27.02.13

Bundesmarine

"Mongos" - Marine-Soldaten attackieren Vorgesetzten

Vier Marine-Soldaten sollen auf dem Schnellboot "Hermelin" einen Vorgesetzten angegriffen und festgebunden haben. Marine-Inspekteur Axel Schimpf lässt "mit gegebener Härte" ermitteln.

Von Simone Meyer
Foto: dpa

Das Marine-Schnellboot „Hermelin“ – hier in seinem Heimathafen Rostock zu sehen – ist derzeit vor der Küste des Libanon im Einsatz
Das Marine-Schnellboot "Hermelin" – hier in seinem Heimathafen Rostock zu sehen – ist derzeit vor der Küste des Libanon im Einsatz

36 Mann auf einem Boot, das nur 57 Meter lang und knapp acht Meter breit ist – und das 2500 Kilometer von zu Hause entfernt. Da mag manch einer schon mal die Nerven verlieren.

Auf dem Marine-Schnellboot "Hermelin", das seit Juni 2012 vor der libanesischen Küste im Einsatz ist, müssen sich jedenfalls vier Soldaten während eines Streits so über einen Vorgesetzten geärgert haben, dass sie ihn schließlich mit Tape und Spanngurt auf einem Tisch festbanden und einen Spruch aufs Bein malten.

Gegen die vier Unteroffiziere, Dienstgrad Obermaat, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Rostock – "wegen des Verdachts eines tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten", wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr mitteilte.

Ausländerfeindlicher Hintergrund ausgeschlossen

"Derartige Fälle dulde ich nicht in unserer Marine", sagte der oberste Vorgesetzte, Inspekteur Axel Schimpf, der "Welt". "Deswegen wird nun mit der gegebenen Härte ermittelt."

Intern seien sofort die nötigen Konsequenzen gezogen worden. "Ich habe volles Vertrauen in die jeweiligen Disziplinarvorgesetzten, die sich mit dem Fall nun beschäftigen", sagte der Vizeadmiral. Einen ausländerfeindlichen Hintergrund schloss er aus. Bei dem angegriffenen Bootsmann handelt es sich um einen Deutschen thailändischer Herkunft.

Der Vorfall ereignete sich bereits Mitte Februar in Beirut, wo das Schnellboot S73 "Hermelin" im Hafen lag. Die vier beschuldigten Soldaten sollen dem gefesselten Bootsmann, in der Hierarchie über ihnen angesiedelt, aufs Bein geschrieben haben: "Hier wohnen die Mongos."

Nach Informationen der "Welt" soll das Wort "Mongo" aber weniger als Schimpfwort für einen Asiaten benutzt worden sein denn als Synonym für "Depp" oder "Idiot".

Beschuldigte Soldaten in Warnemünde

Der Wachoffizier an Bord soll dann eingeschritten sein und den Vorfall beendet haben. Am 22. Februar sei der Vorgang bereits an die Staatsanwaltschaft übergeben worden, teilte das Einsatzführungskommando mit.

Die vier beschuldigten Soldaten sind inzwischen aus dem Auslandseinsatz zurückgeholt worden. Sie erledigen nun ihren Dienst in Warnemünde.

Das Schnellboot S73 "Hermelin" beteiligt sich seit Sommer 2012 am Unifil-Einsatz vor der Küste des Libanon, um Waffenschmuggel zu unterbinden und die Seewege zu kontrollieren.

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