Anschlag: Die Bundeswehr suchte stets engen Kontakt zu den Afghanen
Diesmal war die Nähe tödlich
Die Deutschen besuchten den Markt in Kundus, um Kühlschränke zu kaufen - ohne besonderen Schutz. Das nutzte der Attentäter aus.
KUNDUS. Es ist kurz nach zehn Uhr morgens, als zehn deutsche Soldaten, ein Polizist und ein Übersetzer zum Einkaufen auf den Markt in Kundus fahren. Kühlschränke sind zu beschaffen für das deutsche Lager. Theoretisch könnte die Bundeswehr solche Dinge aus dem fernen Deutschland einfliegen. Aber man will die regionale Wirtschaft ankurbeln, Kontakt mit den Menschen suchen, für deren Schutz und politische Ordnung man sich zuständig fühlt.
Gerade der enge Kontakt zur afghanischen Bevölkerung zeichnet die Soldaten in den Augen der Einheimischen aus. Diesmal war er tödlich. Es sind vier Soldaten der Wehrverwaltung, sechs Kameraden sollen sie schützen, die ihre gesicherten Dingo-Fahrzeuge verlassen. "Als sie am Attentäter vorbeigingen, hat er sich in die Luft gesprengt und hat die Soldaten getötet", berichtet Verteidigungsminister Franz Josef Jung Stunden später in Potsdam. Drei Bundeswehrangehörige und acht Afghanen sterben. 21 Menschen, darunter fünf Bundeswehrangehörige, werden verletzt.
Jung bekräftigt, dass sich der Anschlag offenbar gezielt gegen die Schutztruppe Isaf gerichtet habe. Ob unbedingt die Deutschen gemeint waren, bezweifelt er aber. Gegen Selbstmordattentäter gebe es keinen hundertprozentigen Schutz. Gestern starben bei einem weiteren Attentat gegen US-Soldaten im Osten des Landes 14 Menschen.
Dennoch hält die Bundesregierung am Afghanistan-Einsatz fest. Man werde weiter helfen, betont Kanzlerin Angela Merkel und verurteilt den perfiden Mord. Auch alle Parteien im Bundestag zeigen sich bestürzt. Zwei schwer und zwei leicht verletzte Deutsche waren gestern auf dem Rücktransport nach Deutschland. Sie sollten am späten Abend in Köln-Wahn eintreffen und hier im Krankenhaus weiter versorgt werden. Ein Leichtverletzter blieb in Kundus. Die Toten sollen mit einer Trauerfeier Mitte der Woche in Köln geehrt werden. Sie stammten aus Schleswig-Holstein, Hessen und Nordrhein-Westfalen. In Afghanistan bekannten sich die Taliban zu dem Selbstmordanschlag. Die Generalbundesanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein.




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