Iran: Rätsel um die Verschleppung von 15 Soldaten auf dem Schatt Al-Arab
Warum griff britische Fregatte nicht ein?
Teheran/London/Hamburg. Auch am dritten Tag nach der Verschleppung von 15 britischen Marinesoldaten durch Angehörige der iranischen Revolutionsgarden hatte die britische Regierung gestern weder Zugang zu den Soldaten noch Kenntnis über ihren Aufenthaltsort.
Beide Staaten bestellten die Geschäftsträger des anderen Landes ein, um ihnen einen Protest zu überreichen. London, bestärkt von der irakischen Regierung, beharrt darauf, dass der Vorfall in irakischen Gewässern stattgefunden habe, Teheran behauptet, die Briten seien auf iranisches Gebiet eingedrungen.
Westliche Diplomaten äußerten den Verdacht, Teheran habe die Krise absichtlich herbeigeführt, um ein Druckmittel gegen den Westen im Zusammenhang mit der schwelenden Atomkrise und den jüngsten Uno-Sanktionen gegen den Iran zu erhalten.
So soll es Hinweise geben, die Regierung in Teheran habe die Marinekräfte der als militärische Elite geltenden Revolutionsgarden angewiesen, die britischen Soldaten gefangen zu nehmen, die in kleinen Schlauchbooten unterwegs waren, um routinemäßig ein Handelsschiff zu kontrollieren. Nach Angaben der Regierung in Teheran beweisen die GPS-Geräte der Briten klar, dass sie dabei in iranische Gewässer eingedrungen seien.
Warum das Mutterschiff der Briten, die Fregatte "HMS Cornwall", die waffentechnisch den kleinen, mit schweren Maschinengewehren ausgestatteten Schnellbooten der iranischen Revolutionsgarden überlegen ist, die Annäherung der Iraner nicht bemerkt hat und nicht rechtzeitig eingreifen konnte, ist bislang völlig unklar.
Wie die Londoner BBC meldete, soll der Chefredakteur der angeblich "einzigen unabhängigen Zeitung Irans", Ali Palaman, die Vermutung geäußert haben, Teheran wolle die Briten in einem Schauprozess vorführen.
Ein amerikanischer Marineoffizier im Persischen Golf sagte, die Amerikaner hätten für den Fall einer solchen Konfrontation nicht nur das Recht, sondern sogar "die Pflicht", das Feuer auf die Iraner zu eröffnen. Warum die Briten das nicht getan hätten, sei ihm schleierhaft.
Der Ort der Verschleppung, der Schatt al-Arab, ist eines der gefährlichsten und umstrittensten Gewässer der Welt. Dieser fast 200 Kilometer lange Zusammenfluss von Euphrat und Tigris bildet die Grenze zwischen dem Irak und dem Iran und mündet in den Persischen Golf.
Im 17. Jahrhundert kämpften Türken und Perser um den Fluss. Bis 1975 verlief die Grenze an der iranischen Seite, der ganze Fluss gehörte zum Irak. Doch dann unterzeichneten die Führer beider Staaten, Schah Mohammed Reza Pahlewi und Saddam Hussein, ein Abkommen, das die Grenze in die Flussmitte verlegte. Saddam kündigte es 1980 wieder auf und ließ eine riesige Invasionsstreitmacht über den Fluss setzen. Der Krieg dauerte fast neun Jahre, vor allem das iranische Ufer ist noch übersät mit Panzerwracks und Minen.



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