Der einstige Linken-Gegner holte die Partei an den Kabinettstisch. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) wechselte den Partner.

Zwei, die sich ab sofort mögen müssen: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und die Linke-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Kerstin Kaiser.
Foto: AP
Potsdam. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (55) ist für weitere fünf Jahre zum Regierungschef gewählt worden. Allerdings erhielt der SPD-Politiker bei der geheimen Wahl im Potsdamer Landtag nicht alle 57 Stimmen seiner rot-roten Koalition. Für ihn stimmten 54 Abgeordnete, gegen ihn 32. An der Wahl hatten 86 der 88 Landtagsabgeordneten teilgenommen.
Fotostrecke
Die SPD in Brandenburg hatte die vergangenen zehn Jahre mit der CDU regiert. Viele Sozialdemokraten hatten aber Zweifel an deren Zuverlässigkeit. So wurde die Machtfrage in der Landes-CDU als noch nicht geklärt angesehen. Allerdings hatte sich auch in der SPD Widerstand gegen ein Regierungsbündnis mit der Linkspartei geregt.
Lange Zeit galt Platzeck als entschlossener Gegner der PDS, jetzt hat er deren Nachfolgerin Die Linke an den Kabinettstisch in Brandenburg geholt. Der als besonnen geltende Politiker hat in den vergangenen Tagen mit seinen Äußerungen für eine Versöhnung mit den Erben der SED eine heftige Diskussion ausgelöst.
Fotostrecke
1999 noch verhinderte er gegen den Willen der damaligen Sozialministerin und SPD-Ikone Regine Hildebrandt eine Koalition mit der SED-Nachfolgepartei und stellte die Weichen für eine rot-schwarze Regierung mit der CDU, die zehn Jahre hielt. Von 1990 bis 1998 war Platzeck Umweltminister im Kabinett von Manfred Stolpe und wurde in diesem Amt 1997 durch seinen Einsatz im Oder-Hochwasser als „Deichgraf“ deutschlandweit bekannt. Es folgte von 1998 bis 2002 eine Zwischenstation als Potsdamer Oberbürgermeister.
Für die Sozialdemokraten ist der kurzzeitige SPD-Bundesvorsitzende auch in Zeiten schlechter Wahlergebnisse ein Erfolgsgarant: Bei der Landtagswahl am 27. September stürzte zwar die Bundespartei ab, Platzeck und seine Landes-SPD hingegen wurden bei leichten Stimmengewinnen – sie erhielten 33 Prozent – erneut stärkste Kraft.
Zu DDR-Zeiten arbeitete der Diplom-Ingenieur auf dem Gebiet der Lufthygiene. Die Umweltverschmutzung trieb ihn zu politischem Engagement – auch gegen den herrschenden Staat. Für die DDR-Grünen saß er in der ersten frei gewählten Volkskammer. Erst 1995 trat er der SPD bei, nachdem er die Fusion von Bündnis 90 mit den westdeutschen Grünen abgelehnt hatte. (rtr/dpa/HA)













