17.02.12

Rücktritt des Bundespräsidenten

Wulff zurück in dem Haus, mit dem alles begann

Merkel berät bereits mit Interims-Präsident Seehofer im Kanzleramt über einen Nachfolger, der bis zum 18. März feststehen muss. Wulff ist in sein Haus nach Großburgwedel zurückgekehrt, das vor zehn Wochen Anstoß für die Affäre um den Bundespräsidenten war. Ab Sonnabend will die Staatsanwaltschaft strafrechtlich gegen ihn ermitteln.

Von Thomas Lanig
Foto: dpa/DPA

Das Ende am Anfang: Christian Wulff schreitet mit Ehefrau Bettina aus dem Pressesaal des Schloss Bellevue, in dem er kurz zuvor seinen Rücktritt als Bundespräsident verkündet hatte

18 Bilder

Berlin/Hamburg. Eine Erklärung ist am Abend nicht mehr geplant, dennoch ist anzunehmen, dass bei dem Gespräch, das Merkel mit dem Interims-Präsidenten Seehofer im Kanzleramt führt, bereits wichtige Weichen gestellt werden. Schon wenige Stunden nach dem Rücktritt Wulffs ist die Nachfolgedebatte bereits in vollem Gange. Dis ist auch nötig, denn am 18. März muss Deutschlands neuer Bundespräsident feststehen. Und die Suche wird nicht leicht werden. Wulff ist derweil in sein Haus nach Großburgwedel zurückgekehrt, das Anstoß für die fast zehn Wochen dauernde Debatte über gewisse Vorteile war, die Wulff in seinem Amt als Ministerpräsident Niedersachsens in Anspruch genommen haben soll. Dort harrt er der Dinge, die nun kommen mögen: Ab Sonnabend wird außerdem die Staatsanwaltschaft Hannover strafrechtlich gegen ihn ermitteln: Es geht um den Anfangsverdacht auf Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung. Am Freitag war Wulff noch durch die Immunität seines Amtes geschützt. Mit seinem Rücktritt am Freitag endete die kürzeste Amtsperiode eines deutschen Bundespräsidenten.

Der 52-Jährige gab seinen Rücktritt am Freitag in einer persönlichen Erklärung bekannt, zu der er kurzfristig ins Schloss Bellevue geladen hatte. Wulff wies an der Seite seiner Frau Bettina alle Vorwürfe wegen möglicher Begünstigungen durch befreundete Unternehmer nochmals zurück, räumte aber Fehler rein. Zugleich gab er zu, dass er das Präsidentenamt nicht mehr so wahrnehmen könne, "wie es notwendig ist".

Merkel zollte dem bislang jüngsten bundesdeutschen Staatsoberhaupt "größten Respekt". Zugleich kündigte die CDU-Chefin an, über die Parteigrenzen hinweg nach einem Nachfolger zu suchen. Am Freitagabend kam sie zu einem ersten Gespräch mit FDP-Chef Philipp Rösler zusammen. Später traf auch der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer im Kanzleramt ein. Am Samstag sollen bei einem weiteren Treffen die schwarz-gelben Fraktionsspitzen Volker Kauder (CDU), Gerda Hasselfeldt (CSU) und Rainer Brüderle (FDP) dazukommen. Auch SPD und Grüne sollen ins Boot geholt werden. Dies wurde aber nicht vor Sonntag erwartet. Nur die Linkspartei soll außen vor bleiben.

In der Bundesversammlung, die das neue Staatsoberhaupt wählt, hat Schwarz-Gelb nur eine knappe Mehrheit von derzeit mindestens vier Stimmen. Im Gespräch für die Nachfolge sind unter anderem Verteidigungsminister Thomas de Maizière, der ehemalige Umweltminister Klaus Töpfer (beide CDU) und auch der frühere DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck, der 2010 als rot-grüner Kandidat gegen Wulff nur knapp verloren hatte. Gauck sagte am Abend, er habe noch nicht über eine erneute Kandidatur entschieden.

Ausschlaggebend für Wulffs Rücktritt dürfte letztlich die Staatsanwaltschaft Hannover gewesen sein, die wegen der möglichen Annahme von Vergünstigungen durch den befreundeten Film-Unternehmer David Groenewold ermitteln will. Nach Angaben aus Wulffs Umgebung hatte sich der frühere niedersächsische Ministerpräsident und CDU-Vize bereits am Donnerstagabend dazu entschlossen, nachdem die Staatsanwaltschaft die Aufhebung seiner Immunität beantragt hatte.

+++Die Rücktrittserklärung des Bundespräsidenten im Wortlaut+++

+++Live: Christian Wulff ist zurückgetreten+++

Den vorzeitigen Abgang begründete Wulff insbesondere mit einem Vertrauensverlust in der Bevölkerung. Der Präsident müsse "vom Vertrauen nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit" getragen werden. "Die Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen hat gezeigt, dass dieses Vertrauen und damit meine Wirkungsmöglichkeiten nachhaltig beeinträchtigt wird." Leider könne er sein Amt "nach innen und nach außen" nicht mehr so wahrnehmen wie erforderlich. Die Berichterstattung habe ihn und seine Frau "verletzt".

+++Staatsanwaltschaft hat Aufhebung von Wulffs Immunität beantragt+++

+++Die Mitteilung der Staatsanwaltschaft im Wortlaut+++

Wulff äußerte sich überzeugt, dass die Ermittlungen gegen ihn zu einer "vollständigen Entlastung" führen werden. "Ich habe mich in meinen Ämtern stets rechtlich korrekt verhalten. Ich habe Fehler gemacht. Aber ich war immer aufrichtig."

Zur Nachfolgesuche sagte die Kanzlerin: "Wir wollen Gespräche führen mit dem Ziel, in dieser Situation einen gemeinsamen Kandidaten für die Wahl des nächsten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland vorschlagen zu können." Von der FDP wurde aber betont, dass die Entscheidung innerhalb der Koalition falle.

SPD und Grüne erklärten sich zu Gesprächen bereit. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sagte "bild.de": "Die SPD steht bereit für einen Neuanfang. Für die SPD ist entscheidend, eine Persönlichkeit zu finden, die dem schwer angeschlagenen Amt des Staatsoberhaupts angemessenen Respekt und Würde zurückgibt." Grünen-Chef Cem Özdemir sagte: "Ich begrüße, dass die Bundeskanzlerin einen offensichtlichen Lernprozess durchgemacht hat."

Aus den Reihen der Union wurden auch Finanzminister Wolfgang Schäuble und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) als mögliche Nachfolger genannt. Im Gespräch sind auch der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, und die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt. Bis zur Wahl des neuen Staatsoberhaupts nimmt nun Bayerns Ministerpräsident Seehofer als amtierender Präsident des Bundesrats die Aufgaben des Staatsoberhaupts wahr.

Wulff ist innerhalb von zwei Jahren bereits der zweite Bundespräsident, der vorzeitig das Amt verlässt. Vorgänger Horst Köhler hatte im Mai 2010 überraschend seinen Rücktritt erklärt, nachdem er mit Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz eine Diskussion ausgelöst hatte. Strittig ist nun, ob Wulff wie die vier anderen lebenden Ex-Präsidenten künftig einen "Ehrensold" in Höhe von annähernd 200 000 Euro pro Jahr bekommt. (dpa)

Reaktionen zum Rücktritt des Bundespräsidenten
Reaktionen zum Rücktritt des Bundespräsidenten
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff mit "größtem Respekt und tiefem Bedauern" aufgenommen. Das sagte sie am Freitag in Berlin. Wulff hatte zuvor seinen Rücktritt erklärt.
CSU-Chef Horst Seehofer hat nach dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff alle Parteien aufgefordert, nun "mit Achtung vor dem Amt" des Staatsoberhauptes zu handeln. Seehofer betonte am Freitag in München, Wulff habe für seine Entscheidung "ungeteilten Respekt verdient". Mit diesem Schritt rücke Wulff "die Würde und die Bedeutung des höchsten Staatsamtes an die erste Stelle". Der bayerische Ministerpräsident fügte hinzu: "Niemand hat sich diesen bedauerlichen Gang der Dinge gewünscht. Aber alle sind jetzt dazu aufgerufen, dieser Situation gerecht zu werden." In seiner Eigenschaft als amtierender Präsident des Bundesrates versicherte Seehofer, er werde die Aufgaben des Staatsoberhauptes bis zur Wahl eines Wulff-Nachfolgers "mit Respekt und Achtung wahrnehmen".
Die SPD will mit den Regierungsparteien Union und FDP über die Frage der Nachfolge von Christian Wulff beraten. "Ich begrüße das Angebot von Bundeskanzlerin Angela Merkel, einen gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten zu finden", sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles am Freitag in Berlin.
"Was bedeutet es für unsere staatsbürgerliche Reife in Deutschland, wenn zuerst ein Bundespräsident viel zu früh zurücktritt und dann sein Nachfolger viel zu spät?" sagte der Hamburger Erzbischofs Werner Thissen. Thissen fügte hinzu, er fände es "bedauerlich, dass erst durch ein Handeln der Staatsanwaltschaft der Rücktritt erfolgt ist."
Die Türkische Gemeinde in Deutschland bedauert den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff. "Wir haben dadurch inhaltlich einen guten Bundespräsidenten verloren", sagte der Bundesvorsitzende des Dachverbandes, Kenan Kolat, am Freitag. Damit sei aber nichts über die Gründe gesagt, die zu diesem Schritt führten. Wulff habe in seiner knapp zweijährigen Amtszeit Maßstäbe für die Integrationspolitik gesetzt. "Er hat sie als zentrales Zukunftsthema für Deutschland definiert", erklärte Kolat. Ferner habe er dazu beigetragen, dass Integration nicht mehr nur als Ausgleich von Defiziten verstanden werden. Zudem habe sich Wulff jüngst für den EU-Beitritt der Türkei ausgesprochen. "Das ist die Messlatte für den künftigen Bundespräsidenten", betonte Kolat. Für einen Nachfolger "mit Migrationshintergrund sei die Zeit aber noch nicht reif: "Das ist zu früh."
Die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Jürgen Trittin sagten: "Wir sind erleichtert, dass Christian Wulff mit seinem Rücktritt das Land von quälenden Debatten erlöst hat. Unabhängig vom Ausgang der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen war dieser Rücktritt unausweichlich."
Bernd Schlömer, Vize-Vorsitzender der Piratenpartei: "Unabhängig vom Rücktritt muss es zur gründlichen Aufklärung der Vorwürfe kommen. Hunderttausende Beschäftigte des öffentlichen Dienstes – Beamte, Arbeitnehmer, Soldaten – sind mit schärfsten Sanktionen bedroht, falls sie beispielsweise Vorteile bei der Gewährung von Krediten zulassen, die sich auf die Ausübung ihrer Tätigkeit oder ihres Amtes zurückführen lassen."
Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hat die Rücktrittsentscheidung von Bundespräsident Christian Wulff als folgerichtig bezeichnet. "Ich habe Achtung vor diesem persönlichen Schritt und bedauere zugleich, dass Christian Wulff diese Entscheidung treffen musste", sagte Lieberknecht am Freitag in Erfurt. Sie warnte vor einer Vorverurteilung Wulffs und wünschte sich eine "Kultur zwischen Politik, Gesellschaft und Medien, die von gegenseitiger Wahrhaftigkeit geprägt ist, von Vertrauen und Verlässlichkeit". Thüringens Vize-Ministerpräsident Christoph Matschie (SPD) warf Wulff vor, mit seinem langen Warten auch das Amt beschädigt zu haben. Er würde sich freuen, wenn der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und Ex-Chef der Stasi-Unterlagenbehörde Joachim Gauck bereit wäre, anzutreten, sagte Matschie.
Schleswig-Holsteins Grünen-Spitzenkandidat Robert Habeck die Suche nach einem gemeinsamen Kandidaten gefordert. "Wir sind bereit, einen gemeinsam Kandidaten zu unterstützen und uns nicht in parteipolitischem Gezänk zu verheddern", sagte Habeck am Freitag in Kiel. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ihre Chance für einen gemeinsam getragenen Kandidaten nach dem Rücktritt von Horst Köhler vertan. "Sie hat sich für einen Gefälligkeits-Präsidenten entschieden. Merkel hat die Parteienverdrossenheit im Land damit noch verstärkt", sagte Habeck. Union und FDP dürften nicht wieder Parteitaktik vor die Interessen des Landes stellen.
Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat Bundespräsident Christian Wulff Respekt gezollt für seinen Rücktritt. Letzlich sei dieser Schritt jedoch "unvermeidlich" gewesen, erklärte Jung am Freitag in Darmstadt. Denn jeder Mensch und auch jeder Politiker müsse prüfen, wann um der eigenen Glaubwürdigkeit willen und um der Würde des Amtes willen Konsequenzen zu ziehen seien. Jetzt müsse "mit Ruhe und Sorgfalt" die Nachfolge geregelt werden, sagte Jung. "Parteizugehörigkeiten sind dabei sicher nicht das wichtigste Kriterium, denn diese Person muss über Parteigrenzen hinweg in weiten Teilen der Bevölkerung Vertrauen genießen und aufbauen." Im Umgang mit Fehlern und Verfehlungen gilt nach Jungs Aufassung in einem übertragenen Sinn die biblische Verheißung: "Die Wahrheit wird euch frei machen." Dies hätte auch Wulff Wege geöffnet. "Er ist jetzt persönlich in einer sehr schwierigen Situation. Ich wünsche ihm und seiner Familie Kraft, damit zurechtzukommen."
Die Piratenpartei verlangt nach dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff eine schonungslose Aufklärung aller Vorwürfe gegen das Staatsoberhaupt. "Der Verdacht der Vorteilsnahme im Amt wiegt schwer", sagte der stellvertretende Parteivorsitzende, Bernd Schlömer, am Freitag in Berlin. Er fügte hinzu: "Unabhängig vom Rücktritt muss es zu einer gründlichen Aufklärung der Vorwürfe kommen." Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte zuvor die Aufhebung der Immunität Wulffs beantragt.
Nach dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff wünscht sich Niedersachsens SPD-Landesvorsitzender Stephan Weil eine Frau an der Spitze des Staates. Es wäre eine große Chance, erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik nun eine Frau zu wählen, sagte Weil am Freitag in Hannover. Der Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2013 in Niedersachsen bezeichnete es als einen Fehler, dass CDU und FDP 2010 Joachim Gauck als Kandidaten abgelehnt haben. "Die Folge ist eine Krise unseres politischen Systems."
Der Thüringer Linken-Fraktionschef Bodo Ramelow hat nach dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff für eine Änderung des Amtes plädiert. "Es müsste ein Amt des Volkes sein", sagte er. Im Bundespräsidialamt sollten Volksentscheidungen und Bürgerinitiativen angesiedelt sein. "In diesem Zusammenhang bin ich auch für eine Volkswahl zum Bundespräsidenten", sagte Ramelow weiter. Wulff hatte am Vormittag im Schloss Bellevue seinen sofortigen Rücktritt als Bundespräsident erklärt.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff als "nach der Entwicklung der vergangenen Monate unvermeidlich" bezeichnet. "Deutschland braucht jetzt einen Präsidenten, der sich auf ein breites Vertrauen stützen kann", erklärte Wowereit am Freitag über seinen Sprecher. "Deshalb ist es wichtig, eine Konsenskandidatur zu finden", betonte der Regierende Bürgermeister. Wowereit war am Freitag auf dem Weg nach Rom, wo er an der Feier zur Erhebung des Berliner Erzbischofs Rainer Maria Woelki zum Kardinal an diesem Samstag teilnimmt.
Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hat Bundespräsident Christian Wulff für seinen "vielfältigen Einsatz zum Wohl unseres Landes" gedankt. Zugleich erklärte der Konferenzvorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, am Freitag in Bonn, Wulffs Rücktritt sei "ein wichtiger Schritt zum Schutz seines hohen Amtes und seiner Person, dem ich Respekt zolle". Wulffs Bemühen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland sei wichtig gewesen "und bleibt bedeutsam", so Zollitsch weiter. Als Bundespräsident sei Wulff den christlichen Kirchen zudem stets mit Interesse und Wohlwollen begegnet. Er habe Papst Benedikt XVI. nach Deutschland eingeladen und ihn "mit großer Warmherzigkeit" aufgenommen. Zollitsch: "Dafür empfinden wir viel Dankbarkeit."
Der Berliner Medienwissenschaftler Norbert Bolz hat den Vorwurf einer Hetzjagd der Medien gegen das Staatsoberhaupt zurückgewiesen. Die Verfehlungen Wulffs seien eher "kleinformatig" gewesen, sagte Bolz. Der Bundespräsident habe sich aber durch sein schlechtes Krisenmanagement selbst in die Falle manövriert und es geschafft, "auch den letzten Journalisten hinter dem Ofen hervorzulocken". Bolz weiter: "Seine Salamitaktik, die Kommunikation über die Anwälte – das alles war extrem unklug und hat den Verdacht nur noch weiter verstärkt."
Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff mit "Respekt" zur Kenntnis genommen. "Er wendet damit Schaden vom höchsten deutschen Staatsamt ab", sagte Platzeck am Freitag in Potsdam auf Anfrage. Wulff hatte am Vormittag im Berliner Schloss Bellevue seinen sofortigen Rücktritt als Bundespräsident erklärt.
Nach Ansicht von Linke-Landeschef Steffen Bockhahn war der Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff überfällig. "Das bisherige Verhalten von Christian Wulff zu den Vorwürfen der Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung ist dem Amt des Bundespräsidenten unwürdig. Auch unter den von ihm selbst formulierten Ansprüchen zu Beginn seiner Amtszeit ist daher der nun verkündete Rücktritt folgerichtig und unumgänglich", erklärte Bockhahn am Freitag in Schwerin. Mit seinem Zögern bei der Aufklärung der Vorwürfe habe Wulff dem Ansehen des Amtes und sich selbst massiv geschadet. Bockhahn sprach sich dafür aus, diesmal eine Frau für das Amt zu benennen.
So äußern sich prominente Hamburger zum Fall Wulff
So äußern sich prominente Hamburger zum Fall Wulff
Prof. Dr. Dieter Lenzen , Präsident der Universität Hamburg:
"In der Angelegenheit geht es um zwei Dinge. Um das, was wirklich geschehen ist, und darum, wie kommuniziert worden ist. Die gewählte Kommunikationsform eines Kurzinterviews war nicht geeignet, die Wahrheit aufzuklären. Offenbar sind neue Fragen wie die nach der Absicht des Anrufs beim ,Bild'-Chefredakteur hinzugekommen. Insofern warten wir weiter auf eine finale Aufklärung über die Wahrheit."
Sky Du Mont , Schauspieler und Buchautor
"Das Interview fand ich ganz bemerkenswert: Wie der gute Mann nur von sich spricht und sich keiner Schuld bewusst ist! Herr Wulff beschädigt das Amt und die Politik. Das Dilemma ist ja, dass die Menschen ohnehin nicht zu Wahlen gehen, weil sie den Politikern Kungeleien vorwerfen. Und hier ist der oberste Mann im Staat, der nicht seinen Hut nimmt und stattdessen so tut, als habe er nichts falsch gemacht. Er hat die Unwahrheit gesagt. Er wusste doch, dass Herr Geerkens sein Vermögen seiner Ehefrau überschrieben hatte. Es ist skandalös. Er sollte schleunigst zurücktreten."
Michael Bräuninger , Konjunkturchef beim Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut:
"Ich finde die Einschätzung von Herrn Wulff sehr schwierig. Seine Ausführungen fand ich so weit überzeugend, und wenn es dabei bliebe, könnte er aus meiner Sicht im Amt bleiben. Problematisch wird es, wenn er seine Aussagen jetzt schon wieder korrigieren muss."
Michael Pfad, Chef des Eishockeyklubs Hamburg Freezers:
"Insgesamt hat Bundespräsident Christian Wulff für mich deutlich an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Er hat Maßstäbe, die er an andere anlegt, für sich selbst nicht eingehalten. Das lässt sich auch nicht durch mangelnde Lebenserfahrung entschuldigen. Da hilft auch nicht so ein TV-Interview. Es ärgert mich, dass er in dem Gespräch nur ausgewichen ist und sich nur in Allgemeinsätzen geäußert hat. Anstatt zu sagen: Ich habe dem Amt des Bundespräsidenten nicht gutgetan, sagte er: Man hat dem Amt des Bundespräsidenten nicht gutgetan. Das zeigt, dass er immer noch nicht verstanden hat, worum es geht. Vom großen Rückhalt in der Bevölkerung ist bei mir im Bekannten- und Freundeskreis nicht mehr viel zu spüren."
Prof. Dr. Edda Müller , Vorsitzende der Anti-Korruptions-Organisation Transparency Deutschland:
"Christian Wulff muss sich fragen lassen, ob er das Amt des Bundespräsidenten mit der gebotenen Autorität weiter ausüben kann. Ein Bundespräsident darf nicht dem Eindruck vieler Menschen Nahrung geben, wonach für ,die da oben' andere Regeln zum Beispiel bei der Kreditbeschaffung gelten. Ob es Wulff jetzt gelingt, das Land weiter voranzubringen, wie er es selbst formuliert, ist auch nach seiner Erklärung fraglich. Es ist zweifelhaft, ob er wirklich verstanden und gelernt hat oder sich nach wie vor als Opfer sieht. Eine echte Nachdenklichkeit und Einsicht wäre notwendig, um der Würde des Amtes gerecht zu werden. Wenn sich die Kette der Halbwahrheiten im TV-Interview fortgesetzt hätte, hat er keine weitere Chance verdient."
Dr. Reiner Brüggestrat , Vorstandssprecher der Hamburger Volksbank:
"Ich halte Christian Wulff für den falschen Präsidenten. Als Banker würde ich von einem Spitzenpolitiker erwarten, dass er eine private Hausfinanzierung seriös über seine Hausbank abwickelt. Mit seinem fragwürdigen Krisenmanagement und dem wenig glaubwürdigen Auftreten in dem TV-Interview macht er alles nur noch schlimmer."
Thomas Hoyer, Mitinhaber der Hamburger Speditionsgruppe Hoyer:
"Ich bin einfach nur entsetzt. Christian Wulff ist ein Präsident ohne Würde. Er kann jetzt zurücktreten oder seine Präsidentschaft in Agonie versanden lassen. Mit jedem Wort in dem Fernsehinterview hat er die Situation noch peinlicher gemacht."
Bianca König , Geschäftsführerin der Agentur für Kommunikation Neue Monarchie:
"Als Kommunikationsexpertin finde ich Wulffs Verhalten regelrecht unsouverän. Wulff hat definitiv zu lange gewartet, um die Frage nach der Kreditherkunft wahrheitsgetreu zu klären. Wer so lange abwartet, gibt das Ruder aus der Hand und kann nur noch reagieren. ,Besonnenheit' geht anders. Da fragt man sich, ob alle Berater schon in den Weihnachtsferien waren. Die Opferrolle einzunehmen, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, entspricht nicht meiner Vorstellung vom Bundespräsidenten. Aber das ist ja anscheinend der neueste Trend. Zu Guttenberg war ja schließlich auch junger Vater und mit dem politischen Amt zu beschäftigt."
Stefan Orth , Präsident des FC St. Pauli:
"Es war kein Befreiungsschlag. Wulffs Verhalten ist eines Bundespräsidenten nicht würdig. Ich finde ihn nicht charismatisch und charakterlos."
Multimedia

Demonstranten fordern Wulffs Rücktritt

Umfrage Halten Sie den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff für richtig?

  • 88%
    Ja
  • 12%
    Nein
Abgegebene Stimmen: 3.529
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Top Video Alle Videos
Beförderungsappell an der Bundeswehr-HochschuleBrightcove Videos

Höherer Sold, schönere Stuben und flexiblere Einsatzzeiten: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will den Dienst bei der Bundeswehr attraktiver machen. Das lässt sie sich Millionen kosten. mehr »

Top Bildergalerien mehr

Halloween-Party in Hamburg läuft aus dem Ruder

Siegesserie der Freezers hält an

Mehr!

Theater am Hamburger Großmarkt feiert Richtfest

Handelskammer

"Cheese and bread" bei der Morgensprache

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr