Bischofskonferenz
Missbrauchsskandal: Zollitsch will Papst informieren
Erzbischof Robert Zollitsch will Papst Benedikt XVI. über den Umgang der deutschen Bischöfe mit dem Missbrauchsskandal informieren.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, will im März Papst Benedikt XVI. über den Umgang der deutschen Bischöfe mit dem Missbrauchsskandal informieren.
Foto: dpa/DPA
Berlin. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat das Vorgehen der katholischen Kirche bei der Aufklärung im Missbrauchsskandal verteidigt. Er wolle im März Papst Benedikt XVI. informieren, sagte der Freiburger Erzbischof im Südwestrundfunk. „Wenn die Linie, die wir als deutsche Bischofskonferenz haben, zu einer Art Generallinie wird in unserer katholischen Kirche, dann wird sicher auf Zukunft hin vieles besser werden.“ Nicht einmal ein Drittel der Deutschen hält allerdings die katholische Kirche einer Umfrage zufolge für ehrlich. Der Tübinger Theologe Hans Küng gibt zudem dem Zölibats-Gebot für Geistliche eine Mitschuld an dem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen an katholischen Schulen.
Das Vorgehen der Kirche war unter anderem von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) kritisiert worden, weil nach ihrer Ansicht Verdachtsfälle nicht frühzeitig genug angezeigt werden. Zollitsch verwies dagegen auf die Angst vieler Opfer sexuellen Missbrauchs, vor Gericht zu gehen. Das sei der Hintergrund, warum die Bischöfe nicht in jedem Verdachtsfall eine sofortige Anzeige verlangten. Gleichzeitig signalisierte Zollitsch erneut Bereitschaft zu einem Gespräch mit der Ministerin. Im Sommer wollten die Bischöfe gemeinsam mit Organisationen und Experten Initiativen gegen den sexuellen Missbrauch Minderjähriger auf den Weg bringen.
Unterdessen erhielt der katholische Orden der Salesianer Don Boscos weitere Hinweise auf Missbrauchsfälle in seinem mittlerweile geschlossenen Berliner Kinderheim am Wannsee in den 1960er Jahren. Der betroffene Pater sei inzwischen jedoch dement. Zwei früher am Gymnasium Johanneum im saarländischen Homburg beschäftigte Patres wollen nach Missbrauchsvorwürfen Selbstanzeige erstatten. Das teilte das Bistum Speyer auf seiner Internetseite mit. Nach einem Bericht der „Saarbrücker Zeitung“ leitete die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ein Verfahren ein.
Nicht einmal ein Drittel der Deutschen hält nach einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers“ die katholische Kirche im Missbrauchskandal für ehrlich. In einer aktuelle Umfrage hätten die Deutschen auch wenig Vertrauen gezeigt, dass die Bischöfe bei der Aufklärung sexueller Missbrauchsfälle mithelfen werden. Nur knapp 20 Prozent der für eine zweite Studie Befragten geht nach einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“ davon aus, dass die Kirche zur Aufklärung beiträgt. Für die unterschiedlichen Studien im Auftrag der beiden Medien hat das Meinungsforschungsinstitut Omniquest 1000 Menschen befragt.
Küng schrieb in einem Beitrag für die „Süddeutsche Zeitung“, es sei auffällig, dass Kindesmissbrauch „massenhaft gerade in der von Zölibatären geleiteten katholischen Kirche“ vorkomme. Das Zölibatsgesetz widerspreche dem Evangelium und gehöre abgeschafft, betonte der Theologie-Professor.
Der rechtspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Christian Ahrendt, forderte die katholische Kirche auf, einen Entschädigungsfonds für Missbrauchopfer aufzulegen und unabhängige Sonderermittler in allen deutschen Bistümern einzusetzen. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Ahrendt: „Die katholische Kirche wäre gut beraten, nicht länger wie ein Staat im Staate zu handeln.“




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