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Deutschland

"Kopftuch ist nicht gleich Kreuz"

Symbole: Politiker und Bischöfe kritisieren den Bundespräsidenten im Streit um das muslimische Kleidungsstück

Berlin. Bundespräsident Johannes Rau hat seine Position im Kopftuchstreit gegen anhaltende Kritik verteidigt. Er habe sich nicht für oder gegen das muslimische Kopftuch bei Lehrerinnen ausgesprochen, sondern darauf hingewiesen, dass die Entscheidungen der Länder konsequent sein müssten, sagte Rau. Unterstützung erhielt er von der Ausländerbeauftragten Marieluise Beck. Kritik an Raus Standpunkt kam von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und mehreren Bischöfen.

Rau betonte, die Verfassung fordere eine Gleichbehandlung der Religionen im öffentlichen Raum, somit auch in den Schulen. Bei einem Verbot des Kopftuches als religiöses Zeichen an Schulen könne man "die Mönchskutte nur schwer verteidigen". "Damit wird ja nicht unser christliches Erbe in Frage gestellt." Ob Deutschland weiterhin ein christlich geprägtes Land bleibe, hänge "allein davon ab, wie viel überzeugte und glaubwürdige Christen es in unserem Land gibt", sagte Rau.

Die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise Beck, sagte, die Verfassung der Bundesrepublik sei eindeutig: Sie sage nicht, dass nur das Christentum mit allen Zeichen und Symbolen zu Deutschland gehöre. Nach dem Grundgesetz könne nicht eine einzige Religion vom Recht auf freie Religionsausübung ausgeschlossen werden.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) widersprach Rau: Zwar habe der Staat grundsätzlich die Pflicht zur Neutralität gegenüber allen Religionen, sagte er. Die entscheidende Frage bei der Gleichsetzung von christlichen Symbolen und dem Kopftuch sei aber, ob das Kopftuch tatsächlich nur ein religiöses Symbol sei. Daran zweifle er: "Ein Kreuz ist kein Symbol von Unterdrückung, das Kopftuch für viele muslimische Frauen schon."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann sagte, er habe "erhebliche Zweifel, ob christliche und muslimische Symbole im öffentlichen Raum als "missionarische Textile" gleichgesetzt werden können". Das Kreuz oder Ordenskleider gehörten seit bald zwei Jahrtausenden zum abendländischen Kulturkreis und hätten einen "hohen Rang als religiöses Zeugnis". Ihnen sei "nicht die geringste Spur einer politischen Propaganda zu eigen". Das Kopftuch habe dagegen weithin eine politische Bedeutung, die Konfliktpotenzial in sich tragen könne.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber erklärte, Raus Vergleich sei nicht akzeptabel. Das Kopftuch im Unterricht stehe für ein Rollenbild der Frau, "das mit unserer Verfassung und Wertordnung nicht zu vereinbaren ist".

Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen verneinte ebenfalls eine Vergleichbarkeit des Kopftuches mit christlichen Glaubenszeichen. Hier gehe es um nicht vergleichbare religiöse Botschaften, die Botschaft des Kopftuches sei zumindest nicht eindeutig, sagte Thissen dem Hamburger Abendblatt. "Denn es kommt aus einem Umfeld, in dem Meinungsfreiheit und Toleranz nicht gewährleistet sind."HA

 

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