24.11.12

Medienbericht

NSU-Bombenanschlag: Hinweise von Experten ignoriert?

Laut Bericht haben Behörden beim Anschlag der NSU in Köln Hinweise von Profilern auf einen rechtsextremen Hintergrund ignoriert.

Foto: dapd
Bundesanwaltschaft erhebt Anklage im "NSU"-Verfahren
Polizisten untersuchen in Koeln-Mühlheim die Trümmer einer Bombenexplosion (Foto vom 9. Juni 2004)

Köln. Die nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden haben laut WDR beim Nagelbombenanschlag in Köln konkrete Hinweise auf einen rechtsextremistischen Hintergrund ignoriert. Das berichtet das WDR-Politmagazin "Westpol" unter Berufung auf vertrauliche Unterlagen der Ermittlungsbehörden. Danach hatten Experten von Landes- und Bundeskriminalamt – sogenannte Profiler – schon kurz nach dem Anschlag im Juni 2004 mit 22 Verletzten auf ein ausländerfeindliches Motiv hingewiesen. Sachverständige des Bundesverfassungsschutz hätten zudem Parallelen zu einem Sprengstoffanschlag in London aufgezeigt, der von Rechtsextremisten verübt worden war.

Kölner Polizei und NRW-Innenministerium entschieden aber laut WDR, "diese Spuren nicht mit Nachdruck zu verfolgen und Erkenntnisse über einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Öffentlichkeit systematisch zu verschweigen". Das Innenministerium habe das Landeskriminalamt bereits wenige Stunden nach der blutigen Tat angewiesen, den Fall nicht weiter als "terroristischen Anschlag" einzustufen. Die Ermittler gingen stattdessen von organisierter Kriminalität aus. Die Polizei widersprach den Vorwürfen.

Für den Anschlag vor einem türkischen Frisörsalon in der Kölner Keupstraße wird das NSU-Terrortrio verantwortlich gemacht, dem auch zehn Morde zugeschrieben werden. Eine Sprecherin der Polizei betonte: "Wir sind natürlich damals sämtlichen Spuren nachgegangen, auch rechtsterroristischen Spuren." Die Ermittlungsansätze seien hier aber nicht ausreichend gewesen, um zum Erfolg zu führen. Die Polizei habe mit "großer Intensität und Ernsthaftigkeit" ermittelt.

Der frühere NRW-Innenminister Fritz Behrens (SPD) hatte sich am Donnerstag im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages für "fatale Fehleinschätzungen" entschuldigt, aber keine konkreten persönliche Versäumnisse eingeräumt. Der Unions-Obmanns im Ausschuss, Clemens Binninger, kritisierte, dass weder Behrens noch der damalige Ministerpräsident Peer Steinbrück – heutiger SPD-Kanzlerkandidat - sich zu dem Anschlag öffentlich geäußert hätten. Die WDR-Sendung sollte am Sonntag um 1930 ausgestrahlt werden.

(dpa)
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