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Ausland

Russland: Heute pompöse Amtsübergabe an Dmitri Medwedew

Putins Zögling wird Präsident

Schon im Juni will Medwedew zu Besuch nach Berlin kommen und Kanzlerin Angela Merkel treffen.

Moskau/Berlin. Dmitri Medwedew hat es geschafft: Mit 42 Jahren tritt er das Präsidentenamt in Russland an. In einer pompösen Zeremonie übernimmt er heute in Moskau den Posten von Wladimir Putin, der nach zwei Amtszeiten gemäß Verfassung ausscheiden muss. Gestern wurde auch bekannt, dass Medwedew im Juni nach Berlin kommen will. Wie ein Regierungssprecher in Berlin mitteilte, werde über den genauen Termin noch verhandelt. Medwedew werde Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler treffen.

Zur Amtsübergabe im Kreml werden heute nach Medienberichten rund 2000 Gäste erwartet. Putin soll morgen von der Duma zum neuen Regierungschef gewählt werden. Seine Bestätigung durch das Parlament gilt als sicher, da die von ihm geführte Kremlpartei Geeintes Russland über eine Zweidrittelmehrheit in der Duma verfügt. Um eine verbotene Demonstration von Regierungskritikern zu verhindern, zog das Innenministerium gestern Abend in Moskau Tausende Sicherheitskräfte zusammen. Die Gruppe "Anderes Russland" sagte einen Protestmarsch ab.

Bisher setzte Medwedew als Wunschkandidat seines mächtigen Vorgängers alles daran, seinem Vorbild nachzueifern. Im In- und Ausland erwarten sich viele von Medwedew einen frischeren, moderneren Stil und ein eigenständiges politisches Profil. Ob Medwedew dies gelingt oder ob seine Amtsführung eine "Putin light"-Version wird, ist offen. "Er gehört einer anderen Generation an", sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice im Dezember.

Im Gegensatz zu Putin gebe sich Medwedew mit seiner Schwäche für Yoga, Sushi und westliche Rockgruppen eher offen und trendbewusst, schrieb die russische Ausgabe des Magazins "GQ". Ein sanfteres Image zeigte auch eine kürzliche Fotostory der Zeitung "Komsomolskaja Prawda": Die Fotos zeigten Medwedew beim Fußballspielen mit seinem zwölfjährigen Sohn Ilia, nach einem Kinobesuch mit seiner Frau Swetlana und beim einsamen Eisfischen in Sibirien. Putin wurde als Präsidentgerne im Cockpit eines Kampfflugzeugs, als Reiter und mit durchtrainiertem Körper beim Judo abgelichtet.

Wie Putin stammt der 1965 geborene Medwedew aus St. Petersburg, wo er als Mittelschicht-Kind in einem Arbeiterviertel aufwuchs. Nach dem Jurastudium spezialisierte er sich auf Wirtschaftsfragen und lehrte an der Universität von St. Petersburg. 1991 bis 1995 arbeitete er im Rathaus der Stadt im Ausschuss für Auswärtige Beziehungen, der vor allem für ausländische Investitionen zuständig ist. Sein Vorgesetzter war damals Putin.

Schon als Putin nach dem Rücktritt des damaligen Präsidenten Boris Jelzin Ende 1999 zum mächtigsten Mann Russlands aufstieg, war Medwedew mit von der Partie. Er leitete erfolgreich Putins Wahlkampftruppe. Noch im Wahljahr 2000 stieg Medwedew zum Vize-Stabschef auf. Als Kreml-Vertreter in der Führung des Gazprom-Konzerns war er auch maßgeblich an der Umstrukturierung des Energieriesen beteiligt und wurde später Vorsitzender des Gazprom-Aufsichtsrats. 2005 wurde Medwedew zum stellvertretenden Ministerpräsidenten für die wichtigen Ressorts Gesundheit, Wohnungsbau und Bildung ernannt.

Seine Nominierung zum Kandidaten der Kreml-Partei Einiges Russland im Dezember galt als Sieg der Liberalen über die "Silowiki", die Geheimagenten und Militärs, mit denen Putin bisher für gewöhnlich Schlüsselfunktionen besetzt hatte. Medwedew selbst sagte einmal, er wolle Putins "Werk vollenden, ohne etwas kaputt zu machen".

"Er hat alle Chancen, ein eigenständiger Präsident zu werden, wenn er einen politischen Willen hat", sagt der Liberale Boris Nemzow, der unter Jelzin Vize-Ministerpräsident war. Die Mehrheit der Russen ist offenbar der Meinung, dass Medwedew unter Putins Fuchtel stehen wird: Laut einer Umfrage des Lewada-Zentrums gehen zwei Drittel der Russen davon aus, dass Putin als Regierungschef den Präsidenten Medwedew kontrollieren werde.AFP/dpa

 

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