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Ausland

Drei tote Soldaten in Afghanistan

In der Falle von Kundus

Kommentar

Die Irakisierung Afghanistans ist keine Entwicklung, die über Nacht am Hindukusch hereingebrochen ist. Das Land ist ethnisch zersplittert, religiös polarisiert, politisch gelähmt. Und die Steinzeit-Islamisten der Taliban erleben ein glänzendes Comeback. Stetig ist die Zahl der Anschläge auf Afghanen wie Alliierte gestiegen. Da war es grob fahrlässig, die Bundeswehrsoldaten in Kundus weiter im Glauben zu lassen, ihr ziviler Auftrag zum Wiederaufbau des Landes minimiere die Gefahrenlage. Wer wie die Taliban Frauen und Kinder ermordet, der unterscheidet nicht zwischen den deutschen zivilen Helfern und den amerikanischen oder britischen militärischen Kämpfern. Dem ist auch gleichgültig, ob eine Tornado-Entsendung das Mandat verändert. Der tötet in seinem Wahn alle "Ungläubigen".

Der verheerende Selbstmordanschlag, bei dem in Kundus drei Bundeswehrsoldaten getötet worden sind, muss nun zu einer ehrlichen sicherheitspolitischen Debatte führen. Warum ist es nicht gelungen, beim Aufbau der Zivilgesellschaft die Herzen und Köpfe der befreiten Menschen zu gewinnen? Welche Ziele werden am Hindukusch verfolgt? Wie hoch ist der Preis? Und wann wird Afghanistan wieder den Afghanen überlassen, im Guten wie im Schlechten?

Es ist dabei keineswegs pietätlos, diese Fragen angesichts der Morde von Kundus zu stellen. Die Bundesregierung ist im Gegenteil jenen Soldaten, die vor Ort täglich ihr Leben riskieren, aber auch den Hinterbliebenen Antworten schuldig. Niemand sollte sich damit zufriedengeben, wenn stattdessen lediglich über die Ausstattung der Truppe, etwa mit Kampfpanzern, gestritten wird. Auch das wäre indirekt ein Eingeständnis, dass die Bundeswehr in Kundus in der Falle sitzt.

 

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