Acta
Weiterhin politische Kontroverse um Acta
Das umstrittene Urheberrechtsabkommen Acta liegt vorerst auf Eis, der Parteienstreit darüber wird aber hitziger. Mehrere CDU-Politiker kritisierten am Montag FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wegen ihrer Entscheidung, die Unterzeichnung des Vertrags vorerst auszusetzen. Die FDP betonte hingegen, die Informationsfreiheit im Internet dürfe "im Geleitzug durch Acta" nicht eingeschränkt werden.
Acta, das europäische Handelsabkommen zur Abwehr von Fälschungen, führte am Wochenende bundesweit mehrere Tausend Demonstranten - wie hier in Kiel - auf die Straße
Foto: rtn/radio tele nord
Berlin. Das umstrittene Urheberrechtsabkommen Acta liegt vorerst auf Eis, der Parteienstreit darüber wird aber hitziger. Mehrere CDU-Politiker kritisierten am Montag FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wegen ihrer Entscheidung, die Unterzeichnung des Vertrags vorerst auszusetzen. Die FDP betonte hingegen, die Informationsfreiheit im Internet dürfe "im Geleitzug durch Acta“ nicht eingeschränkt werden.
Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geführte Bundesregierung halte an Acta fest, bekräftigte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Das Vertragswerk sei "notwendig und richtig“ und bringe "keine der Gefahren mit sich, die derzeit beschworen werden“.
Die rechtspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Andrea Voßhoff, kritisierte im "Handelsblatt“ (Dienstag) die Aussetzung der Acta-Unterzeichnung: "Das Vorgehen der Bundesjustizministerin hat mich verwundert, da sie das Abkommen bisher stets verteidigt und keinen Änderungsbedarf gesehen hat.“ Der Vorsitzende der Internet-Enquete-Kommission des Bundestags, Axel E. Fischer (CDU), sagte der "Augsburger Allgemeinen“ (Dienstag): "Frau Leutheusser-Schnarrenberger muss aufpassen, dass sie nicht als permanente Verhinderin von notwendigen Regelungen wahrgenommen wird.“
Allerdings gibt es auch in der Union kritische Stimmen. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sagte im Berliner "Tagesspiegel“ (Dienstag), es gebe offene Fragen und die müssten geklärt werden. Die Bedenken von Internet-Nutzern seien ernst zu nehmen.
Der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle sagte am Montag der Nachrichtenagentur dpa: "Es ist gut, dass die Bundesregierung die Zeichnung von Acta geschoben hat, bis sich das Europäische Parlament mit Acta befasst hat.“ Ein starkes Urheberrecht setze nicht auf immer mehr Regeln, sondern auf innovative und marktfähige Lösungen.
Der Sprecher des Justizministeriums, Anders Mertzlufft, verwies auf die Möglichkeit, dass das Europaparlament Acta dem Europäischen Gerichtshof zur Prüfung vorlegen könnte. Dies würde eine erhebliche Verzögerung von ein bis zwei Jahren nach sich ziehen. Wenn Acta im Europaparlament scheitern sollte, stelle sich in Deutschland nicht mehr die Frage einer Unterzeichnung oder einer Ratifizierung durch den Bundestag. Die Beratungen im Europaparlament beginnen am 27. Februar. Bei den Verhandlungen über Acta habe die Bundesregierung keine führende Rolle gespielt, sondern habe "am Katzentisch“ gesessen, sagte Mertzlufft vor der Bundespressekonferenz.
SPD, Grüne und Linke begrüßten hingegen die vorläufige Aussetzung von Acta in Deutschland. "Nun ist das EU-Parlament gefordert, einen Dialog zu forcieren, der im Ergebnis auf einen interessengerechten Ausgleich zwischen Urhebern, Verwertern und Nutzern hinausläuft“, sagte SPD-Rechtspolitiker Burkhard Lischka dem "Handelsblatt“. Für die Linke begrüßte Vorstandsmitglied Jan Korte "die Kehrtwende der Justizministerin“.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) beklagte laut Mitteilung vom Montag, die Bundesregierung schade "mit ihrer Rolle rückwärts" dem Innovationsstandort Deutschland und sende ein fatales Signal nach Brüssel. "Die Bundesregierung muss ihre Verantwortung jetzt wahrnehmen und das Abkommen zügig unterzeichnen", forderte der BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber. Acta leiste einen wichtigen Beitrag zum Schutz deutscher Innovationen im internationalen Handel.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar forderte die Bundesregierung auf, das umstrittene Abkommen gründlich zu prüfen. Es sei mehr als wahrscheinlich, dass die in Acta vorgesehenen Maßnahmen "gravierende Auswirkungen auf den Datenschutz“ haben könnten, schrieb Schaar im "Datenschutz-Forum“. So werde von Unternehmen gefordert, Nutzungs- und Verkehrsdaten von Internet-Nutzern offenzulegen, "die an Urheberrechtsverletzungen in irgendeiner Weise - also auch unwissentlich - beteiligt waren“.
Die EU-Kommission wies am Montag den Vorwurf der Geheimniskrämerei zurück. "Alle 27 EU-Mitgliedsstaaten konnten an allen Verhandlungssitzungen zu Acta teilnehmen“, sagte der Sprecher von EU-Handelskommissar Karel De Gucht am Montag in Brüssel. Die Brüsseler Behörde veröffentlichte am Montag einen detaillierten Überblick der ACTA-Verhandlungen. Die EU-Kommission betonte, für Lobbyisten habe es keine Vorzugsbehandlung gegeben.




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