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Deutschland

Stasi unter Verdacht

Neue Ermittlungen zum Tod von DDR-Fußballer Lutz Eigendorf

Der "Beckenbauer der DDR" starb nach seiner Republikflucht unter mysteriösen Umständen. Stasi-Mitarbeiter gestand nun Mordauftrag.

Der Fußballer Lutz Eigendorf starb 1983 unter mysteriösen Umständen. Nun soll das Verfahren neu gestand ein ehemaliger Stasi-Mitarbeiter, einen Mordaufrag angenommen zu haben.
Foto: picture-alliance/ dpa/dpa

Berlin. Der mysteriöse Tod des Fußballspielers Lutz Eigendorf könnte erneut die Berliner Staatsanwaltschaft auf den Plan rufen. Der Direktor der Berliner Stasiopfer-Gedenkstätte, Hubertus Knabe, hat am Mittwoch die Wiederaufnahme von Mord-Ermittlungen beantragt. Eigendorf, der 1979 aus der DDR geflüchtet war und danach auch für Eintracht Braunschweig in der Bundesliga spielte, starb am 5. März 1983 bei einem Auto-Unfall bei Braunschweig. Immer wieder war spekuliert worden, dass die Stasi dabei ihre Hände im Spiel hatte.

Knabe habe den Antrag gestellt, nachdem am Dienstag ein früherer Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi vor dem Düsseldorfer Landgericht von einem Mordauftrag berichtet hatte. Der IM hat nach eigener Aussage den Auftrag des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) aber nie ausgeführt. Aufgrund der Aussage des 65 Jahre alten IM bat der Historiker die Berliner Staatsanwaltschaft auch um eine Prüfung, ob die Leiche des Fußballers exhumiert werden könne. In MfS- Unterlagen habe es Hinweise auf eine Vergiftung gegeben. „Wenn sich neue Gesichtspunkte ergeben, wird das Verfahren wieder aufgenommen“, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, der dpa. „Mord verjährt nicht.“ Die Anklagebehörde hatte den Fall über Jahre geprüft, zuletzt waren die Ermittlungen

2004 eingestellt worden. Handfeste Beweise wurden nicht gefunden. Lutz Eigendorf spielte in der DDR für den BFC Dynamo Berlin – den Lieblingsclub von Stasi-Chef Erich Mielke. Vier Jahre nach Eigendorfs „Republikflucht“ krachte das Auto des 26-Jährigen gegen einen Baum bei Braunschweig. Der Spieler hatte 2,2 Promille Alkohol im Blut. Zeugen hatten allerdings beteuert, dass er nicht so viel getrunken hatte, als er ins Auto stieg. Der mehrfach vorbestrafte Ex-Stasi-IM war in Düsseldorf wegen schweren Raubes zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der 65-Jährige erzählte in dem Prozess, dass er Eigendorf liquidieren sollte. Die Stasi-Verpflichtungserklärung habe er nur unterschrieben, um seine Frau aus der DDR in die Bundesrepublik nachzuholen, sagte der frühere DDR-Boxmeister. Bis zu 50 hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter sollen auf Eigendorf angesetzt gewesen sein, nachdem dieser sich in den Westen abgesetzt hatte, hatte der Buch- und Filmautor Heribert Schwan recherchiert. Er hatte in Stasi-Akten Hinweise auf ein als Unfall getarntes Mord- Komplott entdeckt. Der Autor des Buches „Tod dem Verräter“ fand auch Hinweise auf den heute 65 Jahre alten Ex-IM. Demnach soll dieser aus einem DDR-Gefängnis in die Bundesrepublik entlassen worden sein, um sich an Eigendorfs Fersen zu heften. Ermittlungen zu dem früheren Spitzel verliefen aber im Sande – seine Stasi-Akten für die Jahre1980 bis 1983 fehlten. (dpa/abendblatt.de)

 

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