30.06.13

Bundespräsident

Joachim Gauck auf Staatsbesuch am Rhein

Die Villa Hammerschmidt in Bonn ist nach wie vor zweiter Amtssitz des Bundespräsidenten. Am Wochenende kamen Tausende zum Tag der Offenen Tür. Aus der Nachbarschaft kam Angela Merkel vorbei.

Von Daniel Friedrich Sturm
Foto: AP

Bundespräsident zwischen zwei Damen: Joachim Gauck (M.) mit seiner Partnerin Daniela Schadt (l.) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (r.) in Bonn
Bundespräsident zwischen zwei Damen: Joachim Gauck (M.) mit seiner Partnerin Daniela Schadt (l.) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (r.) in Bonn

"Oh" und "Ah" ertönen immer wieder am Samstagnachmittag in der Villa Hammerschmidt zu Bonn. "Hmmm" und "Lecker" rufen die Besucher an der Tür zum prächtigen Speisesaal. Eine bunte Tafel ist hier aufgebaut, für 36 Personen, mit Tischkärtchen, edlen Gläsern und feinstem Nymphenburger Porzellan. "Es gibt heute ein Drei-Gang-Menü", sagt die Touristenführerin, "alles saisonal und regional", und listet auf: Krebsmousse im Gemüsemantel mit Eifeler Ziegenkäse. Sauerbraten vom Kalbsfilet mit Paradiesapfelkompott. Schokolade mit Orangen-Zabaione, dazu Eis.

Die Besucher zücken ihre Fotoapparate, und manchem läuft das Wasser im Munde zusammen – selbst, wenn die Führerin klarstellt, es handele sich nur um ein "fiktives Dinner", und außerdem habe die Villa Hammerschmidt gar keine eigene Küche: "Es gibt hier nur eine Anrichte-Küche. Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie die Tapetentür."

Zum Tag der Offenen Tür hat der Bundespräsident heute geladen. Die Villa Hammerschmidt ist nach wie vor sein zweiter Amtssitz, nach dem Berliner Schloss Bellevue. Lang ist die Schlange an der Adenauerallee, gegenüber dem Museum Koenig, in dem einst das Grundgesetz unterzeichne worden ist. Tausende sind gekommen, um die prächtige klassizistische Villa am Rhein zu besichtigen. Um über den weißen Kies, entlang von Buchsbaum und um den riesigen Springbrunnen zu flanieren. Und natürlich um den Hausherrn, um Joachim Gauck zu sehen. Doch dazu später.

Daniela Schadt schwärmt von den Rheinländern

Wenige Meter vom Eingang zur Villa steht Daniela Schadt, doch nur wenige Menschen nehmen die zierliche Lebensgefährtin des Bundespräsidenten wahr. Erst nach und nach entdecken einige Gäste die "First Freundin". Eine junge Frau geht auf Schadt zu und drückt ihr die Hand. "Oh", sagt Daniela Schadt, "Sie haben aber kalte Hände. Sie müssen sich wärmer anziehen!"

Dann plaudern die beiden Frauen. Später schwärmt Schadt vom Rheinland und den dort lebenden Menschen. "Die Rheinländer sind wunderbar. Sie sind eine Spezies für sich", sagt sie. "Eine abendliche Unterhaltung mit Rheinländern kann gar nicht langweilig sein." Gern halte sie sich in Bonn auf: "Hier zeigen sich rheinische Bescheidenheit und rheinische Gelassenheit. Die Stadt ist wunderschön, überschaubar und hat einen ganz eigenen Charme."

Claudia Burkhard versteht sich hier, im prächtigen Park vor der Villa, als Touristen-Guide. Die junge Frau studiert in Bonn, sie führt ihre Eltern über das Gelände. "Wir waren von nie hier, aber uns ist das natürlich alles bekannt. Von früher, als Bonn noch Hauptstadt war", sagt ihr Vater mit bayerischer Sprachfärbung, und es folgt ein Bekenntnis zur Tradition von vier Jahrzehnten Bundesrepublik: "Wir wollen, dass man Bonn nicht vergisst."

Auf diese Idee würde Stephan Keuck niemals kommen. Er wohnt gar nicht weit weg von hier, direkt am Rhein. "Villa Hammerschmidt und Palais Schaumburg – hier kann man den Geist der Bonner Republik erleben, die Mythen und Sagen." Ob nicht einst Helmut Kohl einst, wenige Meter von hier, im Kanzlerbungalow gewohnt habe, will der junge Mann wissen: "Das war doch Kohls Wohnzimmer, oder?"

So viel Historisierung aber ist den Bonnern gar nicht recht. Die Villa sei "kein Museum", heißt es an diesem Tag immer wieder, sie sei vielmehr mit Leben gefüllt. Dort, wo einst Papa Heuss die Queen empfing, da kann man heute heiraten. Die Stadt Bonn bietet den Empfangsaal als gehobenes Standesamt an. Bei aller Pracht weht doch ein Hauch Vergangenheit über der Villa, und genau deshalb betonen die Touristenführer von der Stadt Bonn, das der Bundespräsident "fünf- bis sechsmal im Jahr" seine Amtsgeschäfte von hier aus führe. Und, übrigens: "Der Bundespräsident hat einen Amtssitz, Ministerien haben einen Dienstsitz. Da unterscheiden wir in der Amtssprachenkunde."

"Ein Foto für die Omi zuhause" ist schwer zu ergattern

Ob sich Gauck dieses feinen Unterschiedes bewusst wird? Noch hat sich der Präsident am Samstagmittag nicht offiziell gezeigt. Es heißt aber, er halte sich bereits in der Villa auf und gleich werde sein Staatsbesuch am Rhein beginnen. "Vielleicht isst der noch zu Mittag", meint eine junge Frau in der langen Besucherschlange. "Oder er telefoniert mit Merkel", mutmaßt ihr Gegenüber. Nun aber, heißt es, werde sich Joachim Gauck gleich sehen lassen.

Ein großer Teil der Besucher versammelt sich vor der Freitreppe zum Park hin. Es herrscht ein ziemliches Gedränge, hunderte I-Phones werden zum Fotografieren präpariert. "Der Gauck ist ja ziemlich klein", meint eine Besucherin. "Die Merkel aber auch", hält ihre Freundin entgegen. Die Gäste applaudieren, während Gauck aus der Tür tritt. "Ein Foto für die Omi zuhause" verspricht er, und sogleich folgt ein Bekenntnis zu Bonn. Er wolle regelmäßig in die "Bundesstadt Bonn" kommen, sagt Gauck. Applaus. Das hört man gerne hier.

Ein Foto mit Gauck für die Omi zuhause zu ergattern, das ist heute ziemlich mühsam. Das Bad in der Menge ist beschwerlich, nicht zuletzt für den Präsidenten selbst. Gauck kämpft sich Meter für Meter voran, um dann plötzlich einen schnellen Schritt einzulegen. Die Kanzlerin hat sich angekündigt. Angela Merkel ist heute zu Gast in ihrem zweiten Amtssitz, nähert sich vom benachbarten Palais Schaumburg.

Händedruck in der Menschenmenge. Als Glückspilz im Geschiebe und Gedränge erweist sich der neunjährige Jonathan. Er sichert sich eine Unterschrift von Gauck und Merkel auf einem Blatt Papier. Strahlend rennt er mit dieser Trophäe über den sattgrünen Rasen des Präsidenten-Parks.

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