Sonntag, 27. Mai 2012, 22:23

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Ausland

Gipfeltreffen: Die G8-Nationen befassen sich vor allem mit dem Hunger in der Welt

Getreide-Notreserve für arme Länder

Während sich Europa und Asien Sorgen machen, den Tank zu füllen, kämpfen andere Länder darum, die Mägen zu füllen.

Toyako. "Der Hunger ist auf die politische Agenda zurückgekehrt." Was das International Food Policy Research Institute so nüchtern feststellt, wird auch den G8-Gipfel 2008 maßgeblich beschäftigen. Die Versorgung der Bevölkerungen mit bezahlbarer Nahrung bereitet vielen Regierungen schon heute schlaflose Nächte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht die globale Sicherheit bedroht und ruft ihre G8-Kollegen zum Handeln auf.

Jeden Tag hungern weltweit 850 Millionen Menschen. Und jedes Mal, wenn die Preise für das tägliche Essen weltweit um einen Prozentpunkt steigen, sind 16 Millionen Menschen zusätzlich vom Hunger bedroht. Weltbank-Präsident Robert Zoellick bat die Gruppe der G8 eindringlich, etwa zehn Milliarden US-Dollar (6,3 Milliarden Euro) zu geben, um die größte Not zu lindern. "Es ist eine von Menschen geschaffene Katastrophe."

Die jahrelang stabilen Preise für Reis, Mais und Weizen sind explodiert. Nach Angaben der Weltbank stiegen sie in den vergangenen Jahren um bis zu 181 Prozent. Schwere Unruhen waren die Folge, in Haiti, Kamerun, Mauretanien, dem Senegal und der Elfenbeinküste starben Hunderte Menschen. Gründe für den Preisanstieg: das Bevölkerungswachstum, der steigende Wohlstand vieler Asiaten mit veränderten Essgewohnheiten, Spekulationen an den Rohstoffmärkten und ein wachsender Anbauflächenbedarf für sogenannte Energiepflanzen (Biosprit).

Der wachsende Wohlstand in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien wird zu einer Art entwicklungspolitischem Bumerang. In Brasilien hat sich der Fleischkonsum seit Mitte der 80er-Jahre verdoppelt, in China mit seinen 1,3 Milliarden Menschen fast verdreifacht. Problem: Sieben bis acht Kilo Getreide werden benötigt, um ein Kilo Fleisch zu produzieren. Getreide, das für Brot fehlt.

Beim Thema Biosprit wählt Zoellick harte Worte: "Während sich viele in Europa und Asien Sorgen machen, wie sie ihren Tank füllen, kämpfen andere im Rest der Welt darum, ihre Mägen zu füllen." In den USA geht bereits ein Drittel der Maisernte in die Produktion von Biosprit. Die USA - größter Getreideproduzent der Erde - subventionieren Ethanol mit 7,3 Milliarden Dollar. Weltweit hat sich die Ethanolproduktion zwischen 2000 und 2007 verdreifacht. Bis 2017 wird sie sich abermals verdoppeln, und zwar auf 127 Billionen Liter. Der Maispreis könnte Berechnungen zufolge bis 2020 um weitere

25 Prozent steigen, betroffen sind wiederum vor allem die armen Länder. Auch Ölsaaten und Zucker werden noch teurer.

Angesichts dieser Daten will Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem G8-Gipfel für einen Aktionsplan gegen den Hunger werben. Sie sieht in der Nahrungsmittelkrise eine Gefahr für den Weltfrieden. Und die G8 - USA, Kanada, Japan, Russland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Deutschland - wollen eine Getreide-Notreserve für arme Staaten aufbauen, über die im Bedarfsfall Getreide in die Märkte gepumpt werden kann, um die Preise zu stabilisieren.dpa

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus