Gefangenenaustausch: Schiitenmiliz übergibt Leichen israelischer Soldaten
Trauer in Israel, Triumph der Hisbollah Tränen bei der Familie
Familien getöteter Soldaten danken deutschem Vermittler. Terrorist Kuntar im Libanon mit Jubelfeier begrüßt.
Tel Aviv/Beirut. Israel und die libanesische Hisbollah haben mit dem Austausch von Gefangenen und Leichen das letzte Kapitel des Libanonkrieges geschlossen. Zwei Jahre nach dem Waffengang übergab die Schiitenmiliz am Grenzübergang Rosch Hanikra die sterblichen Überreste der beiden israelischen Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser. Im Gegenzug ließ Israel den Top-Terroristen Samir Kuntar sowie vier Hisbollah-Kämpfer frei.
Außerdem sollten die sterblichen Überreste von 199 Libanesen und Palästinensern übergeben werden. Dem in Israel sehr umstrittenen Austausch waren monatelange schwierige Verhandlungen unter deutscher Vermittlung vorausgegangen.
Für die Angehörigen der beiden toten israelischen Soldaten wurden die schlimmsten Befürchtungen wahr. "Es war schrecklich", schluchzte Zvi Regev, der Vater des Soldaten Eldad. "Ich wollte es nicht sehen." Er habe seine Freunde gebeten, den Fernseher abzuschalten. Israelische Sender übertrugen jeden Moment des Gefangenenaustauschs live.
Ehud Goldwassers Vater Schlomo sagte, der Anblick der Särge sei ein bitterer Moment gewesen: "Wir haben uns keinen Illusionen hingegeben, aber wir haben bis zum letzten Moment gehofft." Beide Familien dankten ausdrücklich dem von den Vereinten Nationen beauftragten deutschen Vermittler Gerhard Conrad für dessen Bemühungen. Die Angehörigen hätten sich mehrmals heimlich mit ihm getroffen, sagte ein Sprecher der Familien, Schmulik Elgrabli. Die Bundesregierung würdigte den Austausch als politisch und humanitär wichtigen Schritt. Zugleich bedauerte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg zutiefst, dass die beiden israelischen Soldaten tot sind. Steg sprach den Familien sein Mitgefühl aus.
Der nach rund drei Jahrzehnten Haft in Israel freigelassene Top-Terrorist Samir Kuntar ist bei seiner Rückkehr in den Libanon mit einer Jubelfeier empfangen worden. "Ich bin glücklich, wieder zu Hause zu sein", sagte der 45-Jährige zu Tausenden Hisbollah-Anhängern am Grenzübergang Nakura.
Als Kuntar und vier ebenfalls frei gelassene Hisbollah-Kämpfer libanesischen Boden betraten, salutierte eine Ehrengarde der Hisbollah. Der israelische Regierungssprecher Mark Regev kritisierte die Feierlichkeiten im Nachbarland Libanon scharf. "Samir Kuntar ist ein brutaler Kindermörder, und wer ihn als Helden feiert, tritt die grundlegenden Werte des menschlichen Anstands mit Füßen", sagte Regev. Kuntar ist für den Tod von fünf Israelis, darunter zwei kleinen Mädchen im Alter von zwei und vier Jahren, verantwortlich.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas beglückwünschte die Familien der fünf Libanesen zur Freilassung. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah kündigte eine Festrede an. Sami Abu Suhri, Sprecher der radikalislamische Hamas-Organisation sagte, der Häftlingsaustausch sei der Beweis, dass die Entführung von israelischen Soldaten der beste Weg sei, um Gefangene aus israelischer Haft freizubekommen. Die Hamas hält seit zwei Jahren den israelischen Soldaten Gilad Schalit in ihrer Gewalt. Palästinenser im Gazastreifen verteilten aus Freude über den Austausch Süßigkeiten.
Die Freilassung Kuntars und der anderen vier Männer hatte sich über Stunden in die Länge gezogen, weil israelische Experten zuerst zweifelsfrei die Identität von Goldwasser und Regev bestätigen wollten. Eine DNA-Analyse brachte dann traurige Gewissheit. Die Entführung der Soldaten am 12. Juli 2006 hatte den Libanonkrieg ausgelöst. Ihr Schicksal blieb aber trotz des Militäreinsatzes mit Hunderten Toten ungeklärt. Die Regierung in Jerusalem ging zwar vom Tod der beiden Soldaten aus, die Hisbollah hat das aber nie bestätigt. Wie und wann die beiden getötet wurden, war zunächst noch unklar.




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