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Ausland

USA: Letztes Fernsehduell der Kandidaten vor der Präsidentschaftswahl

Hitzige Debatte - McCain stürzte ab

Beim Streit um die Finanzpolitik wirkte der Republikaner angespannt. Oft sprach er von "Joe the Plumber".


Foto: Reuters

Hamburg/Washington. Am Ende klopften sich Barack Obama und John McCain gegenseitig auf die Schultern. Das einhellige Urteil der beiden Politiker: "Good job" (Gut gemacht). Doch dann passiert das, was den bisherigen Verlauf des Wahlkampfes wie in einem Brennglas fokussiert: Der Republikaner McCain stolpert, fällt fast von der Bühne und kann sich nur mit Mühe und unkontrolliert Grimassen schneidend hinter dem uneinholbar vor ihm laufenden Demokraten Obama halten. Das Rennen scheint gelaufen.

Doch ist es das wirklich? Zuvor hatten sich beide Kandidaten knapp drei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in den USA am 4. November ihren bislang härtesten Schlagabtausch zu innenpolitischen Themen geliefert. Das dritte TV-Duell galt als McCains letzte Chance, gegen den demokratischen Kandidaten noch entscheidend zu punkten. Entsprechend angriffslustig legte er los, als sich die beiden ab drei Uhr deutscher Zeit jeweils gegenseitig eine falsche Wirtschafts-, Bildungs-, Energie- und Steuerpolitik vorwarfen und ihre eigene Reformbereitschaft betonten. Trotz aller Schärfe in der Sache bemühten sich beide über gut 90 Minuten in der Hofstra University in Hempstead, 30 Kilometer östlich von New York City, aber um einen ruhigen Ton.

Letzter Schlagabtausch

Mehr zum US-Präsidentschaftswahlkampf finden Sie hier.

McCain beschuldigte Obama, er sei "gegen freien Handel und will Steuererhöhungen".

Immer wieder sprach der Vietnam-Veteran McCain von "Joe the Plumber" (Joe, der Klempner), dem Handwerker aus Toledo (US-Bundesstaat Ohio) und typischen Repräsentanten der amerikanischen Mittelschicht, dem es zu helfen gelte. Um Obamas Vorschläge ins Lächerliche zu ziehen, lobte McCain gleichzeitig häufig die Rhetorik seines Konkurrenten.

Der wirkte in der Tat eloquenter und konzentrierter. Beim Thema Bildung zählte er vier Punkte auf, auf die es ankomme: frühkindliche Erziehung, mehr und besser bezahlte Lehrer, erschwinglicher College-Besuch, Appelle an die Verantwortung der Eltern. Unter der Leitung des CBS-Journalisten Bob Schieffer gab es bei den Diskutanten keine Gefühlsausbrüche. Beide unterstrichen ihre Worte mit sparsamen Gesten und blickten konzentriert in die Kamera und damit via Bildschirm direkt in die Gesichter der Amerikaner.

Beide Kandidaten klagten wiederholt über den aggressiven Tonfall der Gegenseite in Wahlwerbespots der vergangenen Wochen. McCain rief Obama auf, sein Verhältnis mit dem 60er-Jahre-Radikalen William Ayers zu klären. "Herr Ayers hat nichts mit meinem Wahlkampf zu tun", antwortete Obama. McCain wies seinerseits den Vorwurf der Demokraten von sich, politisch nahebei Präsident George W. Bush zu liegen. "Wenn Sie gegen Präsident Bush hätten antreten wollen, dann hätten Sie vor vier Jahren antreten sollen", sagte er.

Zum Abschluss der Debatte waren sich beide Kandidaten einig, dass die USA in sehr schwierigen Zeiten stecken. McCain versprach, die USA als Präsident in eine neue Richtung zu führen. Obama sagte, Demokraten, Republikaner und auch Unabhängige müssten eng zusammenarbeiten, um den "Geist der Erneuerung" zu wecken.

Das Fernsehduell ist zu Ende - und Obama hat seine Führung ausgebaut. Würde der US-Präsident schon jetzt gewählt, könnte er einer Umfrage von Reuters/C-Span/Zogby zufolge mit 49 Prozent der Stimmen rechnen. Für McCain würden 44 Prozent stimmen. Laut CNN meinten 70 Prozent der Zuschauer, Obama habe sympathischer gewirkt, 22 Prozent fanden McCain gewinnender. Doch wirklich gewählt wird erst am 4. November.

Filme zum US-Präsidentschaftswahlkampf

 

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