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Deutschland

Oberbürgermeisterwahl: In Kiel fordert Sprecher des Bundesfinanzministers Amtsinhaberin heraus

Schattenmann Torsten Albig will es wissen

Torsten "ohne h!" Albig, der Mann, der am Sonntag Oberbürgermeister von Kiel werden will, hat drei sozialdemokratischen Bundesfinanzministern als...


Foto: dpa

Berlin. Torsten "ohne h!" Albig, der Mann, der am Sonntag Oberbürgermeister von Kiel werden will, hat drei sozialdemokratischen Bundesfinanzministern als Sprecher gedient. Oskar Lafontaine, Hans Eichel und Peer Steinbrück. Als Lafontaine 1999 so unerwartet blitzartig zurücktrat, standen Albig vor Enttäuschung die Tränen in den Augen. Den Bürokraten Eichel verließ er, um Sprecher der Dresdner Bank zu werden. Mit Steinbrück versteht sich der inzwischen 45-jährige Bremer blind. Da ist dieselbe schnelle Auffassungsgabe, Witz und ein gewisser Hang zur Ruppigkeit. Und Freundschaft, wenn man auf dieser Ebene von Freundschaften sprechen kann. Als Albig Steinbrück mitteilte, dass er vorhabe in Kiel zu kandidieren, hat Steinbrück ihm keine Steine in den Weg gelegt, sondern spontan gesagt: "Ich helfe dir im Wahlkampf, wann immer ich kann." Das zeugte von einer gewissen Selbstlosigkeit, zumal Steinbrück einräumt, dass er Torsten Albig "nur ungern" gehen lässt. Sollte Steinbrück nach dem Wahlsonntag Ersatz brauchen, so wird der nicht gerade leicht zu finden sein.

Der Sprecher spricht, pflegt man ihn Berlin mit leicht ironischem Unterton zu sagen, doch Albig ist mehr als nur einer aus dem für die Bürger grauen Heer der Ministeriumssprecher gewesen. Seine Nähe zu Steinbrück, seine Rolle im Ministerium habe ihn zu einem Politiker gemacht, der sich als Sprecher getarnt habe, hat die "Süddeutsche Zeitung" einmal geschrieben. Und natürlich hat der smarte Steuerjurist dem nicht widersprochen.

Dass so ein Schattenmann beschließt, eine politische Karriere unter eigenem Namen anzustreben, kommt nicht gerade häufig vor. Torsten Albig hat beschlossen, sich der politischen Praxis zuzuwenden. Es sei ein riesiger Unterschied, ob man beratend in einer virtuellen Welt tätig sei, hat er im Gespräch mit dieser Zeitung vor Kurzem gesagt, oder ob man sehr reale Dinge entscheiden könne und dann auch verantworten müsse. Oberbürgermeister in Kiel zu sein, stelle er sich "extrem reizvoll" vor.

In der Landeshauptstadt erzählt man sich immer noch, wie Peer Steinbrück an einem Januartag des Jahres 2006 vor dem Kieler Rathaus vorfuhr und seinen neuen Sprecher persönlich abholte. Der aus dem Bank-Job in die Kieler Kommunalverwaltung gewechselt war und nun seine Position als Kämmerer aufgab. "Einen Job gibt es, für den ich von überall zurückkommen würde", hat Torsten Albig damals gesagt, und den Posten des Oberbürgermeisters gemeint.

Albig tritt gegen Angelika Volquartz an. Die amtierende CDU-Politikerin will noch einmal sechs Jahre dranhängen. Weil es einen dritten Kandidaten gibt - Raju Sharma von der Linkspartei - kommt es vielleicht sogar zu einer Stichwahl. Volquartz ist beliebt, Albig gibt sich optimistisch. Als Steinbrück im Februar den ersten Wahlkampftermin für seinen Sprecher absolvierte, blödelte der Minister: "Ich bin hier, um dafür zu werben, dass ich ihn loswerde!" Ähnlich locker ging es auch am vergangenen Freitag in der Kieler Sparkassen-Arena zu. Der Minister hat seinen Sprecher für diese Wahl übrigens nur beurlaubt. Klappt es nicht, kann Albig nach Berlin zurückkehren.

 

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