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Deutschland

Private Renten-Vorsorge immer wichtiger

Mehr sparen, um Altersarmut zu vermeiden - sechster Teil der Abendblatt-Serie

Berlin. Viele Bürger haben keine klare Vorstellung davon, welche Rente sie im Alter erwarten können. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung muss ein Durchschnittsverdiener gut 25 Jahre Beiträge zahlen, um ab dem Alter von 65 eine Rente auf Sozialhilfeniveau zu bekommen. Durch die Rentenreform 2001 dürfte die Zahl der dafür notwendigen Beitragsjahre auf 28 Jahre steigen. Inzwischen gibt es Überlegungen, den Rentenanstieg künftig noch weiter abzubremsen. Die von der Bundesregierung eingesetzte Rürup-Kommission hat dazu verschiedene Vorschläge gemacht. Deren Umsetzung könnte nach Ansicht des Bremer Sozialwissenschaftlers Winfried Schmähl bedeuten, dass ein Durchschnittsverdiener etwa 34 Jahre Beiträge zahlen müsste, um eine Rente in Höhe der Sozialhilfe zu erhalten. Ein solches Absinken des gesetzlichen Rentenniveaus könnte die Akzeptanz des Systems verringern. Schmähl warnt, dies könne "verstärkt zur Flucht in Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft führen". Die gesetzliche Rente ist nicht mit dem Netto-Haushaltseinkommen zu verwechseln. Nicht wenige Rentner haben Zusatzeinkünfte, eine zusätzliche Betriebsrente, Zins-, Miet- Pacht- oder mitunter auch Arbeitseinkommen. Häufig verfügen Rentner-Ehepaare über zwei Renten. Auf der anderen Seite leben etliche Rentner von kärglichen Renten oder gar am Rande des Existenzminimums. Zwar bezieht nur ein sehr geringer Teil von ihnen Sozialhilfe. Doch der Staat vermutet, das manche ältere Menschen den Gang zum Sozialamt scheuen, obwohl sie bedürftig sind. Deshalb hat die rot-grüne Bundesregierung eine Grundsicherung eingeführt. Damit soll denjenigen geholfen werden, die aus Scham keine Sozialhilfe in Anspruch nehmen, weil sie befürchten, dass zunächst ihre Kinder zum Unterhalt herangezogen würden. Die Grundsicherung ist an die Leistungen der Sozialhilfe angelehnt. Es gibt eine Bedürftigkeitsprüfung. Aber das Jahreseinkommen von Kindern bleibt außer Acht, wenn es den Betrag von 100 000 Euro nicht erreicht. Da die Renteneinkünfte künftig langsamer ansteigen dürften als bisher, ist die Riester-Rente geschaffen worden. Diese staatlich geförderte, freiwillige Zusatzvorsorge fürs Alter soll die Lücke zwischen dem letzten Netto-Arbeitseinkommen und der gesetzlichen Rente verkleinern. Da diese "Rentenlücke" künftig wegen der demographischen Entwicklung eher größer werden dürfte, wird ergänzende Privatvorsorge immer wichtiger. Im Durchschnitt sparen die Deutschen heute etwa zehn Prozent ihres verfügbaren Einkommens. Allerdings konzentriert sich nach Angaben des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) die Ersparnis in den oberen Einkommensgruppen, während die Sparrate in den unteren Einkommensgruppen "sehr niedrig" sei. Doch eine höhere Ersparnis vor allem in den unteren Einkommensgruppen sei "unbedingt erforderlich", um das in Zukunft niedrigere Rentenniveau auszugleichen und um Altersarmut zu vermeiden, erklärt das DIA.

 

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