Ist der "Generationenvertrag" zu erfüllen?
Die Rente und der demographische Wandel - zweiter Teil der Abendblatt-Serie
Berlin. Der Traum vom immer längeren Leben wird für immer mehr Deutsche wahr. Die Lebenserwartung steigt. Heute kann laut Statistischem Bundesamt ein 60-jähriger Mann im Schnitt damit rechnen, dass er noch 19 Jahre lebt. Vor hundert Jahren waren es knapp sechs Jahre weniger und 1970 rund vier Jahre weniger. Eine 60-jährige Frau kann heute im Schnitt noch 23 weitere Lebensjahre erwarten. Vor hundert Jahren waren es 14 Jahre, 1970 dann 19 Jahre. Gegenläufig entwickelte sich die Geburtenrate. Blieb von Frauen des Jahrgangs 1940 nur jede zehnte kinderlos, so ist es vom Jahrgang 1965 etwa jede dritte. Seit dem "Pillenknick" in den 60er- und 70er-Jahren liegt die Geburtenziffer pro Frau bei etwa 1,4 Kindern. Das heißt: Jede Elterngeneration wird nur noch zu zwei Dritteln durch Kinder ersetzt. Das hat gravierende Auswirkungen auf die Alterssicherungssysteme. Die 60-Jährigen und Älteren stellen derzeit etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Dieser Anteil wird nach der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes bis zum Jahr 2050 womöglich auf etwa ein Drittel ansteigen. 2050 werden nach diesen Schätzungen dank steigender Lebenserwartung voraussichtlich gut zwölf Prozent der Bevölkerung, etwa 9,1 Millionen Menschen, 80 Jahre und älter sein. Heute leben 3,2 Millionen Menschen dieses Alters in Deutschland. Das sind knapp vier Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig verringert sich aber die Anzahl der Jüngeren imErwerbsalter. 1995 lag der so genannte "Altenquotient" bei 37. Das heißt: 100 Menschen im Erwerbsalter standen 37 im Rentenalter gegenüber. 2001 waren es schon 44. Anno 2030 könnten es 71 sein, 2050 sogar 78. Das Rentensystem gründet auf dem so genannten "Generationenvertrag": Die jeweilige Erwerbsgeneration finanziert im Umlageverfahren mit ihren Beiträgen die Renten der jeweiligen Altengeneration, erwirbt aber gleichzeitig Rentenansprüche, welche die nächste Erwerbsgeneration finanzieren muss. Dieses System gerät ins Wanken, wenn auf immer mehr Ältere immer weniger Menschen im Erwerbsalter kommen. Der demographische Wandel wirkt sich auch auf die öffentlichen Etats aus, aus denen die Beamtenpensionen finanziert werden. 1970 mussten Bund, Länder und Gemeinden für ihre Pensionäre etwa 4,5 Milliarden Euro aufwenden. Im Jahr 2000 waren es rund 22 Milliarden Euro. 2030 dürften es über 70 Milliarden Euro sein. Wollte man das heutige Verhältnis zwischen Jung und Alt über Zuwanderung einigermaßen stabil halten, müssten nicht wie derzeit jährlich etwa 200 000 Menschen zuwandern, sondern mehrere Millionen. Das würde kaum auf Akzeptanz stoßen. Also müssen die wirtschaftlichen Auswirkungen des demographischen Wandels anders bewältigt werden.



100. Geburtstag
Axel Springer





Branchenbuch Hamburg
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




