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Ausland

Kairo: Auf Initiative des Hamburger Menschenrechtlers Nehberg

Islamgelehrte verdammen Beschneidung von Mädchen

Religionsführer stufen Ritual als "strafbare Aggression gegen das Menschengeschlecht" ein.

Hamburg. In seinem Kampf gegen die grausame Beschneidung von Mädchen in islamischen Staaten hat der Hamburger Menschenrechtler Rüdiger Nehberg einen sensationellen Erfolg erzielen können.

Auf einer Konferenz von höchsten islamischen Würdenträgern in Kairo, die von Nehberg und seiner Lebensgefährtin Annette Weber organisiert und finanziert wurde, ist die Verstümmelung von Frauen als gegen den Islam gerichtet und als "strafbare Aggression gegen das Menschengeschlecht" verurteilt worden. Die Teilnehmer der Konferenz in der altehrwürdigen Al-Azhar-Universität, der höchsten Autorität für Rechtsfragen im sunnitischen Islam, appellierten an alle Muslime, diese "ererbte Unsitte" in Übereinstimmung mit den Lehren des Islam zu unterbinden.

Damit ist die Beschneidung noch nicht abgeschafft, doch wurde deren Rechtsgrundlage entzogen. Denn zum ersten Mal wurde von höchster Stelle klargestellt, dass weder der Koran noch die Überlieferungen des Propheten - die sogenannten Hadithe - die Verstümmelung rechtfertigen. Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, die Nehberg politisch und auch finanziell unterstützte, hatte vor der Konferenz gesagt, die Bedeutung einer derartigen Fatwa für die Unversehrtheit der Frauen könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Unter den Teilnehmern der Konferenz waren der Religionsminister von Ägypten, das Oberhaupt der Al-Azhar-Universität, der Großmufti von Ägypten und die Sonderbotschafterin des ägyptischen Präsidentenpaares. Ferner nahmen hohe geistliche Autoritäten aus dem Tschad, Dschibuti, Mali, Katar, Äthiopien und anderen Staaten teil. Als sensationell galt die Teilnahme des äußerst einflussreichen Scheichs Jussuf Karadawi. Der Islamist hatte vor wenigen Monaten den Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen losgetreten. Auch Karadawi räumte ein, dass es im Koran keine Sure zur Beschneidung der Frau gebe.

"Wir können diesen Erfolg noch nicht fassen", sagte Nehberg gestern gegenüber dem Abendblatt. Pro Tag werden weltweit rund 8000 Mädchen beschnitten. Ohne Betäubung, oft mit einer Glasscherbe oder einer rostigen Rasierklinge werden Schamlippen und Klitoris entfernt.

Der Beschluss der Kairoer Konferenz gilt als Fatwa, als islamisches Rechtsgutachten.

 

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