vorgeschrieben, gilt aber als chancenreicher.

Lafontaine äußerte sich bei Anne Will erstmals nach seinem Rückzug aus dem Machtkampf. "Ich weiß, dass viele Menschen enttäuscht sind", sagte er. "Aber auf der anderen Seite bin ich selbst etwas erleichtert, dass ich diese Bürde nicht mehr in den nächsten beiden Jahren tragen muss." Er habe sich nicht in einen "Hahnenkampf" begeben wollen. (dpa)

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