Montag, 28. Mai 2012, 02:30

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Deutschland

Eine Bürgerversicherung für alle?

Die Alternativ-Konzepte zum Rentensystem - fünfter Teil der Abendblatt-Serie

Berlin. Seit es in Deutschland Sozialsysteme gibt, wird darüber gestritten, ob Arbeiter und Angestellte gegenüber Beamten benachteiligt sind und genauso Rentner gegenüber Pensionären. Da ist mitunter Neid im Spiel, aber es wird auch mit vielen Argumenten gefochten. Die Beamtenversorgung wird auf Basis des Endgehalts vor Eintritt in den Ruhestand berechnet. In dieser Zeit erreichen Beamte in der Regel ihre höchsten Bezüge. Die Rente eines Arbeiters oder Angestellten orientiert sich hingegen am - meist niedrigeren - durchschnittlichen Einkommen während ihrer gesamten Beschäftigungs- und Beitragsjahre. In der Gesetzlichen Rentenversicherung gibt es sie in Form der Beitragsbemessungsgrenze. Sie liegt derzeit in Westdeutschland bei 5100 Euro. Bis zu dieser Höhe ihres monatlichen Bruttoeinkommens müssen Arbeitnehmer Rentenbeiträge zahlen. Arbeitseinkommen darüber ist nicht beitragspflichtig, wird aber auch bei der Rentenberechnung nicht berücksichtigt. Bei Beamten fehlt eine Begrenzung nach oben. Beamte zahlen auch keine Beiträge für ihre Altersversorgung. Der Beamtenbund argumentiert, aktive Beamte würden deshalb auch schlechter bezahlt als vergleichbare Beschäftigte in der Privatwirtschaft. Das Argument ist umstritten. Rentner ärgern sich, dass Pensionäre ein Weihnachtsgeld, fast in Höhe einer 13. Monatspension, bekommen, sie selbst nur 12-mal Rente im Jahr. Andererseits müssen Pensionen voll versteuert werden, Renten nur zum geringen Anteil. Da sich der Streit um die Angemessenheit der jeweiligen Altersbezüge nicht schlichten lässt, liebäugeln Politiker in fast allen Parteien mit der Idee, aus allen verschiedenen Alterssicherungssystemen ein gemeinsames zu bilden - eine allgemeine Bürgerversicherung. In die müssten dann alle Beiträge einzahlen, Arbeiter, Angestellte, Beamte, Abgeordnete und Selbstständige. Die Idee klingt bestechend, hat aber ihre Tücken. Wer schon im Berufsleben steckt, hat in seinem jeweiligen Altersversorgungssystem bereits Ansprüche auf Leistung erworben. Die alle in ein neues System zu integrieren, ist ungemein schwierig. Viele Experten halten das gar für unmöglich. Eine Bürgerversicherung wäre deshalb womöglich zunächst ein Modell für Berufseinsteiger. Der Systemumbau würde dann eine gesamte Arbeits-Generation lang dauern. In diesem Zeitraum müsste gleichzeitig aber die Altersversorgung von Rentnern und Pensionären weiter finanziert werden. Ein ausgereiftes Konzept für eine Bürgerversicherung, das all diese Probleme berücksichtigt, liegt nicht vor. Manche denken auch darüber nach, alle Alterssicherungssysteme durch eine steuerfinanzierte Grundrente zu ersetzen. Diese Idee birgt ähnliche Probleme wie die Bürgerversicherung. Doch auf der Suche nach einem besseren Alterssicherungssystem wird die Diskussion über diese Vorschläge mit Sicherheit intensiviert.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus