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Deutschland

Beratungsstelle soll Online-Betrug verhindern

Internet: Regierung wirbt um Vertrauen

Datenschützer befürchten das Ausspionieren von Usern. Bundeskanzlerin Angela Merkel verspricht den raschen Ausbau der Breitbandnetze.

Hamburg/Stuttgart. Das Abfischen von Passwörtern und Daten im Internet und der massenhafte Versand unerwünschter E-Mails sollen bald der Vergangenheit angehören. Die neue Sicherheitsoffensive der Bundesregierung und der IT-Wirtschaft mit der kostenlosen Viren-Beratungsstelle im Netz ruft aber die Bedenken von Datenschützern hervor. Wenn schon die Internetanbieter in die Computer gucken können - was könnten dann staatliche Stellen ausspähen, wenn sie vorgeben gegen Internetkriminelle vorzugehen?

Die Internetanbieter wie Telekom, Vodafone oder Alice hätten längst die Möglichkeit, ihre Nutzer zu warnen, wenn sie Viren auf dem Computer haben oder ausgespäht werden. Das wurde beim vierten Nationalen IT-Gipfel in Stuttgart bekannt. Auch wenn die Online-Dienstleister sich noch nicht zu den Plänen der Bundesregierung geäußert haben, fürchten viele Nutzer den Zwang, ihren Rechner bei der Einwahl ins Netz prüfen zu lassen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) beschwichtigte beim IT-Gipfel: "Wir brauchen eine neue Vertrauensbasis zwischen Staat und Internetnutzer."

Es gebe den Generalverdacht, der Staat wolle alle Netznutzer überwachen. Auf der anderen Seite müsse klargemacht werden, dass auch das Internet nicht ohne Regeln funktioniere. "Diese Kluft müssen wir überwinden." Bislang seien vor allem private Firmen für die Sicherheit im Internet verantwortlich. Ohne eine maßgebliche Rolle des Staates werde es jedoch auch für die privaten Nutzer keine freie und sichere Kommunikation geben.

Deutschland rangiert unter den zehn am schlimmsten von Viren betroffenen Ländern auf Platz drei. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik schätzt, dass jeder vierte deutsche Rechner infiziert ist.

"Wir begrüßen prinzipiell jede Initiative zur Verbesserung der IT-Sicherheit", sagte Thorsten Urbanski vom Schutzsoftwarehersteller "G Data" in Bochum. Auch Beratungsangebote und Aufklärung seien angesichts der vielfachen Bedrohung aus dem Internet sinnvoll. "Ein Alleingang einzelner Staaten ist unserer Einschätzung nach aber nur bedingt erfolgversprechend und könnte schnell wirkungslos verpuffen", fürchtet Urbanski.

Am Sinn eines Pflichtvirenscanners für alle zweifelt auch Christopher Bohn, Sprecher der "ProtectStar Group". "Ein Pflichtvirenschutz wäre der falsche Ansatz. Denn man müsste dafür zunächst einmal einen Malwarescanner haben, der tatsächlich alle Schadprogramme erkennt und dabei keine Fehlalarme produziert." Die Sorge des Experten: "Wenn man aufgrund eines Fehlers 10 000 oder gar 100 000 Nutzer anschreibt, würde das einen nicht zu rechtfertigenden Kostenaufwand verursachen."

Beim IT-Gipfel hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für einen massiven Ausbau des Breitbandnetzes starkgemacht. "Wir sind in der Welt nicht abgeschlagen, aber auch nicht auf Platz eins." Die Bundesregierung werde bis zum Sommer Vorschläge machen, wie dünn besiedelte Regionen schnellere Anschlüsse bekommen könnten.

Bei der Informationstechnik liege Deutschland weltweit nur auf Platz 15, Vorreiter sind die USA, Japan und Südkorea, wie Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte.

Nach der Studie "Smart 2020" könnte die deutsche Industrie bis 2020 ein Viertel ihres CO2-Ausstoßes mithilfe intelligenter Software einsparen. Die Deutsche Umwelthilfe hat Zweifel an den Zahlen. Bereits heute sei die Telekommunikationstechnologie für mehr als zehn Prozent des Stromverbrauchs verantwortlich, sagte Umwelthilfe-Geschäftsführer Rainer Baake. Bei Computern und Servern müsse die Politik schnell ein System auf den Weg bringen, das die umweltfreundlichen Geräte klar kennzeichnet.

 

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