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Deutschland

Zufallsfund zu Mord an Benno Ohnesorg

Stasi-Fall Kurras: Birthler verteidigt sich

Wie viele DDR-Spione arbeiteten in der Bundesrepublik? Die Stasi-Aktenbeauftragte ist unter Druck. Und der Buback-Sohn nährt neue Spekulationen um den RAF-Terror.

Die Stasi-Unterlagenbeauftragte Marianne Birthler.
Foto: REUTERS

Berlin/Hannover. Die Stasi-Akten-Beauftragte Marianne Birthler hat den Vorwurf zurückgewiesen, ihre Behörde vernachlässige die Erforschung der Spionagetätigkeit des DDR-Geheimdienstes in Westdeutschland. „Die Tatsachen ergeben ein völlig anderes Bild“, sagte sie bei der Vorstellung des Tätigkeitsberichts ihrer Behörde für die vergangenen zwei Jahre. Die Westarbeit der Stasi habe „schon immer einen hohen Stellenwert“ in der Forschungsarbeit ihrer Behörde gehabt und sei „wahrscheinlich am intensivsten bearbeitet worden“. Es gebe acht umfangreiche Publikationen dazu, allein in den vergangenen beiden Jahren seien 172 Forschungs- und Medienanträge bearbeitet worden.

Die Birthler-Behörde war zufällig auf siebzehn Aktenordner gestoßen, die den ehemaligen Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras, der 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hat, als inoffiziellen Stasi-Mitarbeiter entlarven. Namhafte Wissenschaftler hatten daraufhin die Arbeit der Birthler-Behörde kritisiert und gefordert, die Forschungsarbeit an das Bundesarchiv zu delegieren. Dass rund 6000 Bundesbürger für die Stasi spionierten, ist spätestens seit 2004 bekannt. Ursprünglich war sogar von 20 000 solchen Spitzeln die Rede. Doch wurden viele Westdeutsche, die als „Inoffizielle Mitarbeiter mit Arbeitsakte“ (IMA) geführt wurden, ohne ihr Wissen abgeschöpft.

Auch der Sohn des 1977 ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback hat Nachforschungen zu möglichen Stasi-Verwicklungen in den Tod seines Vaters gefordert. „Ich habe schon als Junge gedacht, meinen Vater holt mal die Stasi“, sagte Michael Buback der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Buback war am 7. April 1977 unter bis heute ungeklärten Umständen von einem Kommando der Roten Armee Fraktion (RAF) ermordet worden. Bubacks Sohn verwies nun auf Ermittlungen seines Vaters zu Spionage-Aktionen in Westdeutschland: „Mein Vater hat sich sein Arbeitsleben lang mit Landesverrat und Spionage befasst. Wenn man ihm ans Leder wollte, dann deshalb“, sagte Michael Buback. Sein Vater ermittelte unter anderem in der Affäre um den DDR-Spion Günter Guillaume, die 1974 zum Rücktritt von Bundeskanzler Willy Brandt führte. HA

 

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