Wie deutsche Agenten den Durchbruch in Nahost erreichten
Hamburg. Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat es nicht leicht. Seit Jahren häufen sich die Skandale um den Auslandsgeheimdienst, gegen die er sich nach Kräften wehrt. Immer wieder geht es um Vertuschungen, Mauscheleien und Bespitzelungen. Gestern war das alles vergessen, gestern war ein guter Tag für den BND. Ohne die erfolgreiche Diplomatie des deutschen Geheimdienstes hätte es den Gefangenenaustausch zwischen Israel und Hisbollah nicht gegeben. Das gestand Anfang des Monats selbst Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah ein. Im Auftrag des Uno-Generalsekretärs Ban Ki-moon gelang den deutschen Vermittlern in mühsamer Kleinarbeit, woran bisher offizielle Diplomatie gescheitert war.
Auch wenn es die Geheimdienstler naturgemäß nicht an die Öffentlichkeit drängt, genießen sie seit gestern das Lob und die Anerkennung, die automatisch auch international ein gutes Licht auf die Bundesregierung wirft. Den Geheimdienstlern gelang es, mit diesem Austausch eine fast 20-jährige deutsche Vermittlungstradition in Nahost erfolgreich fortzuführen. Inzwischen ist es eine "enge verschworene Gruppe", wie es heißt, die sich im BND um diese Vermittlungen kümmert. BND-Präsident Ernst Uhrlau selbst hat darin viel Erfahrung. Vor gut vier Jahren gelang dem damaligen Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt die Vermittlung eines spektakulären Austausches von 429 palästinensischen Gefangenen gegen drei tote israelische Soldaten sowie den drei Jahre lang als Geisel festgehaltenen Geschäftsmann Tennenboim. Ein Teil des Austauschs wurde über den Kölner Flughafen abgewickelt - während Uhrlau selbst als Faustpfand in den Händen der Hisbollah blieb.
Über die israelischen Medien erhielt gestern der aktuelle Erfolg schnell einen Namen: Gerhard Conrad - oder eben "Mr. Hisbollah". Ban Ki-moon machte ihn zum "Faciliator", zu jemandem, der für Erleichterung sorgen, der eine Lösung suchen soll. Der Mann, der fließend Arabisch, Französisch und Englisch sprechen soll, kennt Syrien, Beirut und Jerusalem mit ihren jeweiligen Machthabern und Geheimdiensten wie die berühmte Westentasche. In den vergangenen 18 Monaten gelang es ihm immer wieder die schon totgesagten Gespräche über die Auslieferung der israelischen Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev in Gang zu bringen. 700 000 Flugkilometer legte er dafür zurück. Rückendeckung und Unterstützung wird er von Uhrlau gehabt haben. Schon 2004 sollen die beiden ein Team gewesen sein.
Mit Nasrallah verhandelte auch schon einer von Uhrlaus Vorgängern als Geheimdienstkoordinator, Bernd Schmidbauer, in den 90er-Jahren. Er übernahm die Aufgabe vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, der vom israelischen Ministerpräsidenten Izchak Rabin persönlich darum gebeten worden war. Schmidbauer gelang 1996 der Austausch von 45 Hisbollah-Gefangenen und 123 Gefallenen gegen zwei tote israelische Soldaten sowie 20 mit Israel verbündete Kämpfer. Auch das galt als "Meisterleistung".



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