10.03.10

Thilo Sarrazin

Sarrazin: Keine Hausaufgaben - weniger Kindergeld

Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin sorgt mit seinen Forderungen weiter für Aufsehen. Diesmal geht es um Schulprobleme von Kindern.

Foto: dpa
Thilo Sarrazin
Thilo Sarrazin.

Wiesbaden. Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hat drastische Sanktionen für Familien gefordert, deren Kinder in der Schule Probleme haben. "Noch mehr Lehrer und noch mehr Förderung, das funktioniert nicht", sagte Sarrazin am Dienstagabend auf einer Diskussionsveranstaltung im Wiesbadener Justizministerium: "Wenn die Hausaufgaben nicht gemacht werden, dann wird eben das Kindergeld um 50 Prozent gekürzt."

Es müsse gewährleistet sein, dass jedes Kind gerade in den ersten Schuljahren auch wirklich mitkomme, aber nicht über einen weiteren Ausbau der Sozialarbeit, sagte Sarrazin. Nötig seien vernünftige Lehrpläne und eine konsequente Qualitätskontrolle. Für eine bessere Integration von Ausländern sei ein Umdenken bei der Bildungspolitik notwendig.

Der frühere Berliner Finanzsenator, dem wegen seiner umstrittenen Äußerungen derzeit der Ausschluss aus der SPD droht, blieb in Wiesbaden bei seiner Migranten-Schelte. Wer die deutsche Sprache nicht lernen wolle, müsse das finanziell zu spüren bekommen: "Integration ist zu 80 Prozent eine Bringschuld und keine Holschuld." Die unerwartet große Wirkung seiner Worte zeige, dass das Thema die Bürger bewege.

Im Vorfeld der Veranstaltung demonstrierten einige Dutzend Mitglieder vom "Wiesbadener Bündnis gegen Rechts" gegen die als rassistisch empfundenen Äußerungen des früheren Berliner Finanzsenators. Auch während der Gesprächsrunde wurde aus Protest ein Banner entrollt.

"Es ist das passiert, was zu erwarten war: Sarrazin hat ein Forum geboten bekommen, bei dem er weiter seine kruden und verletzenden Thesen vertreten konnte, die auf Spaltung statt auf eine wirkungsvolle Integration abzielen", kritisierten die hessischen Grünen nach der Diskussionsveranstaltung, an der auch Landesjustizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) teilnahm. Hahn habe auf der Veranstaltung nicht einmal versucht, Sarrazin in die Schranken zu weisen.

Die Linkspartei warf Sarrazin "Pöbeleien" vor. "Die Einladung Sarrazins hat ein bezeichnendes Licht auf das Integrationsverständnis von Minister Hahn geworfen", kritisierte die Linken-Landtagsfraktion. Sarrazins abfällige Äußerungen gegenüber Migrantinnen und Migranten förderten rassistisch gefärbte Bilder und enthielten Stereotype, wie sie im rechtsradikalen Diskurs zur Stimmungsmache benutzt würden.

Sarrazin hatte sich in Interviews wiederholt abfällig über Migranten geäußert und Hartz-IV-Empfängern bei Geldknappheit empfohlen, warme Pullover anzuziehen statt zu heizen. Der Kreisverband Berlin-Spandau hatte neben anderen Parteigliederungen daraufhin seinen Parteiausschluss gefordert. Die Entscheidung über einen Ausschluss wird in spätestens drei Wochen erwartet.

Thilo Sarrazin im Originalton
Sarrazins Sprüche und Zitate
Im Februar 2010 behauptete Sarrazin im Rahmen der Hartz-IV-Debatte, dass eine große Zahl an Arabern und Türken in Berlin keine produktive Funktion habe, außer für den Obst- und Gemüsehandel.
Sarrazin: "Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert"
Bildungsförderung von Unterschichtenkindern sei seiner Meinung nach sinnlos, weil Intelligenz weitgehend erblich sei. Er selbst ist Arztsohn.
Als Gegenvorschlag zur Erhöhung der Hartz-IV-Sätze schlug Sarrazin vor, lieber warmes Wasser zu sparen: "Kalt duschen ist doch eh viel gesünder. Ein Warmduscher ist noch nie weit gekommen im Leben."
Laut Sarrazin ist das Problem mit angeblich zu geringen Hartz-IV-Sätzen eine Frage der Mentalität, des Wollens und der Einstellung. "Wo diese fehlt, hilft auch kein Geld, und wo diese da ist, ist das Geld gar nicht so wichtig."
Westerwelles Vergleich zwischen staatlichen Leistungen für Langzeitarbeitslose und spätrömischer Dekadenz ist laut Sarrazin ein "völlig misslungenes Bild", das dem Vizekanzler ein "intellektuelles Armutszeugnis ausstelle".
Seinen rigiden Sparkurs für Berlin kommentierte er so: Man müsse sieben Opernhäuser schließen und fügte dann sarkastisch hinzu: "Wir haben aber nur drei."
Zum Wohle des Sparkurses nimmt Sarrazin einiges in Kauf. Für Berlin schlug er vor, einen der beiden Tierparks dicht zu machen. Elefant sei schließlich Elefant und Zwergmaus Zwergmaus.
Hartz-IV-Empfängern empfahl Sarrazin, die Heizung herunterzudrehen und Pullover anzuziehen. Alt-68ern unterstellte er, es sei ihnen "egal, wie man mit anderer Leute Geld umgeht".
Die türkischen Mitbürger fürchtet er besonders: "Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate."
Die türkischstämmige Autorin und Frauenrechtlerin Necla Kelek verteidigte ihn: "Ich würde mir diesen klaren Blick auch von manchen anderen Politikern wünschen".
In einer Entschuldigung verteidigt er sich, sein Anliegen sei es gewesen "die Probleme und Perspektiven der Stadt Berlin anschaulich zu beschreiben, nicht aber einzelne Volksgruppen zu diskreditieren".
In seinem neuen Buch (zitiert nach einem Vorabdruck der "Bild"-Zeitung) schreibt er: "Die türkischen Migranten heiraten zu über 90 Prozent wiederum Türken; rund 60 Prozent der Ehen türkischer Staatsbürger in Deutschland werden mit einem Partner aus der Türkei geschlossen. Diese Importpartner weisen durchweg eine sehr niedrige Bildung auf. ... Häufig sind es Vettern und Cousinen. Ganze Clans haben eine lange Tradition von Inzucht und entsprechend viele Behinderungen. ... Es ist bekannt, dass der Anteil der angeborenen Behinderungen unter den türkischen und kurdischen Migranten weit überdurchschnittlich ist. Aber das Thema wird gern totgeschwiegen. Man könnte ja auf die Idee kommen, dass auch Erbfaktoren für das Versagen von Teilen der türkischen Bevölkerung im deutschen Schulsystem verantwortlich sind."
Der "Welt am Sonntag" sagte er: "Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden." Später bedauerte er, dass diese Äußerungen zu Irritationen und Missverständnissen geführt hätten, und schrieb: " Neue Untersuchungen offenbaren die gemeinsamen genetischen Wurzeln der heute lebenden Juden. Das ist ein Faktum."
(apn/abendblatt.de)
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