Islamismus: Militante brechen Abkommen mit Islamabad
Pakistan verliert Geduld - Offensive gegen Taliban
Im Februar hatte der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari ein Abkommen mit den radikalislamischen Taliban-Milizen geschlossen, das im Westen auf einstimmige Empörung stößt.
Foto: AP
Islamabad/Hamburg. Im Februar hatte der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari ein Abkommen mit den radikalislamischen Taliban-Milizen geschlossen, das im Westen auf einhellige Empörung gestoßen war: Die Regierung in Islamabad überließ den Taliban das Swat-Tal im Nordwesten des Landes und stellte - nach etlichen militärischen Fehlschlägen - die Bekämpfung der militanten Islamisten in der Gegend ein. Und die Taliban versprachen im Gegenzug, ihren Vormarsch einzustellen. Doch die Taliban dachten nicht daran, ihre Zusage einzuhalten; kaum hatten sie ihre Herrschaft mitsamt der grausamen islamischen Scharia-Rechtsprechung im Swat-Tal fest installiert, da marschierten Taliban-Einheiten in den benachbarten Distrikt Buner ein, plünderten Gebäude aus und terrorisierten dort die Menschen. Buner liegt nur noch gut 90 Kilometer von Pakistans Hauptstadt Islamabad entfernt. Auch weitere Provinzen wurden von den Radikalislamisten bedroht.
Es war der Weckruf für die pakistanische Armee, die inzwischen mit einer Offensive mit Bodentruppen, Artillerie und Kampfhubschraubern im unteren Dir-Distrikt begonnen hat, der an das Swat-Tal grenzt. Die Gefechte sind erbittert, mindestens 70 Taliban und mehrere pakistanische Paramilitärs sind in den vergangenen zwei Tagen dabei ums Leben gekommen. Zehntausende Zivilisten sind auf der Flucht vor den Kämpfen. "Genug ist genug", sagte Rehman Malik, Chefberater im Innenministerium, zum unabhängigen Fernsehsender Geo. "Das Friedensabkommen war an den Frieden gekoppelt"; fügte Malik hinzu, "aber wenn es keinen Frieden gibt, dann haben wir auch keine Verwendung für das Abkommen. Ich appelliere an die Taliban, die Waffen niederzulegen. Sie haben gar keine andere Option."
Der den Taliban zugerechnete Geistliche Maulana Sufi Mohammed, der das Abkommen mit der Regierung ausgehandelt hatte, brach die Gespräche mit der pakistanischen Regierung aus Protest gegen die Offensive ab.
Ein Sprecher der Taliban, Muslim Khan, bezeichnete das Friedensabkommen für das Swat-Tal bereits als "wertlos". Ein anderer Sprecher der Militanten, Amir Izzat, sagte hingegen, die Gespräche mit der Regierung seien nur für die Dauer der Offensive unterbrochen.
Nach Angaben der "New York Times", die sich auf eine Quelle in der pakistanischen Regierung berief, ist die gegenwärtige Offensive nur die Vorbereitung zu einer Großoffensive, die in den kommenden Tagen folgen soll.
Ein weiterer geistlicher Führer der Taliban, Maulana Shah Doran, rief die Militanten in der Region dazu auf, sich auf den "Heiligen Krieg" vorzubereiten.
Pakistan war von der US-Regierung mehrfach gedrängt worden, die Taliban zurückzuwerfen. Pakistan gilt als Ursprung und Rückzugsraum der Taliban und des Terrornetzes al-Qaida. Im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet wird auch das Versteck von Al-Qaida-Führer Osama Bin Laden vermutet. US-Präsident Barack Obama hat eine neue Strategie für Afghanistan und Pakistan entwickeln lassen, ("Afpak"), die auch US-Militäreinsätze gegen militante Islamisten in Pakistan vorsieht.




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