Bali: Am Ende wurde es hitzig und emotional - US-Delegationschefin isoliert
Tränen auf dem Klimagipfel
Den Chef des Uno-Klimasekretariats übermannte es, und die US-Gesandte musste am Ende entnervt aufgeben.
BALI. Zuletzt ging es fast drei Tage und Nächte lang nonstop. Übermüdete Minister hetzten bei der Weltklimakonferenz auf Bali in Sitzungen und steckten die Köpfe zusammen. Das Klima erhitzte sich. Nach 13 Tagen Marathon-Verhandlungen hing eine Einigung bis zur letzten Minute am seidenen Faden. Da lenkte in einer an Dramatik kaum mehr zu überbietenden Schlusssitzung die völlig isolierte US-Delegationsleiterin Paula Dobriansky doch noch ein: "Wir werden uns nach vorn bewegen und an dem Konsens beteiligen." Das war die Einigung. Riesenjubel im Plenarsaal: Das Bali-Mandat stand.
Die meisten Delegationen feierten die Einigung im tropischen Konferenzort Nusa Dua als Erfolg. Es stand viel auf dem Spiel, die Augen der Welt waren auf die rund 11 000 Konferenzteilnehmer gerichtet.
Im Kampf gegen den Klimakollaps wurde ein Verhandlungskollaps gerade noch einmal abgewendet. "Alle drei Punkte, die ich im Ergebnis wollte, sind da: der Start von Verhandlungen, eine Tagesordnung und ein Enddatum", sagte der Chef des Uno-Klimasekretariats, Yvo de Boer, nach dem Kraftakt geschafft, aber zufrieden.
Der 53 Jahre alte Niederländer schonte sich selbst am wenigsten bei den zermürbenden Verhandlungen. Aber als er sich von den Chinesen Vorwürfen ausgesetzt sah, das Geschehen nicht zu überblicken, war es zu viel. De Boer wollte sich entschuldigen, dass er von einer parallelen Sitzung nichts gewusst habe, verlor die Kontrolle, legte die Hände vors Gesicht, kämpfte gegen Tränen und verließ das Podium. "Ein Zeichen der Menschlichkeit in einer Welt der Technokraten", kommentierte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) den Gefühlsausbruch.
"Es war eine der dramatischsten Runden in der 15-jährigen Klimaschutz-Geschichte", sagte Christoph Bals, Klima-Experte der Umweltorganisation Germanwatch. Eben auch, weil die in zwei aufeinanderfolgenden Nachtsitzungen mühsam erarbeiteten Kompromisse in den Schlussstunden noch einmal zu zerfallen drohten.
US-Verhandlerin Paula Dobriansky setzte auf die Karte Risiko und torpedierte einen in letzter Minute eingebrachten indischen Änderungswunsch am Schlussdokument. Doch sie pokerte zu hoch. Keiner folgte ihr - die sonstigen Verbündeten wie Kanada oder Australien schwiegen, die Japaner blieben vage. Der Delegierte aus Papua-Neuguinea stellte die Amerikaner an die Wand. "Wenn ihr nicht führen wollt, geht aus dem Weg." Die USA waren völlig isoliert - und gaben auf.



100. Geburtstag
Axel Springer

Branchenbuch Hamburg




Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




