Wulff-Anruf bei "Bild"
Früherer „Spiegel"-Chefredakteur Aust fassungslos
In einer längeren Nachricht auf der Handy-Mailbox des Bild-Chefs hatte sich Wulff empört über die Recherchen gezeigt und mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen Redakteur gedroht.
Köln. Der frühere Chefredakteur des Magazins „Spiegel“, Stefan Aust, hat den Anruf von Bundespräsident Christian Wulff bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann als „politisches Selbstmordkommando“ bezeichnet. „Wenn jemand etwas auf den Anrufbeantworter spricht, dann muss er davon ausgehen, dass das irgendwann bekannt wird“, sagte Aust am Montag im Radiosender WDR 2.
Die „Bild“-Zeitung hatte zuvor Presseberichte bestätigt, wonach Wulff versucht hat, eine kritische Berichterstattung über seine Kreditaffäre zu verhindern. In einer längeren Nachricht auf der Handy-Mailbox Diekmanns habe sich Wulff einen Tag vor der ersten Veröffentlichung empört über die Recherchen gezeigt und mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen Redakteur gedroht.
„Wenn man so etwas bewusst auf die Mailbox spricht, dann muss man von allen guten Geistern verlassen sein“, sagte Aust. Es sickere alles durch, erklärte der Medienkenner: „Wenn in irgendeiner Redaktionskonferenz darüber gesprochen wird, dann spricht sich das rum. Sie können in dieser Branche überhaupt nichts unter dem Deckel halten.“
Die Glaubwürdigkeit eines Bundespräsidenten sei sein wichtigstes Kapital. „Wenn man das auf diese Weise verspielt, dann wird es schon sehr eng“, sagte Aust. Journalistenverbände und der Deutsche Presserat hatten Wulffs Vorgehen kritisiert. (epd/abendblatt.de)



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