Streit um religiöse Beschneidungen

Zentralrat will Ausbildung von Beschneidern institutionalisieren

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Ethikrat hatte sich am Donnerstag für eine gesetzliche Erlaubnis von Beschneidungen mit einer Vorschrift zur Betäubung ausgesprochen.

Berlin. Nach der Sitzung des Ethikrates zum Thema Beschneidung hat der Zentralrat der Juden in Deutschland heute mitgeteilt, dass er die Ausbildung von jüdischen Beschneidern ("Mohalim") im Rahmen der Rabbinerseminare institutionalisieren will. Es müsse eine organisatorische Form gefunden werden, die auch künftig einheitliche religiöse und medizinische Standards garantiere, erklärte Zentralrats-Vizepräsident Josef Schuster am Freitag.

Der Verband sei deshalb mit dem Hildesheimer'schen Rabbinerseminar in Berlin und dem Abraham Geiger Kolleg in Potsdam im Gespräch. Man hoffe, in Kürze erste Ergebnisse vorlegen zu können. Ein Kölner Gericht hatte die bei Juden und Muslimen übliche Beschneidung kleiner Jungen verboten. Seither ist ein Streit um das religiöse Selbstbestimmungsrecht entbrannt.

Im Streit um religiöse Beschneidungen von Jungen hatte sich im Deutschen Ethikrat eine Mehrheit für eine gesetzliche Erlaubnis mit Betäubungsvorschrift abgezeichnet. In einer öffentlichen Sitzung des Beratergremiums von Bundestag und Bundesregierung sprachen sich am Donnerstag Juristen, Theologen und Mediziner für eine solche rechtliche Regelung aus. Auch der jüdische Vertreter im Ethikrat, der Medizinprofessor Leo Latasch, zeigte sich offen für lokale Betäubungen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) reagierte entsetzt.

(Mit Material von dpa)

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