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Ausland

Israel verhaftet acht Hamas-Minister

Offensive: Jerusalem verlangt die Freilassung des entführten Soldaten Schalit. Sie sollen als Terroristen vor Gericht gestellt werden. Hamas: Das war von langer Hand geplant.

Ramallah/Jerusalem. Mit verbundenen Augen und in Handschellen wurden die Minister der radikal-islamischen Hamas von Soldaten aus einem Wohnungskomplex in Ramallah abgeführt. In einem beispiellosen Militäreinsatz hat Israel fast die komplette Führung der regierenden Hamas - acht Minister, 22 Abgeordnete und mehr als 30 Funktionäre - im Westjordanland festgenommen. Israel verlangt von der Hamas die Freilassung des 19jährigen israelischen Soldaten Gilad Schalit, der vor fünf Tagen verschleppt worden war.

Die Festgenommenen sollen wegen Beteiligung an Terroraktivitäten vor Gericht gestellt werden. "Ein Terrorist ist ein Terrorist, da interessieren politische Titel nicht", sagte eine Militärsprecherin. Dies wäre das erste Mal, daß Israel Mitglieder einer palästinensischen Regierung vor Gericht stellt. Verteidigungsminister Amir Perez billigte weitere Schritte der Militäroffensive mit dem Codenamen "Sommerregen".

Die israelische Regierung bestätigte gestern den Tod des entführten israelischen Siedlers. Der 18jährige sei vermutlich schon kurz nach seiner Verschleppung im Westjordanland am Sonntag erschossen worden. Die radikale Palästinensergruppe Volksbefreiungskomitee hatte gedroht, Elijahu Ascheri zu töten, sollte die in der Nacht zu Mittwoch begonnene Offensive im Gaza-Streifen nicht beendet werden. Zu dem Zeitpunkt war der Entführte aber offenbar schon tot. Ein Sprecher des Volkswiderstands drohte, auch Schalit werde getötet, sollte Israel seine Offensive fortsetzen.

Weite Teile des Gaza-Streifens waren nach der Bombardierung des zentralen Kraftwerks weiterhin ohne Strom und Wasser. Israelische Kampfflugzeuge beschossen mutmaßliche Waffenfabriken, Ausbildungseinrichtungen militanter Gruppen und unterirdische Tunnelsysteme. Im südlichen Chan Junis hatten israelische Kampfflugzeuge unter anderem eine Lagerhalle unter Beschuß genommen, in der angeblich Waffen und Kassam- Kleinraketen gelagert wurden.

Eine Armeesprecherin sagte, eine Freilassung der mehr als 60 festgenommenen führenden Hamas-Mitglieder sei zunächst nicht zu erwarten. Die Minister und Parlamentarier sollten so rasch wie möglich dem Haftrichter vorgeführt werden, dann solle ein juristisches Verfahren eingeleitet werden. Es gebe aus israelischer Sicht keine Trennung zwischen politischer und militärischer Führung der Hamas.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas rief die internationale Gemeinschaft auf, sich für eine Beendigung der israelischen Maßnahmen einzusetzen. Die EU beorderte ihren Nahost-Sondergesandten, den Belgier Marc Otte, in die Krisenregion. Israels Regierungschef Ehud Olmert sagte ein Vorbereitungstreffen für einen Gipfel mit Abbas ab. Ein Treffen zwischen beiden Politikern stehe nicht mehr auf der Tagesordnung. Infrastrukturminister Benjamin Ben-Elieser bezeichnete die Hamas als eine "Organisation von Attentätern". Die Hamas verurteilte die Festnahmen als von langer Hand geplant. Israel nutze die Verschleppung des Soldaten nur als Vorwand für den Militäreinsatz.

HA

 

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