Diktatoren im Internet-Zeitalter
Birma und die Macht der Bilder
Kommentar
Das Gestöhne ist ja gern groß, wenn es um die moderne Medienwelt geht. Überflutung, Überreizung, Verlust der Privatsphäre sind Schlagwörter, die gern in diesem Kontext verwendet werden. Ist ja auch was dran. Internet und Fotohandys ermöglichen es, laufend dabei zu sein. In Echtzeit. Wie jetzt, in Birma.
Es ist nicht das erste Mal, dass dort die Mönche auf die Straße gehen. Doch wer erinnert sich noch, wie das vor 20 Jahren war? Und welchen Umfang hatte damals die Berichterstattung? Moderne Technologie, von Terrorgruppen genutzt, um weltweit Propaganda und Schrecken zu verbreiten, wird auch zum kaum lösbaren Problem der Diktaturen dieses Planeten.
Denn nichts müssen Unterdrücker mehr fürchten als Öffentlichkeit. Deshalb kappt die Junta in Birma derzeit alle Internetverbindungen und schießt gezielt auf Fotografen. Zu spät, die Bilder und Nachrichten sind heraus und den Fokus der Weltöffentlichkeit auf das Land gerichtet. Sie zwingen die Menschen und Medien in westlichen Länder, sich mit Regimes und Katastrophen zu befassen, die in eher abgelegenen Teilen dieser Welt zu finden sind. Auch Wegsehen ist nicht mehr so einfach.
Die Bilder und unmittelbaren Nachrichten im Web entlarven Robert Mugabe und Ahmadinedschad als die Lügner, die sie sind. Sie geben Dissidenten, Widerstandsgruppen und dem Protest eine Plattform, auf die jeder weltweit zugreifen kann.
Selbstverständlich wäre es naiv anzunehmen, moderne Informationstechnologie allein könne Diktaturen beseitigen. Doch Birma zeigt, dass es für uns alle schwieriger geworden ist, derartige Konflikte einfach zu übersehen und zur Tagesordnung überzugehen.



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