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Deutschland

Entführungsdrama im Jemen

Deutsche Geiseln riefen per Handy um Hilfe

Liefen sie naiv in ihr Unglück? Die Geiselopfer im Jemen sollen vergessen haben, den Wüsten-Trip anzukündigen. Ein Arzt sagt: Sie wurden erschossen, nicht verstümmelt.

Jemeniten der Houthi-Bewegung demonstrierten für die Opfer der Geiselnahme.
Foto: DPA

Sanaa/Berlin. Die Behörden im Jemen haben sechs Tage nach Beginn des blutigen Geiseldramas den ausländischen Entführungsopfern Unvorsichtigkeit vorgeworfen. Die dem Verteidigungsministerium nahestehende Zeitung „26. September“ schrieb, die Deutschen, die Südkoreanerin und der Brite hätten vor ihrem Ausflug am vergangenen Freitag die Direktion des Dschumhuri-Krankenhauses in der Stadt Saada, wo sie beschäftigt waren, informieren müssen.

Das Blatt berichtete unter Berufung auf einen Lokalpolitiker, der Geländewagen der Entführer sei in einem Gebiet gesichtet worden, das von den Rebellen des Schiiten-Führers Abdulmalik al-Houthi kontrolliert werde. Die Houthi-Bewegung hatte zuvor jede Beteiligung an dem Verbrechen abgestritten und erklärt, sie wolle sich selbst an der Suche nach den Geiseln und ihren Entführern beteiligen. Die Geiseln sollen noch während des Überfalls der Kidnapper per Handy einen verzweifelten Hilferuf abgesetzt haben. Das berichtete die Zeitung „Yemen Times“ unter Berufung auf einen Informanten in der Provinz Saada. Nach Angaben der Zeitung riefen sie eine jemenitische Krankenschwester in Saada an, die danach sofort die lokalen Behörden und die Anführer der schiitischen Houthi-Rebellen, die jeweils Teile der Provinz kontrollieren, informiert haben soll.

Die Krankenschwester, die zusammen mit den Deutschen im Dschumhuri-Krankenhaus arbeitete, soll berichtet haben, die Deutschen hätten ihr gesagt, sie würden von den Fremden „drangsaliert“. Laut dem Bericht wurde die Gruppe während eines Ausflugs zu einem Bauernhof in der Ortschaft Gharas von drei bewaffneten bärtigen Männern überfallen, die ihnen mit ihrem Geländewagen den Weg versperrten.

relatedlinksDie beiden deutschen Pflegehelferinnen und die südkoreanische Lehrerin wurden von den Entführern vermutlich schon kurz nach dem telefonischen Hilferuf erschossen. Ein jemenitischer Arzt, der die Leichen gesehen hat, sagte der Zeitung, die Frauen, die am Montag tot in einem Flusstal gefunden wurden, seien bereits drei Tage zuvor erschossen worden. Der Arzt widersprach Medienberichten, nach denen die Frauen von den Mördern verstümmelt worden sein sollen. Sie seien mit mehreren Schüssen getötet worden – möglicherweise als sie zu fliehen versuchten. dpa/HA

 

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