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Ausland

Verletzte bei Demonstration

Tschechiens Ultrarechte gegen Roma

Am Rande einer rechtsextremen Demonstration gegen Roma sind in Tschechien mindestens 14 Menschen verletzt worden. Im nordböhmischen Litvinov...


Foto: PETR JOSEK

Litvinov. Am Rande einer rechtsextremen Demonstration gegen Roma sind in Tschechien mindestens 14 Menschen verletzt worden. Im nordböhmischen Litvinov (Oberleutensdorf) hatten sich am Montagnachmittag rund 500 Anhänger der ultrarechten Arbeiterpartei versammelt, um in ein Roma-Viertel im Ortsteil Janov (Johnsdorf) zu marschieren.

Nach mehreren rassistischen Reden griffen die Demonstranten die rund tausend Polizisten an, die den Weg zur Siedlung der Roma abgesperrt hatten. Sie warfen mit Brandsätzen und Pflastersteinen und setzten einen Polizeiwagen in Brand. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Am Ende waren sieben Demonstranten und sieben Polizisten verletzt. 15 Demonstranten wurden in Gewahrsam genommen.

In Litvinov ist die Situation ähnlich wie in vielen anderen Städten des nordböhmischen Braunkohlereviers. Roma, die einst relativ gut in die Gesellschaft integriert waren, wurden im Zuge des Kohleabbaus aus ihren ehemaligen Wohngebieten in eigene Viertel umgesiedelt. Das trug zur Gettoisierung bei. Nach der politischen Wende 1989/90 zählten die Roma zu den Verlierern. Sie sind am meisten von Arbeitslosigkeit betroffen. Schätzungen reichen von 70 bis 90 Prozent. Die Hälfte der Roma-Kinder wird in Sonderschulen geschickt, allein wegen ihrer Herkunft, ohne entsprechende Tests. Das führte schon zu Klagen von Eltern vor dem Europäischen Gerichtshof - wo sie auch recht bekamen. Die tschechische Bevölkerung hält den Roma übermäßige Kriminalität vor und versucht sie auszugrenzen. Traurige Berühmtheit erlangte dabei Ende der 90er-Jahre die "Mauer von Usti" (Aussig), die ein Roma-Viertel von der übrigen Stadt abtrennte und nach internationalen Protesten abgerissen wurde.

Die tschechische rechtsextremistische außerparlamentarische Nationale Partei (NS) bietet Roma an, ihnen Flugkarten ins Ausland zu bezahlen, falls sie sich schriftlich verpflichten, nicht mehr nach Tschechien zurückzukehren. Die NS reagierte damit auf Berichte, dass tschechische Roma massenweise nach Kanada ausreisen und dort um Asyl ansuchen, nachdem das nordamerikanische Land die Visapflicht für Tschechien abgeschafft hatte.

Nach Schätzungen sind 300 000 der 10,3 Millionen Einwohner Tschechiens Roma. Offiziell bekennen sich allerdings nur 23 000 zu ihrer Herkunft.eni

 

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