04.01.13

Beisetzung von Peter Struck

"Er war ein Glücksfall für die Demokratie"

Ergreifender Abschied und viele Tränen bei der Trauerfeier für den verstorbenen Ex-Verteidigungsminister Peter Struck in Uelzen.

Von Ludger Fertmann
Foto: dapd

Ehrenwache für Peter Struck in der St.-Marien-Kirche in Uelzen. Die Beisetzung findet auf Wunsch der Angehörigen im engsten Familienkreis statt

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Uelzen. Das große Schwarz-Weiß-Foto im Altarraum zeigte Peter Struck schmunzelnd. Und wie zu seinen Lebzeiten war auch in diesem Moment nicht ganz klar, wie viel Ironie im seinem Blick lag ob der Szene: Mit einer großen militärisch geprägten Trauerfeier in der St.-Marien-Kirche in Uelzen hat Deutschland Abschied genommen von dem früheren sozialdemokratischen Bundesverteidigungsminister Struck. Aber die drei Reden spiegelten vor allem die Erinnerung an einen Menschen, der vorbildhaft war in Direktheit, Ehrlichkeit und Pflichtgefühl.

Der mächtige Sarg mit der deutschen Flagge und die großen Kränze standen in der gotischen Kirche ein Stück weit im Schatten der hoch aufragenden Christbäume, geschmückt mit Sternen.

Mit erst 69 Jahren ist Struck am 19. Dezember an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben. Die erste halbe Stunde der Trauerfeier gehörte der Familie, erst danach gingen die Scheinwerfer an und leuchteten die Szene aus für die dann folgende Live-Übertragung im Fernsehen mit Admirälen und Generälen als Totenwache und viel Politikprominenz wie den Altkanzlern Helmut Schmidt, Gerhard Schröder, aber auch dem Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU), amtierenden Bundes- und Landesministern und praktisch der kompletten SPD-Prominenz mit dem Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

Alle Redner erinnerten an das manchmal burschikose Auftreten des leidenschaftlichen Motorradfans und Pfeifenrauchers, der selbst nie Soldat war und der 2002 von Bundeskanzler Schröder lautstark überredet werden musste, als Nachfolger des glücklosen Rudolf Scharping das Kommando auf der Hardthöhe in Bonn zu übernehmen. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) war Hochachtung, aber auch Nähe anzumerken, als er dem Quereinsteiger bescheinigte: "Er ist in seiner Amtszeit Teil der Bundeswehr geworden, und er ist es geblieben." Natürlich zitierte auch de Maizière den Satz, mit dem Struck für Furore sorgte, als er den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan notwendig nannte, weil Deutschlands Freiheit eben auch am Hindukusch verteidigt werde: "Damit ist es Peter Struck gelungen, die zähe politische Debatte über dieses Thema zu beleben."

Und er erinnerte auch daran, wie schwer Struck an seiner Verantwortung getragen habe: "Er musste als erster deutscher Verteidigungsminister seit dem Zweiten Weltkrieg gefallene Soldaten zu Grabe tragen." Und dann sagte de Maizière ganz ohne Pathos den Satz, der in der dreischiffigen Kirche nachhallte: "Peter Struck hat sich um sein Vaterland verdient gemacht."

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier erinnerte ausführlich nicht nur an den Verteidigungsminister Struck, sondern er hob vor allem auf dessen Arbeit als SPD-Fraktionschef ab, seine demokratische und auf Ausgleich angelegte Grundüberzeugung: "Verteidigungsminister war ihm vielleicht das liebste, aber Parlamentarier war ihm das höchste Amt." Er sei als Fraktionschef im Bundestag gewieft gewesen und erfahren. Aber er habe nie getrickst: "Er war etwas, was selten geworden ist im politischen Betrieb, jemand, auf den man sich verlassen kann, Peter Struck war ein Glücksfall für unsere Demokratie."

Und die seltene Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen sogar als Brücke von der politischen Ebene hinüber zur Bundeswehr, bescheinigte ihm dann auch noch der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan. Der erinnerte sich, wie sehr es Struck aufwühlte, "wenn die Würde der Soldaten verletzt wurde".

Und was nun die in den Medien ständig wiederholten Vokabeln angeht, er sei raubeinig gewesen - Schneiderhan rückte solche und ähnliche Vokabeln in seiner sehr persönlichen Ansprache zurecht: "Das war nur eine Schablone, die er als Schutzmauer brauchte angesichts seiner großen Sensibilität, dieser Mann war ganz nahe am Wasser gebaut."

Keiner verglich bei dieser Trauerfeier den Toten mit anderen Ministern, seien es Vorgänger oder Nachfolger. Aber Schneiderhan kam dem sehr nahe, als er beinahe unter Tränen daran erinnerte, wie bei einer Kommandeurstagung die Abberufung des Ministers bekannt wurde und die Elite der Bundeswehrführung sich erhob und applaudierte: "Das ist nicht alltäglich in unseren Kreisen." Als Schneiderhan 2009 geschasst wurde im Zusammenhang mit der Kundus-Affäre in der Amtszeit des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), wusste auch Struck keinen anderen Rat für den scheidenden Generalinspekteur, als ihm das Du anzubieten, was diesen ehrte: "Ich kann dir auch nicht helfen, aber ich bin der Peter."

Nach der Trauerfeier warteten rund 600 Menschen im Nieselregen vor der Kirche und verfolgten, wie das Wachbataillon Struck die letzte Ehre erwies, das Heeresmusikkorps spielte. "Ich hatt einen Kameraden", intonierte der Solotrompeter, auch bei diesem Teil des Ehrengeleits hielten sich Strucks Angehörige abseits. Die Beisetzung erfolgte im engsten Familienkreis.

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