26.05.13

Terrorismus

Deutschland im Fokus tschetschenischer Islamisten?

Ein tschetschenischer Extremist soll nach Informationen russischer Geheimdienste einen Anschlag in der Bundesrepublik planen. Doch wie groß ist die tatsächliche Terrorgefahr in Deutschland?

Von Manuel Bewarder und Martin Lutz
Foto: AP
Tamerlan (links) und Dzhokhar Tsarnaev verübten im April den Anschlag auf den Bostoner Marathon. Ihre Familie stammte aus Tschetschenien – einem Land, das Geheimdiensten als Brutstätte des Terrors gilt. Nun soll es eine Warnung des russischen Geheimdienstes vor Anschlägen von Tschetschenen in Deutschland geben
Tamerlan (links) und Dzhokhar Tsarnaev verübten im April den Anschlag auf den Bostoner Marathon. Ihre Familie stammte aus Tschetschenien – einem Land, das Geheimdiensten als Brutstätte des Terrors gilt. Nun soll es eine Warnung des russischen Geheimdienstes vor Anschlägen von Tschetschenen in Deutschland geben

Der Tipp kam aus Moskau. Über mehrere Wochen hatte der Inlandsgeheimdienst FSB Telefonate von Tschetschenen abgehört. Irgendwann hatte man genug mitbekommen. Vor ein paar Tagen schließlich informierten die Russen die deutschen Sicherheitsbehörden.

Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, weihte in der vergangenen Woche dann die Innenminister von Bund und Ländern ein. Hinter verschlossenen Türen erklärte er auf der Innenministerkonferenz (IMK) in Hannover: Man habe einen ernst zu nehmenden Hinweis darauf erhalten, dass ein tschetschenischer Extremist womöglich einen Anschlag in der Bundesrepublik plane.

Der Hinweis aus Russland weckt Erinnerungen an das Attentat von Boston. Bei dem Bombenanschlag Mitte April kamen drei Menschen ums Leben; es gab über 100 Verletzte. Verübt wurde die Tat mutmaßlich von zwei Brüdern, die ursprünglich aus Tschetschenien stammten.

Zudem hatte der russische Geheimdienst auch damals im Vorfeld der Explosion auf tschetschenische Extremisten hingewiesen.

Brisant – aber kein Zusammenhang zum Finale

Wie groß ist nun also die tatsächliche Terrorgefahr in Deutschland, die von Tschetschenen ausgeht? Am Samstagmorgen, nur wenige Stunden vor dem Finale der Champions League, gab es einen Bericht von "Spiegel online", wonach aufgrund der Warnung aus Russland bundesweit der Schutz der Fanmeilen verstärkt wurde. Doch offenbar waren diese Meldungen überdreht und stimmten so nicht.

Bald schon meldete sich Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zu Wort: "Es gibt derzeit keine Hinweise auf Anschlagspläne oder Anschlagsziele in Deutschland", lautete das offizielle Statement aus seinem Haus. Auf die Warnung Zierckes ging er dabei nicht ein.

Die Wahrheit liegt wohl auch zwischen den ersten Medienberichten und dem Statement Friedrichs. Denn Ziercke bekam aus Russland Informationen, die durchaus brisant sind – mit dem Finale der Champions League aber nichts direkt zu tun haben.

Nach Informationen der "Welt" aus Sicherheitskreisen wies Moskau auf einen Islamisten hin, der sich in Deutschland aufhält und von den Sicherheitsbehörden beobachtet wird. Möglicherweise könnte dieser zudem Verstärkung aus dem Ausland erhalten.

Gewaltaktion in Westeuropa

Nach Angaben der "Bild" hat der russische Inlandsgeheimdienst FSB in den vergangenen Wochen Telefonate zwischen Tschetschenen im Kaukasus und Tschetschenen in Europa abgehört. Demnach wurden zwei Tschetschenen aus Frankreich und einer in Deutschland bei den Gesprächen aus dem Kaukasus aufgefordert, nach Syrien zu reisen, um sich den islamistischen Rebellen im Kampf gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad anzuschließen.

Zuvor sollten sie aber noch in Westeuropa eine Gewaltaktion durchführen, heißt es weiter. Dabei wurden Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland und Luxemburg als mögliche Anschlagsziele genannt.

Der nun in den Blickpunkt der Behörden geratene Tschetschene gehört offenbar zu der radikal-islamischen Gruppierung Kaukasisches Emirat. Sie hat in Deutschland rund 200 zumeist tschetschenische Anhänger.

Nachdem BKA-Chef Ziercke die Innenminister am Freitag informiert hatte, wies der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, die Ressortchefs auf die mögliche Gefahr hin, die von in Deutschland lebenden Tschetschenen ausgeht.

Liste von 120 Personen

Bereits nach dem Anschlag von Boston hatte Maaßen in einem Interview mit der "Welt" auf Gefahrenpotenziale in Deutschland durch Terroristen aus dem Kaukasus hingewiesen. "Wir beobachten unter anderem die in Deutschland lebenden etwa 200 Anhänger des Kaukasischen Emirats", sagte Maaßen damals.

"Die Aufklärung ihrer Aktivitäten hat für uns eine hohe Priorität. Wir schauen dabei vor allem auf die mögliche Terrorismusfinanzierung und die Gefahren, die dadurch entstehen, dass erfahrene Kämpfer aus dem Kaukasus nach Deutschland geschleust werden."

Insgesamt stufen die Sicherheitsbehörden in Deutschland laut "Bild" derzeit rund 500 Tschetschenen als "extremistisch in ihrer Grundhaltung" ein. Zudem wird ein Tschetschene in Deutschland als "Gefährder" betrachtet.

Er steht demnach auf der streng geheimen Liste der 120 Personen, die "Straftaten von erheblicher Bedeutung begehen könnten" und ständig von den Sicherheitsbehörden überwacht würden. Drei weitere Tschetschenen würden zudem als "auffällige Personen" geführt.

Quelle: Reuters
24.05.13 1:01 min.
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