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Deutschland

Studentenproteste

Rund 50.000 Teilnehmer an Protesten gegen Bildungsmissstände

Rund 50.000 Studenten, Schüler und Auszubildende beteiligen sich bundesweit an den Protesten gegen Bildungsmissstände und Studiengebühren.

Die Studentenproteste gegen Missstände im Bildungssystem gehen weiter.
Foto: dpa/DPA

Berlin. Rund 50.000 Studenten, Schüler und Auszubildende haben am Dienstag nach Angaben des Netzwerks Bildungsstreik bundesweit gegen Reformen an Universitäten und Schulen protestiert. Die Universitäten in Bonn, Braunschweig und Nürnberg-Erlangen seien besetzt, sagte einer der Sprecher des Netzwerks, Philipp Tassev. In Berlin seien 12.000 Demonstranten auf die Straße gegangen, in München hätten sich 10.000 an einer Kundgebung beteiligt. Im Laufe des Tages würden noch mehr Teilnehmer an den Protesten erwartet.

Die Studierenden wollen Nachbesserungen an der sogenannten Bologna-Reform, mit der die Studiengänge in Europa angeglichen und vergleichbar gemacht werden sollen. In der Kritik stehen vor allen die Bachelor- und Masterstudiengänge. So ist beispielsweise trotz der angestrebten Vergleichbarkeit ein Wechsel von Studienorten oft schwierig, weil häufig jede Universität die Studiengänge verschieden ausgestaltet.

Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), der Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Henry Tesch, sieht die Verantwortung für Nachbesserungen bei den einzelnen Hochschulen. Die KMK habe bereits Korrekturen vorgenommen, sagte er dem WDR. „Die Umsetzung, und das ist ja jetzt kein Verschiebebahnhof, muss natürlich durch die Universitäten geleistet werden.“

Bundesbildungsministerin Annette Schavan zeigte Verständnis für die Protestierenden. „Es gibt Anliegen, die kann ich gut verstehen“, sagte sie Reuters TV. Dies betreffe auch die Situation in der Lehre. „Dazu gehört die Frage, wie schaffen wir, dass die Umsetzung des Bologna-Prozesses und die neuen Studienstrukturen wirklich gut gelingen.“

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, forderte die Universitäten zur raschen Umsetzung der Empfehlungen der KMK auf. „Ich habe Verständnis für Forderungen der Studierenden nach leichterem Wechsel zwischen den Hochschulen und mehr Praxisbezug“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund zeigte sich solidarisch mit den Protestierern. Nötig seien mehr staatliche Mittel für das Bildungssystem. Außerdem müssten verkürzte Schul- wie Studienzeiten überprüft werden. Dabei handele es sich vielfach um Auswüchse einer Bildungspolitik unter einem Spar-Diktat.

Netzwerk-Sprecher Tassev sagte, dies sei erst der Auftakt zu weiteren Großaktionen gegen das Bildungssystem. Mobilisiert werde für eine Kundgebung am 24. November in Leipzig, wenn dort die Hochschulrektoren tagen. Außerdem sei eine Blockade-Aktion der Kultusministerkonferenz am 10. Dezember in Bonn geplant. Dem Netzwerk Bildungsstreik gehören nach Angaben von Tassev rund 100 Initiativen an.

(Reuters)

 

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