SPD-Vize Schwesig: "Über Appelle nicht hinausgekommen"
01.12.2011, 06:48
Uhr01.12.2011, 06:48
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Runder Tisch konnte sich auf Maßnahmenpaket verständigen. SPD-Vize Schwesig gehen die Ergebnisse nicht weit genug.
Die Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), spricht sich für weitere Hlfsmaßnahmen aus Foto: ZB/DPA
Berlin.
Der runde Tisch zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs in
Institutionen und Familien hat sich nach anderthalb Jahren Arbeit einstimmig
auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket verständigt: Es geht um schnelle Hilfen
für Opfer, Therapien und Entschädigungen, aber auch um Prävention und
Ursachenerforschung.
Zu den Vorschlägen gehört ein Hilfsfonds von 100 Millionen Euro, der Opfern
sexuellen Missbrauchs dort zugute kommen soll, wo die Entschädigungsfrage
unklar ist. Generell sollen die Institutionen, also die Kirchen oder Träger
von Schulen und Heimen, die Kosten übernehmen. Dabei bleibt es den
Institutionen überlassen, die Höhe des Schmerzensgeldes festzulegen. Wo die
Entschädigungsfrage unklar ist, etwa in Familien oder dort, wo die
staatliche Schulaufsicht versagt hat, soll der Hilfsfonds greifen. Der Bund
ist bereit, die Hälfte der 100 Millionen Euro zu finanzieren. Auch die
Länder und Kommunen müssten sich beteiligen.
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SPD-Vize Manuela Schwesig betonte im Hamburger Abendblatt, dass der runde
Tisch einiges für die Missbrauchsopfer bewegt habe und dass es vor Ort mehr
Hilfsangebote und mehr Aufklärung geben solle. Sie übte aber auch Kritik. "Was
mich ärgert: Es ist wieder nicht gelungen, auch im Gesundheitsbereich etwas
für die Missbrauchsopfer zu tun." Viele Betroffene hätten große
Schwierigkeiten, Therapien zu bekommen. "Über Appelle sind wir bei
diesem Problem nicht hinausgekommen. Ich würde mir wünschen, dass der
Bundesgesundheitsminister sich hier mehr engagieren würde."
Auch bei Opfervertretern stießen die Ergebnisse auf Kritik. "Wir
sind natürlich sehr überrascht, dass die Deckelung der Hilfen für Betroffene
wie Therapien und Eingliederungsmaßnahmen bei 10 000 Euro es tatsächlich in
den Abschlussbericht geschafft hat. Das Leid der Betroffenen ist ungedeckelt",
sagte Christian Bahls von der Initiative Mogis. Christa Paul von der
Hamburger Beratungsstelle Allerleirauh sagte dem Abendblatt: "Natürlich
hat der runde Tisch viel Gutes angeschoben, wie die Verlängerung der
Verjährungsfrist, neue Forschungsprojekte, Einfluss auf das neue
Kinderschutzgesetz und die Fortbildungsoffensive in den Fachberatungsstellen."
Konkrete Auswirkungen würden die Empfehlungen aber wohl kaum auf die
tägliche Arbeit der Beratungsstelle haben, die sich seit 23 Jahren für
missbrauchte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene einsetzt.