Sonntag, 27. Mai 2012, 22:20

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Ausland

Atom: Teheran legt nach

Will der Iran 20 Bomben im Jahr bauen?

Atomchef sagt, man wolle nicht nur 3000, sondern 50 000 Zentrifugen zur Urananreicherung installieren. Experten bezweifeln die Angaben.

TEHERAN/WIEN. Ungeachtet internationaler Kritik hat der Iran im Atomstreit noch einmal nachgelegt. Der Chef der nationalen Atombehörde, Gholam-Resa Aghasadeh, kündigte an, die Führung in Teheran habe vor, nicht nur 3000, sondern 50 000 Zentrifugen zur Urananreicherung in der Atomanlage in Natans zu installieren. Am Vortag hatte Präsident Mahmud Ahmadinedschad mit seiner Erklärung, der Iran sei nun zur Produktion von angereichertem Uran "im industriellen Maßstab" in der Lage, international heftige Kritik ausgelöst.

Aghasadeh sagte der Nachrichtenagentur Irna, die Installation der Zentrifugen werde kontinuierlich fortgesetzt, bis alle 50 000 in Betrieb seien. Das würde nach Schätzungen von US-Experten zur jährlichen Produktion von über 20 Atombomben befähigen. "Wenn wir sagen, wir haben mit der Anreicherung im industriellen Maßstab begonnen, dann meinen wir, dass es keinen Weg zurück gibt", erläuterte Aghasadeh.

Inspekteure der Wiener Atombehörde IAEO trafen unterdessen im Iran ein, um erneut Atomanlagen zu kontrollieren, wie aus Kreisen der Internationalen Atomenergie-Organisation verlautete. Ali Laridschani, der Sekretär des auch für Atomfragen zuständigen iranischen Sicherheitsrates, hatte angedeutet, dass in Natans bereits 3000 Gaszentrifugen für die Urananreicherung in Betrieb seien. Nach den Worten des EU-Außenbeauftragten Javier Solana gibt es derzeit keine Möglichkeit, die Angaben der iranischen Führung zu ihrer Atomtechnik zu überprüfen.

In Wien hieß es, nach gesicherten Informationen habe Teheran bisher lediglich 1000 Gaszentrifugen installiert, die in sechs sogenannten Kaskaden (à164 Zentrifugen) zusammengefasst seien. Ob diese bereits in vollem Umfang angereichertes Uran zum Betrieb von Atomkraftwerken produzieren, sei ungewiss.

Die internationale Gemeinschaft befürchtet, dass der Iran die Urananreicherung zum Bau von Atomwaffen missbrauchen könnte. Teheran hat dies bestritten. Dazu müsste Uran allerdings erheblich höher angereichert werden, als dies für Kernkraftwerke erforderlich ist.

Russland habe bislang keine Bestätigung für den Beginn einer Urananreicherung im industriellen Maßstab im Iran, sagte Außenminister Sergej Lawrow. "Wir versuchen, die Situation zu klären, darunter in Kontakten mit Fachleuten der Internationalen Atomenergie-Organisation im Iran."

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft reagierte mit "großer Sorge" auf die Ankündigung Ahmadinedschads, der Iran habe die Fähigkeit zur industriellen Produktion von nuklearem Brennstoff zum Betrieb von Atomkraftwerken erlangt. Die USA sprachen von "einem neuen Zeichen der Missachtung der internationalen Gemeinschaft". Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon forderte den Iran auf, den Uno-Resolutionen des Weltsicherheitsrats vom März und Dezember voll nachzukommen.

Der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki schloss Verhandlungen über das Atomprogramm aus, solange der Westen als Vorbedingung dafür weiter die Aussetzung der Urananreicherung verlange. Sein Land sei zu Gesprächen ohne eine solche Vorbedingung bereit, die "andere Seite sollte jedoch etwas Neues vorlegen", sagte er.AFP, dpa

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus