04.01.13

Pannenprojekt in Berlin

Studie heizt Streit um Hauptstadtflughafen neu an

Er ist noch längst nicht eröffnet, doch können überhaupt alle Passagiere problemlos abgefertigt werden? Ein Gutachten nährt Zweifel.

Foto: dapd
Flughafen Berlin-Brandenburg "Willy Brandt"
Baufahrzeuge und Baucontainer stehen in Schönefeld vor dem Terminal des Flughafens Berlin-Brandenburg Willy Brandt (BER). Der Bau des Airports gilt inzwischen als politisches wie auch planerisches Desaster und steht bundesweit exemplarisch für ausufernde Kosten bei öffentlichen Grossbauten

Berlin. Knapp zehn Monate vor der geplanten Eröffnung des Hauptstadtflughafens kommen wieder Zweifel auf, ob er groß genug sein wird. Ein Gutachten warnt nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung vor möglichen Engpässen bei Gepäckausgabe, Abfertigung und Sicherheitskontrollen. Nach Darstellung der Flughafengesellschaft bestätigt die Studie hingegen "ausreichende Abfertigungsreserven" unter der Voraussetzung, dass der Betrieb aktiv kontrolliert und gesteuert werde.

Die acht Gepäckbänder seien "für die Verkehrslast der Wintersaison 2013 nur eingeschränkt ausreichend, da keinerlei Systemreserven zur Verfügung stehen", zitierte die Zeitung am Freitag aus dem Gutachten der Beratungsfirma Airport Research Center (ARC) in Aachen. Wenn nur ein Band ausfalle, könne das zum Chaos führen. Die Betreibergesellschaft entgegnete: "Die Kapazität der Gepäckbänder ist bei entsprechender Disposition ausreichend." Zugleich will sie jedoch vorsorgen: "Direkt nach Eröffnung können im Bedarfsfall zusätzliche Gepäckausgabebänder realisiert werden", hieß es.

Die ARC-Studie wurde laut Flughafen von der Geschäftsführung in Auftrag gegeben. ARC untersuche in regelmäßigen Abständen die Kapazität des neuen Airports auf Basis der angemeldeten Flüge. Bei ARC stand am Freitag niemand für eine Auskunft zu den Ergebnissen der Studie zur Verfügung. Deshalb ist nicht klar, von welcher Passagierzahl die Gutachter ausgehen. Der neue Flughafen ist ohne Ausbaustufen für bis zu 27 Millionen Passagiere gedacht. Im vorigen Jahr waren es an den beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld zusammen rund 25 Millionen.

In der ARC-Studie heißt es laut "Bild"-Zeitung auch, dass an einem Spitzentag "nicht genügend Schalter als Ausfall- und Dispositionsreserve zur Verfügung" stünden. Dagegen nennt der Flughafen als wesentliche Erkenntnis der Analyse, dass die Anzahl der Check-in-Schalter für die Wintersaison 2013 ausreichend sei.

Nach dreimaliger Terminverschiebung soll der Flughafen in Schönefeld bei Berlin am 27. Oktober in Betrieb gehen. Über dessen Kapazität wird nicht zum ersten Mal diskutiert. Erst im November hatte Ex-Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa in einem Gutachten für die Brandenburger CDU-Fraktion bemängelt, es gebe zu wenige Abfertigungsschalter und Gepäckausgabebänder.

CDU-Fraktionschef Dieter Dombrowski forderte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Freitag auf, die Studien ernst zu nehmen. "Dass im Aufsichtsrat und in der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft keine Fachleute sitzen, hat nun jeder zur Kenntnis nehmen können", sagte Dombrowski.

(dpa)
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