27.02.13

Pannen-Airport

Umweltamt will für BER Nachtflug-Verbot

Jeder zweite Deutsche fühlt sich durch Lärm belästigt. Umweltamts-Chef Flasbarth unterstützt darum ein Nachtflug-Verbot für den neuen Hauptstadtflughafen. Allerdings soll das nicht bundesweit gelten.

Von Claudia Ehrenstein
Foto: dpa

Lärm in der Nacht: In der Dunkelheit landet eine Passagiermaschine
Lärm in der Nacht: In der Dunkelheit landet eine Passagiermaschine

Lärm ist ein ganz besonderer Schadstoff. Er wirkt lokal, dafür aber nahezu flächendeckend. Jeder zweite Deutsche fühlt sich durch Lärm gestört oder belästigt. Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamts (Uba), warnt denn auch davor, das Lärmproblem zu bagatellisieren.

"Lärm ist die am stärksten unterschätzte Umweltbelastung", sagte Flasbarth bei der Vorstellung des Jahresberichts seiner Behörde am Mittwoch in Berlin. Der Lärmschutz ist ein Schwerpunkt des Amtes in diesem Jahr.

Flasbarth forderte die Politik auf, die Bevölkerung besser vor Lärm zu schützen. So empfiehlt das Uba für stadtnahe Flughäfen wie den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld ein Flugverbot von 22 bis sechs Uhr. Dafür macht sich unter dem Druck eines Volksbegehrens der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) stark.

Rot-Rot hat für entsprechende Regelung gestimmt

Und auch der rot-rote Landtag in Potsdam hat jetzt für eine entsprechende Regelung gestimmt. Bislang war lediglich geplant, Start und Landungen zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens zu verbieten. Ein generelles Nachtflugverbot lehnt Flasbarth jedoch ab. "Ganz ohne Nachtflüge kommt ein Industrieland wie Deutschland nicht aus", sagte Flasbarth. Um aber die Belastungen für Anwohner zu minimieren, müssten sich bundesweit die Flughäfen untereinander besser abstimmen.

Bei der individuellen Bewertung von Lärm spielen zwar auch subjektive Kriterien eine Rolle. Was die einen als angenehm empfinden, ist für andere viel zu laut. Doch inzwischen zeigen Studien die objektiven Wirkungen der Lärmbelastung. So stört nächtlicher Lärm den Schlaf. Der Körper produziert mehr Stresshormone und erhöht damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Lärmbelästigung führt zu Bluthochdruck

Dauerhafte Lärmbelastung, so haben die Studien gezeigt, kann Bluthochdruck zur Folge haben. Schon bei einer nächtlichen Dauerbelastung mit einem Lärmpegel von 40 Dezibel steigt das Risiko für einen Herzinfarkt, zitiert der Uba-Bericht eine Schweizer Studie. Ob Lärm gesundheitliche Schäden verursacht, hängt davon ab, wie lange er wirkt. Tagsüber kann ein Mensch mehr Geräusche ertragen als während der Nachtruhe.

Blätterrauschen entspricht zehn Dezibel, ein tickender Wecker kommt auf 30 Dezibel. Ein Radio auf Zimmerlautstärke erreicht etwa 60 Dezibel, ein Düsenflugzeug ist mit 120 Dezibel doppelt so laut. Für das Uba geht es nicht mehr um die Frage, ob Lärm krank macht, sondern um das Ausmaß.

Lärm beeinträchtigt die Sprachentwicklung von Kindern, behindert Lesefähigkeit und Gedächtnisleistung. Die gesundheitlichen Schäden durch Lärm ziehen erhebliche finanzielle Aufwendungen nach sich. Die EU-Kommission schätzt, dass allein der Verkehrslärm jedes Jahr europaweit Kosten in Höhe von rund 40 Milliarden Euro verursacht, heißt es im Bericht.

In Deutschland leiden 54 Prozent der Bevölkerung unter Straßenlärm, rund ein Drittel beklagt sich über Schienenlärm, und rund 20 Prozent klagen über Fluglärm. Der Straßenlärm hängt dabei entscheidend von der Beschaffenheit der Reifen und des Fahrbahnbelags ab. Sogenannter Flüsterasphalt mindert den Lärm um zwei bis vier Dezibel.

Mehr Rollgeräusche durch Geschwindigkeit

Mit der Geschwindigkeit nehmen jedoch die Rollgeräusche zu und sind deutlich lauter als die Motoren. Umgekehrt sinkt der Lärmpegel mit der Verringerung der Geschwindigkeit. Das Uba empfiehlt, nicht nur auf Nebenstraßen, sondern auch in "lärmsensiblen Abschnitten" von Hauptverkehrsstraßen häufiger Tempo 30 einzuführen.

Eine vermeidbare Lärmquelle beim Schienenverkehr sind die alten, besonders lauten Graugussbremsklötze der Güterwaggons. Flasbarth forderte die Bundesregierung auf, die Umstellung auf geräuschärmere Kunststoffbremsen stärker als bisher zu fördern.

Doch nicht nur der Verkehrslärm ist ein Problem. In Wohngebieten sind Gartengeräte oft eine erhebliche Lärmquelle. Rasenmäher etwa dürfen daher an Sonn- und Feiertagen grundsätzlich nicht eingeschaltet werden, auch in den Nachtstunden von 20 bis sieben Uhr ist ihr Betrieb verboten. Die besonders lauten Laubbläser müssen zudem die Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr einhalten und dürfen schon ab 17 Uhr nicht mehr zum Einsatz kommen.

Das Uba will jetzt im Rahmen des Umweltzeichens Blauer Engel Anreize schaffen, weniger lärmende Gartengeräte zu entwickeln. Zum ohrenbetäubenden Laubbläser aber gibt es schon jetzt eine leise und praktische Alternative: den guten alten Besen.

Foto: ©Disney

So sieht die Doppelseite im Comic aus, in dem es um eine Berlin-Reise des Duck-Clans geht – und um eine lustige Veräppelung des pannengeplagten Großflughafens BER.

12 Bilder
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  • Passagiere

    Der Flughafen Berlin Brandenburg, der den Beinamen Willy Brandt trägt, soll die Nummer drei in Deutschland hinter Frankfurt und München werden. Er ist anfangs für bis zu 27 Millionen Fluggäste jährlich ausgelegt, ein Ausbau auf bis zu 45 Millionen ist genehmigt.

  • Termine

    Der 27. Oktober 2013 ist bereits der vierte Eröffnungstermin, der nicht eingehalten wird. Es gibt Planungsfehler und Baumängel vor allem bei der Brandschutzanlage.

  • Alternativen

    Der Neubau im brandenburgischen Schönefeld nahe der Berliner Stadtgrenze soll die bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld sowie den bereits geschlossenen Flughafen Tempelhof ersetzen.

  • Kosten

    Bauherren sind die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund. Die kalkulierten Kosten stiegen seit Baubeginn im Jahr 2006 von 2,0 Milliarden auf zuletzt 4,3 Milliarden Euro. dpa

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