Kenia: Erschütternder Bericht der Familie
Briten folterten Obamas Großvater
Grausige Details der Haftzeit von Hussein Onyango Obama dürften Obamas Bild von den Briten weiter trüben.
Foto: Matt Dunham
Hamburg/London. Die USA und Großbritannien verbinden bekanntlich enge historische Bande, geprägt vor allem durch die gemeinsame Sprache und die koloniale Vergangenheit. Diese "spezielle Beziehung", die auch der frühere britische Premier Tony Blair und US-Präsident George W. Bush noch aus Leibeskräften pflegten, könnten in der Ära Obama einen empfindlichen Dämpfer erhalten.
Wie die Londoner "Times" schrieb, sei bisher jede Erwähnung der Briten in den Schriften des künftigen US-Präsidenten negativ belastet. Barack Obama, dessen Vater aus Kenia stammte, kann den Briten nämlich ihre Gräueltaten während der Kolonialzeit nicht verzeihen.
Dass sein Großvater Hussein Onyango Obama in britischer Haft saß, findet bei Obama zwar kurz Erwähnung. Doch es sei unsicher, ob er über die grausigen Haftumstände im Falle seines Großvaters im Bilde gewesen sei, schrieb die "Times". Die kenianische Familie, voran Großmutter Sarah Onyango (87), hat nun darüber ausgepackt. Und es ist kaum vorstellbar, dass diese erschütternden Erzählungen Obamas Meinung von den Briten positiv beeinflussen werden.
Danach war Hussein Onyango Obama Koch in Diensten der britischen Armee, als sich der Mau-Mau-Aufstand ankündigte, eine Rebellion vor allem des Kikuyu-Volkes gegen die britische Kolonialherrschaft. Die Kämpfe dauerten von 1952-57; der Aufstand wurde schließlich von den Briten mit brutaler Härte niedergeschlagen. 63 Europäer starben, aber bis zu 50 000 Kikuyu, Luo und Angehörige anderer Stämme.
Obamas Großvater wurde bereits 1949 verhaftet, als sich die Revolte abzeichnete; er saß dann zwei Jahre lang im Hochsicherheitsgefängnis Kamiti außerhalb von Nairobi. Wie die Witwe des 1979 verstorbenen Mannes sagt, wurde er von seinem weißen Arbeitgeber beschuldigt, mit Aufrührern Kontakt zu haben.
Kamiti sei ein "Todeslager" gewesen, berichtete Frau Onyango, viele Insassen seien gestorben. "Die weißen Soldaten wiesen die Wärter an, Onyango Obama jeden Morgen und jeden Abend auszupeitschen, damit er gestehe." Alle zwei oder drei Tage seien dann britische Soldaten gekommen, um ihn grausam zu foltern. Mit einer besonderen Vorrichtung habe man seine Hoden gequetscht. Diese sogenannte "Kastrationszange" ist auch aus anderen Häftlingsberichten bekannt und wurde von der Harvard-Historikerin Caroline Elkins, die für ihre Aufarbeitung des Mau-Mau-Aufstandes den Pulitzer-Preis erhielt, beschrieben worden.
Auch habe man Onyango Obama die Fingernägel durchbohrt oder den gefesselten Häftling mit langen Nadeln gestochen. "Zu dieser Zeit wurde uns klar, dass die Briten keine Freunde, sondern Feinde waren", sagte "Granny Sarah", wie Frau Onyango genannt wird.
Ihr Mann sei nach zwei Jahren Haft schwer gezeichnet gewesen und habe die Briten zeitlebens gehasst. Er habe seit der Zeit in Kamiti nicht mehr richtig laufen können und sei mit 56 Jahren bereits ein Greis gewesen. Dabei habe er noch Glück gehabt - denn einige seiner Zellengenossen seien kurzerhand mit Keulen erschlagen worden. Viele Häftlinge seien nie wieder aufgetaucht. Bis zu 90 000 Schwarze wurden von den Briten in Haft genommen. Die Bedingungen in den Gefängnissen hätten "alles in den Schatten gestellt, was ich in viereinhalb Jahren als Kriegsgefangener der Japaner erlebt habe", berichtete der weiße Polizist Duncan McPherson der früheren britischen Abgeordneten Barbara Castle.
Unter den Gefangenen war nicht nur Obamas Großvater; auch sein Vater Barack Obama senior wurde später eingesperrt - allerdings nur für ein paar Tage. Einer der Häftlinge war ein Mann namens Jomo Kenyatta. Nach der Unabhängigkeit der Kolonie im Jahre 1963, zu der der Mau-Mau-Aufstand wesentlich betrug, wurde er der erste Präsident Kenias.




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