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Deutschland

Frauenquote in Deutschland

Dieter Hundt: Mehr Frauen für die Bahn

Der Arbeitgeberpräsident verweist auf Nachbar Österreich und sieht Nachholbedarf vor allem bei Unternehmen mit staatlicher Beteiligung.

Dieter Hundt plädiert für mehr Frauen vor allem in Unternehmen mit staatlicher Beteiligung
Foto: picture alliance / dpa/dpa

Berlin. Im Streit um eine Frauenquote für Unternehmen hat Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt die schwarz-gelbe Regierung scharf angegriffen. "Ich fordere die Bundesregierung auf, die eigenen Versäumnisse anzupacken, anstatt die deutsche Wirtschaft mit ungeeigneten Mitteln zu belasten", sagte Hundt dem Hamburger Abendblatt. "Der größte Nachholbedarf besteht in Deutschland nicht bei den privaten Unternehmen, sondern bei den Unternehmen mit staatlicher Beteiligung." Die Bundesregierung habe überhaupt keine Frauen in die Aufsichtsräte der börsennotierten Unternehmen Bahn, Post und Telekom entsandt. Daher weise er die Attacken von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gegen die private Wirtschaft zurück. Diese sei bei der Berücksichtigung von Frauen viel weiter als der Bund.

Hundt beschrieb die Entwicklung in deutschen Unternehmen als positiv. "Fast 30 Prozent aller Führungspositionen sind bereits heute mit Frauen besetzt", sagte er. "Die Defizite, die es bei großen Unternehmen gibt, werden abgebaut." Rund 40 Prozent der Aufsichtsratsposten, die in diesem Jahr bei den DAX-30-Unternehmen neu zu besetzen waren, seien Frauen übertragen worden. Zwar gebe es immer noch zu wenige Frauen in deutschen Chefetagen, doch würden sie auf allen Ebenen gefördert. "Die Wirtschaft sucht und bildet gezielt qualifizierte Frauen aus und schafft bessere Bedingungen für die weiblichen Führungskräfte von morgen."

Der Präsident nannte es widersinnig, einen erfolgreichen Vorstand oder Aufsichtsrat allein wegen seines Geschlechts abzulösen. Wenn aber ein Aufsichtsrats- oder Vorstandsmitglied altersbedingt ausscheide oder zu einem anderen Unternehmen wechsle, sollten mehr Frauen als bisher berücksichtigt werden. "Ich bin sicher, dass dies deutlich mehr als 30 Prozent bei Neuberufungen sein werden."

Eine fixe Frauenquote gehe an der betrieblichen Realität vorbei, kritisierte der Arbeitgeberpräsident. "Wie soll ein Maschinenbauunternehmer eine Quote von 30 Prozent umsetzen, wenn der Anteil weiblicher Studierender im Fach Maschinenbau bei nur 17 Prozent liegt und der Frauenanteil in technischen Studienfächern bei lediglich rund 20 Prozent?" Es müsse vielmehr darum gehen, "differenzierte und unternehmensspezifische Lösungen zu finden, um den Frauenanteil in Belegschaften und Führungspositionen zu erhöhen". Dies sehe auch die Erklärung vor, auf die sich die DAX-30-Unternehmen vor wenigen Wochen mit vier Bundesministern verständigt hätten.

Am 30. März hatten sich Familienministerin Kristina Schröder, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) sowie Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der damalige Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (beide FDP) mit den Personalvorständen der 30 DAX-Unternehmen getroffen. Es sollten Lösungen gefunden werden, wie der niedrige Frauenanteil in den Top-Etagen deutscher Unternehmen erhöht werden kann. Nach dem Spitzengespräch veröffentlichten die Teilnehmer eine gemeinsame Erklärung, in der allerdings noch keine konkreten Ziele genannt wurden - abgesehen davon, dass sich jedes Unternehmen noch in diesem Jahr auf eine selbst definierte Quote festlegen will.

Hundt verwies auf Österreich, das in den Aufsichtsräten von Staatsunternehmen eine Frauenquote festgelegt hat: Bis 2018 sollen 35 Prozent der Aufsichtsratsposten von Frauen besetzt sein; derzeit sind es knapp neun Prozent. "Ich lehne auch für Staatsunternehmen solche Quoten ab", bekräftigte Hundt. "Der österreichische Weg ist aber ehrlicher und glaubwürdiger als die gegenwärtige Debatte in der deutschen Politik."

 

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