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Deutschland

Jugend verliert Interesse an politischen Themen

Jeder dritte Bundesbürger unterhält sich nur einmal pro Woche oder seltener ausführlich mit anderen Menschen. Dafür gewinnen insbesondere bei jungen...

Berlin. Jeder dritte Bundesbürger unterhält sich nur einmal pro Woche oder seltener ausführlich mit anderen Menschen. Dafür gewinnen insbesondere bei jungen Erwachsenen neue Kommunikationstechnologien des Austauschs über Internet-Plattformen oder via SMS an Bedeutung. Das geht aus einer gestern in Berlin vorgestellten Studie "Gesprächskultur in Deutschland" des Instituts für Demoskopie Allensbach hervor. Dessen Geschäftsführerin Renate Köcher befürchtet, dass die stark zunehmende Kommunikation im Telegrammstil bzw. über technische Plattformen "in die Tiefe gehende Kommunikation" verdrängt. Köcher hat einen beachtlichen Rückgang des Interessenspektrums gerade der jungen Generation an bedeutenden gesellschaftlichen Themen gemessen. So liege das Interesse an Politik, Wirtschaftsthemen oder Fragen des Natur- und Umweltschutzes bis zu 40 Prozent unter dem Niveau von 1988. "Jüngere Menschen informieren sich nicht mehr kontinuierlich, sondern nach Bedarf", erläuterte Köcher. "Das ist eine Gefahr für die Urteilsfähigkeit der Gesellschaft, Wahlen sind schließlich kein Fernsehquiz." Auch würden elementare Themen wie Tod sowie Liebe und Zuneigung zunehmend tabuisiert. "Unsere Gesellschaft wird momentan wieder restriktiver", sagte Köcher. Die abgekürzte, indirekte Form des Austauschs führe offenbar dazu, dass verstärkt über Belangloses miteinander gesprochen werde. Allerdings betreffe das wiederum vorrangig die Jüngeren: "Zwischen den Kommunikationsstilen der jüngeren und der älteren Generation liegen Welten", so Köcher.

Knapp zwei Drittel der Deutschen kommuniziere immer noch am liebsten von Angesicht zu Angesicht, bei den unter 20-Jährigen nur gut ein Drittel. Zwei von drei der unter 30-Jährigen, aber nur zwei von fünf der über 30-Jährigen kommunizieren mehrfach täglich über Handy und Internet mit anderen. Die jüngere Generation pflegt ihre Kontakte weitaus stärker mittels des Internets als die mittlere oder ältere Generation. 71 Prozent der unter 30-Jährigen chatten im Internet. Knapp die Hälfte der unter 20-Jährigen und 40 Prozent der 20- bis 29-Jährigen sind Mitglied eines sozialen Netzwerks wie StudiVZ oder Facebook. Jenseits der dreißig spielen Chaträume und soziale Netzwerke bisher eine untergeordnete Rolle, wie die Studie ergab, die von "Bild der Frau" und dem Kaffeeröster Jacobs finanziert wurde.

Dass wichtige Themen des Weltgeschehens deshalb gar nicht mehr zu den Menschen durchdringen, ergab die Studie indes überhaupt nicht. Im Gegenteil. 82 Prozent der Befragten gaben an, sich in letzter Zeit über den neuen US-Präsidenten Barack Obama unterhalten zu haben - auf welchem Niveau auch immer. Und bei 79 Prozent sorgte die Wirtschaftskrise für Gesprächsstoff, die damit sogar knapp vor dem Wetter (71 Prozent) und der Abwrackprämie (67 Prozent) landete. Zum Vergleich: Angela Merkel nannten 40 Prozent, Fußball 39 Prozent - und Dieter Bohlen 21 Prozent.flk

 

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